In-Deep-Analyse: Lenzing AG als langfristige Erfolgsgeschichte

Die österreichische Lenzing Gruppe ist weltweit führend auf dem Markt für hochwertige, botanische Zellstofffasern – hergestellt aus Holz im Gegensatz zu Baumwolle oder synthetischen Fasern. Es gibt einige Gründe, die das Unternehmen für Anleger interessant machen.

© Lenzing

Zunächst ist anzuführen, dass das Unternehmen vom säkularen Wachstum im Fasermarkt profitiert, welches vornehmlich von globalen Vermögenszuwächsen und Bevölkerungswachstum angetrieben wird. Darüberhinaus ist die Lenzing Aktie bei einem 2017er KGV von 16,6x attraktiv bewertet – vor allem in Anbetracht des zweistelligen Ertragswachstums. Schließlich ist es als äußert positiv zu werten, dass das Unternehmen mit einer langfristigen strategischen Ausrichtung geleitet wird. Dies ist weitgehend der Tatsache zu verdanken ist, dass Lenzing von einer teils öffentlichen, teil privaten Stiftung kontrolliert wird, die 63% der Anteile des Unternehmens hält.

Hintergrundinformationen

Lenzing ist der weltgrößte Produzent von auf dem Rohstoff Holz basierenden Zellstofffasern. Die vom Unternehmen produzierten hochqualitativen Fasern kommen in verschiedenen Industrien zum Einsatz, z.B. in der Textilindustrie (Bekleidung, Heimtextilien, etc.), bei Vliesstoffen (Nicht gewebte Vliesstoffe, die bei Hygiene- und Medizinprodukten Anwendung finden) und auch bei bestimmten technischen Anwendungen wie Schutzbekleidung.

Obwohl ihr Anteil im Vergleich zum gesamten Fasermarkt immer noch verhältnismäßig klein ist, haben Holzfasern den Vorteil der Nachhaltigkeit – vor allem im Vergleich zur wasser- und behandlungsintensiven Baumwolle. Auch die Preissicherheit der Ressource Holz ist deutlich stabiler als dies bei Baumwolle der Fall ist, weil deren Ernteertrag stark wetterabhängig ist. Nichtsdestotrotz ist der Markt für botanische Zellstofffasern aus Holz verhältnismäßig klein im Vergleich zu Baumwolle und synthetischen Fasern und somit ein Nischenmarkt, wie die folgende Grafik verdeutlicht.

Die nachfolgende Grafik visualisiert Lenzings Marktführerposition im Markt für holzbasierte Cellulosefasern. Die meisten Wettbewerber kommen aus Asien, wo vor allem chinesische Produzenten mit immer strenger werdenden Umweltauflagen zu kämpfen haben.

Im Laufe der Jahre hat Lenzing ein sehr breit aufgestelltes und diversifiziertes Produktportfolio aufgebaut, welches viele Wachstumsmöglichkeiten für die Zukunft eröffnet. Die vom Unternehmen produzierten Fasern werden in den folgenden Produkten und Anwendungen eingesetzt:

  • Kleidung
  • Heimtextilien: Betten, Laken, Matratzen usw.
  • Spezialfasern: Filter, Autositze usw.
  • Nicht gewebte Vliesstoffe: Hygieneprodukte
  • Schutzkleidung: Hitze- und Feuerresistente Kleidung

Innerhalb der Industrie und sogar darüber hinaus hat Lenzing viel Applaus für die Integration von Nachhaltigkeit und ökologischen Werten in Produktionsprozesse und Produkte erhalten. Das Produkt an sich, holzbasierte Zellulosefasern, ist Baumwolle im Zusammenhang mit der Problematik Nachhaltigkeit in nahezu allen Punkte überlegen:

  • Die Produktion von Baumwolle benötigt 22 mal mehr Wasser pro Tonne produzierter Fasern
  • Die Anbaufläche, die für die Produktion von einer Tonne Baumwolle benötigt wird, übersteigt die für Holzfasern benötigte Anbaufläche um das 3,4 fache
  • Im Vergleich zu Baumwolle benötigen Lenzings Fasern nur ca. ein Zwanzigstel der für die Bauwollproduktion benötigten Irrigation

Die Innovationsfähigkeit der Lenzing Gruppe ist beachtlich. Das jüngste Beispiel ist eine neue Faser namens RefibraTM, die aus Baumwollabfällen gefertigt ist. Sie soll im Frühjahr 2017 im Zusammenhang mit einer Kooperation mit dem weltweit führenden Textilhändler Inditex (Zara) kommerzialisiert werden. Man kann erwarten, dass Lenzing bald auch mit weiteren Einzelhändler zusammenarbeiten wird.

ZUSAMMENFASSUNG VON STÄRKEN UND RISIKEN

Stärken 

  • Ertragswachstum im zweistelligen Bereich, welches vor allem durch die starke Präsenz in asiatischen Wachstumsmärkten (57% Umsatzanteil) sowie durch Megatrends, wie zum Beispiel das globale Bevölkerungswachstum oder die steigende Akzeptanz der Notwendigkeit von Nachhaltigkeit, vorangetrieben wird
  • Lenzing stellt regelmäßig seine Innovationskraft unter Beweis, vgl. neue RefibraTM Faser im Zusammenhang mit der Kooperation mit Inditex
  • Das durchschnittliche Kursziel des Analystenkonsensus hinkt der Ergebnisentwicklung hinterher. Es befindet sich aktuell bei nur 149 Euro, so dass kurz- bis mittelfristig mit Anhebungen des Kursziels von Seiten der Analysten zu rechnen ist
  • Langfristige Strategieausrichtung wofür es diverse Anhaltspunkte gibt: umfassende Investitionen in R&D, zunehmendes In-sourcing der Holzproduktion, zur Verbesserung der Rohstoffkostenplanung und allgemeinen Planungssicherheit

Potentielle Risiken und Schwachpunkte

Das größte systemische Risiko für Lenzing aus unserer Sicht ist ein potenzieller Technologiedurchbruch bei synthetischen Fasern. Allerdings dürfte es bis zu einem solchen Durchbruch noch einige Zeit dauern, denn die Branche arbeiten bereits seit Jahrzehnten daran. Diverse Defizite, wie z.B. Transpirationsgerüche, sind weiterhin ungelöst. Darüber hinaus basieren synthetische Fasern weiterhin auf fossilen Brennstoffen, so dass ihre Rohstoffkosten an den Ölpreis geknüpft sind. Die Textilindustrie ist daher intensiv auf der Suche nach neuen und nachhaltigeren Rohstoffen – eine monumentale Herausforderung für die Wissenschaftler der Branche.

Bewertung

Für ein gut geführtes Unternehmen ohne Nettoverschuldung und mit ausgezeichneten Wachstumsaussichten erscheint eine Bewertung mit einem KGV von 16,6x für das Jahr 2017 durchaus attraktiv. Diese Tatsache, sowie die Berücksichtigung unserer Ausführungen sprechen dafür, dass die 200 Euro Marke für die Aktie der Lenzing AG innerhalb der nächsten zwei Jahre ein erreichbares Ziel darstellt – falls es nicht zu größeren Marktturbulenzen kommt. Diese Annahme trifft umso mehr zu seit das Management bei der Veröffentlichung des Zahlenwerkes für das Jahr 2016 die folgende Aussage getroffen hat: „Unter der Voraussetzung unveränderter Fasermarktverhältnisse und Währungsrelationen erwartet Lenzing 2017 eine deutliche Verbesserung gegenüber 2016.“ Unter Berücksichtigung der Dividende von 5 Euro entspricht ein Aktienkurs von 200 Euro in zwei Jahren einer durchschnittlichen Jahresrendite von 15%.

Offenlegung: Der UCITS Investment Fonds Europa One, für den wir als Investment Advisor agieren, hält Aktien der Lenzing AG.

 

Diese Analyse wurde von 4-traders.com erstellt. Weitere Analysen und Nachrichten werden börsentäglich  auf der Internetseite www.4-traders.com veröffentlicht.

 

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. MID Medieninformation und Dienstleistungen e. K. übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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