Vorstandsinterview exklusiv: Vita 34 AG sieht sich weiter auf Wachstumskurs

Vita 34 AG: „Wir wollen unsere Position als Nr. 1 nachhaltig ausbauen“.

Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden (CEO) Dr. André Gerth

Prognose getoppt: Bei einer Umsatzsteigerung von 14 Prozent auf 16,2 Mio. Euro hat die Vita 34 AG nach vorläufigen Zahlen ihr EBITDA-Margenziel für 2016 übertroffen. Bis 2019 peilt der in Leipzig ansässige Spezialist für die Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut und -gewebe die Rückkehr zu einer nachhaltigen EBITDA-Quote von 20 % an.

Im Interview mit Börse Global verweist Vorstandsvorsitzender Dr. André Gerth auf die hohe Skalierbarkeit und den weiteren Ausbau der Vertriebseffizienz. Großes Potenzial sieht er u. a. im skandinavischen Markt, in dem sich Vita 34 mit der Übernahme der dänischen Gesellschaft Stemcare verstärkt hat.

Börse Global sprach mit Dr. Gerth u. a. über die schnelle Integration der Zukäufe, das neue Spendenprodukt „VitaMeins&Deins“, die attraktive Dividende sowie das Analystenkurzsiel von 7,50 Euro.

Herr Dr. Gerth, Vita 34 hat nach vorläufigen Zahlen mit der EBITDA-Marge die Prognose für das Geschäftsjahr 2016 übertroffen. Hatten Sie bewusst eine konservative Prognose herausgegeben oder hat Sie der positive Geschäftsverlauf in der zweiten Jahreshälfte selbst überrascht?

Dr. André Gerth © Vita34

Dr. André Gerth: Wir haben die Integration der neu erworbenen Gesellschaften schneller und effizienter als geplant umgesetzt. Dadurch konnten wir bereits frühzeitig Synergieeffekte nutzen. Außerdem liegen die Integrationskosten unter den ursprünglich erwarteten Werten. Wir mussten beispielsweise keine größeren Aufwendungen für Sozialpläne tätigen. Gemeinsam mit der erfreulichen Umsatzentwicklung hat dies dazu beigetragen, dass wir die Ergebniserwartungen übertroffen haben.

Sie sprechen die Umsatzentwicklung an: Die Umsatzerlöse erhöhten sich 2016 nach vorläufigen Berechnungen um rund 2 Mio. Euro auf 16,2 Mio. Euro. Welchen Anteil hatte das anorganische Wachstum an diesem Umsatzplus? 

Dr. André Gerth: Über 50 % unseres Umsatzwachstums in 2016 resultierten aus den zusätzlichen Erlösen des anorganischen Wachstums. Aber auch auf organischer Seite konnten wir erneut zulegen. So haben wir unsere Umsatzbasis im vergangenen Jahr unter anderem durch die geographische Erweiterung unserer Märkte in Middle East und Skandinavien weiter ausgebaut.

In Skandinavien haben Sie sich mit der Übernahme der dänischen Gesellschaft Stemcare verstärkt. Ist die Integration bisher planmäßig gelaufen? Welche Synergien konnten Sie bereits realisieren?

Dr. André Gerth: Mit der Integration von Stemcare sind wir bisher sehr zufrieden. Bereits Mitte des Jahres ist der Umzug des Labors von Kopenhagen nach Leipzig erfolgt, so dass die Nabelschnurpräparate zentral in Leipzig bearbeitet und eingelagert werden. Dies bringt vor allem Synergieeffekte im Bereich Personal- und Lagerkosten mit sich.

Warum ist der skandinavische Markt für Sie besonders interessant und welche Ziele verfolgen Sie dort.

Dr. André Gerth: In Skandinavien leben insgesamt rund 26 Mio. Einwohner. Jedes Jahr sind dort knapp 300.000 Geburten zu verzeichnen. Bisher ist dieser Markt kaum erschlossen und das Angebot zur Nabelschnurblut-Einlagerung wenig bekannt, so dass wir dort großes Potenzial sehen. Andererseits sind noch wichtige Anstrengungen und auch die Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Gesundheitssektor notwendig. Schlussendlich ist es unser Ziel, unsere Position als Nr. 1 nachhaltig auszubauen.

Mit der Produkteinführung des Spendenprodukts „VitaMeins&Deins“ haben Sie nach eigener Einschätzung einen wichtigen Meilenstein im Geschäftsjahr 2016 erreicht. Was ist das Besondere an diesem Produkt und welche Wachstumsimpulse erhoffen Sie sich davon?

Dr. André Gerth: Bei dem neuen Produkt VitaMeins&Deins wird aus der Nabelschnur des Neugeborenen nicht nur ein, sondern – wenn möglich – zwei vollwertige Stammzelldepots angelegt. Bei ausreichender Menge kann das bei der Geburt gewonnene Nabelschnurblut aufgeteilt werden – in ein persönliches Depot für das Kind und ein zweites als öffentliche Spende. Neben der individuellen Gesundheitsvorsorge leistet Vita 34 damit als erste private Stammzellbank zusätzlich einen Dienst für die Allgemeinheit. So erreichen wir auch Eltern, für die die öffentliche Spende eine Option ist, aber ihren Kindern trotzdem ein eigenes Stammzelldepot ermöglichen möchte und erschließen uns damit exklusiv eine zusätzliche Zielgruppe.

Über welches Margenpotenzial verfügen Sie mittelfristig noch und wie wollen Sie dieses heben?  

Dr. André Gerth: Unser Ziel ist die Rückkehr zu einer nachhaltigen EBITDA-Quote von 20 % bis 2019. Da unser Geschäft durch eine hohe Skalierbarkeit gekennzeichnet ist, die mit einer starken Fixkostendegression durch jede zusätzliche Einlagerung einhergeht, ist die Rückkehr zum erklärten Zielwert mittelfristig umsetzbar. Dabei wird der angepeilte Ausbau der Vertriebseffizienz im Konzern einen weiteren Beitrag zur Margensteigerung liefern. 

Vita 34 ist ein Wachstumswert, zahlt aber dennoch eine attraktive Dividende von zuletzt 0,16 Euro je Aktie. Welchen Stellenwert hat die Dividende für Sie? Würden Sie die Ausschüttung auch streichen, wenn eine größere Akquisition dies erfordern würde?

Dr. André Gerth: Das Geschäftsmodell von Vita 34 ist von hoher Stabilität und damit gut planbaren Cashflows gekennzeichnet. Dies ist die ideale Basis für eine stabile Dividendenpolitik auf lange Sicht, an der wir festhalten wollen. Zukünftige Akquisitionen sollten darauf keinen Einfluss haben. Dies haben wir bereits in 2015 und 2016 erfolgreich bewiesen. Die bisherigen Akquisitionen der Vita 34 AG wurden durch einen Mix aus Eigen- und Fremdkapital finanziert. Das verfügbare Finanzierungsspektrum haben wir bisher nicht ausgeschöpft.

Die Analysten von Montega sehen den fairen Wert der Vita 34-Aktie aktuell bei 7,50 Euro. Eine realistische Einschätzung aus Ihrer Sicht?

Dr. André Gerth: Nicht nur von Analystenseite erhalten wir die Rückmeldung, dass wir derzeit unter unserem fairen Wert gehandelt werden. Auch das steigende Interesse auf Investorenseite bestätigt uns in unserer Strategie. Zu einem konkreten Kursziel möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Wenn wir jedoch unsere Wachstumsziele wie geplant umsetzen können, wovon wir absolut überzeugt sind, werden die Anleger dies sicherlich honorieren.

Herr Dr. Gerth, vielen Dank für das Interview.

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