Vorstandsinterview exklusiv: Berentzen mit frühzeitiger Refinanzierung

Berentzen-Gruppe sichert frühzeitig Refinanzierung der Unternehmensanleihe: „Unternehmen und Aktionäre werden davon profitieren“

Interview mit dem CFO Ralf Brühöfner

Die Berentzen-Gruppe hat ihre gute Unternehmensentwicklung und das günstige Finanzierungsumfeld genutzt und frühzeitig die Refinanzierung der im Oktober 2017 fälligen Unternehmensanleihe sichergestellt. Die 50-Mio.-Euro-Anleihe wird durch einen Konsortialkredit ersetzt, wobei das Finanzierungsvolumen auf bedarfsgerechte 25,5 Mio. Euro nahezu halbiert wird.

Durch die günstigere Refinanzierung rechnet Berentzen-CFO Ralf Brühöfner mit einer Senkung der jährlichen Finanzierungskosten ab Oktober 2017 um voraussichtlich mehr als zwei Mio. Euro pro Jahr. Damit weiten sich für den Getränkekonzern auch die Spielräume für Innenfinanzierungen auf der einen Seite und für Dividendenausschüttungen auf der anderen Seite aus. Börse Global traf den Finanzvorstand zum Exklusivinterview.

Börse Global: Herr Brühöfner, die Berentzen-Gruppe hat einen Finanzierungsvertrag mit einem Bankenkonsortium unter Führung der Deutsche Postbank AG geschlossen, um die Unternehmensanleihe bei deren Fälligkeit im Oktober 2017 durch einen Konsortialkredit zu ersetzen. Warum haben Sie sich für diese Finanzierungsoption entschieden?

© Ralf Brühöfner / Berentzen

Ralf Brühöfner: Vor dem Hintergrund der guten Bonität der Berentzen-Gruppe standen grundsätzlich diverse Optionen für die Refinanzierung zur Verfügung: Eine erneute Unternehmensanleihe, ein Schuldscheindarlehen oder ein Konsortialkredit. Dabei hat jedes dieser Instrumente Stärken und Schwächen hinsichtlich der Konfliktquadratur aus Stabilität, Flexibilität, Unabhängigkeit und Kosten. Wir haben uns gefragt, welches dieser Kriterien für die Berentzen-Gruppe aktuell und mittelfristig die bedeutsamste Rolle spielen wird und welche der Alternativen diese Bedingungen am besten erfüllt. Am Ende war es der Konsortialkredit, der unter den für uns wichtigen Gesichtspunkten Finanzierungskosten einerseits und Stabilität und Sicherheit andererseits unsere Anforderungen am besten erfüllen konnte.

Wozu haben Sie den Liquiditätszufluss aus der Anleiheemission im Jahr 2012 verwendet und wie ist es aktuell um die finanzielle Situation der Berentzen-Gruppe bestellt?

Ralf Brühöfner: Einen Teil der Mittelzuflüsse haben wir im Jahr 2014 für die Akquisition der T M P Technic Marketing Products verwendet, einem Unternehmen mit Sitz im österreichischem Linz, welches sehr erfolgreich Frischsaftsysteme unter der Marke Citrocasa vertreibt und seit dem Kauf einen nennenswerten Beitrag zum Konzernergebnis beisteuert. Die Nettoauszahlung für den Erwerb betrug seinerzeit etwa 15 Mio. Euro. Darüber hinaus haben wir seitdem unsere Bestände an Bourbon-Whiskey um ca. 7 Mio. Euro erhöht. Die Nachfrage nach dieser Produktkategorie ist hoch, die verfügbaren Mengen sind knapp. In Deutschland sind wir in diesem Segment einer der führenden Anbieter und wichtiger Partner des Lebensmitteleinzelhandels.

Das Finanzierungsvolumen wird nach Tilgung der Unternehmensanleihe auf etwa 25,5 Mio. Euro nahezu halbiert. Benötigen Sie nicht mehr Kapital oder war das eine der Bedingungen der Bankenseite?

Ralf Brühöfner: Die wesentlichen Verwendungen, die ich gerade genannt habe, summieren sich gerade einmal auf ca. 22 Mio. Euro. Diese vorsichtige Mittelverwendung in Verbindung mit stabilen operativen Cashflows führen zu einer Liquiditätssituation, die ein Finanzierungsvolumen über die jetzt vereinbarten 25,5 Mio. Euro hinaus nicht erforderlich macht. Mehr zu bekommen wäre aber auch keine große Herausforderung gewesen.

Durch die deutlich reduzierte Refinanzierung können Sie Ihre jährlichen Finanzierungskosten ab Oktober 2017 voraussichtlich um mehr als zwei Millionen Euro senken. Was bedeutet dies konkret für die künftige Ertragslage der Berentzen-Gruppe?

Ralf Brühöfner: Nicht nur wegen des geringeren Volumens, sondern auch durch die geringeren Zinssätze und nicht zuletzt aufgrund einer unterjährig bedarfsgerechteren Finanzierungstruktur – ein großer Teil des Konsortialkredites wird durch Kontokorrentkredite abgebildet – wird sich der jährliche Finanzaufwand ab 2018 tatsächlich um deutlich mehr als die Hälfte reduzieren. Damit weiten sich grundsätzlich, d. h. unter der Annahme weiterhin guter operativer Erfolge, die Spielräume für Innenfinanzierungen auf der einen Seite und für Dividendenausschüttungen auf der anderen Seite aus. Unternehmen und Aktionäre werden davon also profitieren.

Wie Cashflow-stark ist das operative Geschäft aktuell bei der Berentzen-Gruppe und wie wird sich dies voraussichtlich in den kommenden Jahren entwickeln?

Ralf Brühöfner: Die Berentzen-Gruppe generiert aus dem operativen Geschäft heraus eine ausreichende Innenfinanzierungskraft, um notwendige Investitionen, Kapital- und Zinsdienste sowie Dividendenausschüttungen vornehmen zu können. Wesentliche Teile des Working Capitals und deren Schwankungen werden durch Factoring gegenfinanziert bzw. abgefedert. Änderungen sind in dieser Hinsicht nicht zu erwarten.

Welche Potenziale sehen Sie noch auf der Margenseite und wie wollen Sie diese heben?

Ralf Brühöfner: Potenziale für die weitere Verbesserung der Umsatzrendite liegen insbesondere im Segment- und Produktmix. Die Optimierung des Produktmixes wird daher ein Schwerpunkt der vertrieblichen Arbeit sein. Die Konzentration auf die renditestärkeren Geschäftsbereiche ist bereits Teil unserer Strategie.

Ihr Vorstandskollege Frank Schübel hat angekündigt, seinen noch bis zum 30. Oktober 2017 laufenden Vorstandsvertrag nicht verlängern zu wollen. Befürchten Sie, dass durch diesen Schritt die zuletzt sehr positive Unternehmensentwicklung ins Stocken geraten könnte?

Ralf Brühöfner: Zunächst einmal bedaure ich die Entscheidung meines Vorstandskollegen sehr, auch wegen unserer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit. Dass die erfolgreiche Unternehmensentwicklung irgendwelchen Schaden nimmt, ist aber überhaupt nicht zu erwarten. Zum einen wird die operative Umsetzung unserer Strategie sehr stark durch die bewährte Arbeit unserer Geschäftsbereichsleiter und deren Teams getragen. Zum anderen sind viele grundlegende Maßnahmen, die für das Geschäftsjahr 2017 und die Folgejahre von Bedeutung sind, bereits umgesetzt. Kein Grund also, sich um die Zukunft des Unternehmens Sorgen zu machen.

Sie hegen aber keine Abschiedsgedanken?

Ralf Brühöfner: Ich bin seit 15 Jahren im Unternehmen und seit 2007 im Vorstand. Ich habe zahlreiche unterschiedliche Unternehmensphasen mitgestaltet und es gibt weiterhin viel zu tun. Dabei habe ich das Glück, mit einem menschlich großartigen und fachlich kompetenten Team zusammenarbeiten zu dürfen. Der Aufsichtsrat schätzt meine Leistungen, wir arbeiten vertrauensvoll zusammen. Es gibt also aktuell keinen Anlass, sich mit einem Weggang zu beschäftigen.

Kommen wir abschließend zurück auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen: Mit welchen Erwartungen sind Sie ins Jahr 2017 gestartet und was sind die größten Herausforderungen für die Berentzen-Gruppe in den kommenden Monaten?

Ralf Brühöfner: Zur Prognose für das laufende Jahr werden wir uns konkret im Geschäftsbericht 2016, den wir am 23. März 2017 veröffentlichen, äußern. Soviel vorweg: Wir wollen stetig und solide wachsen, in unseren hoch-kompetitiven Wettbewerbsumfeldern sind Ergebnisexplosionen aber eher nicht zu erwarten. Unser Konzern ist für seine mittelständische Größe mit den grundsätzlich zwar ähnlichen, aber im Detail recht unterschiedlichen Geschäftsbereichen recht komplex, und das Management dieser Vielfältigkeit an den diversen Beschaffungs-, Absatz-, Personal- und anderen Teilmärkten wird wie jedes Jahr sehr anspruchsvoll sein. Es gehört zu unseren Stärken, dies zu können.

Wenn Sie sich eine Schlagzeile für das Jahr 2020 über die Berentzen-Gruppe wünschen dürften, wie würde diese aussehen?

Ralf Brühöfner: „Berentzen erneut mit Rekordjahr“. Ist mein Standardwunsch.

Herr Brühöfner, vielen Dank für das Interview.

%d Bloggern gefällt das: