Geschäftsbericht des Pharmariesen Bayer kann die Börse nicht überzeugen

Eigentlich hätte die Vorlage der Jahreszahlen 2016 des Pharma- und Chemieriesen Bayer dafür sorgen können, dass die Aktie ihren Erholungstrend weiter fortsetzen kann. Denn ganz grundsätzlich meldete das Unternehmen Rekordwerte. Allerdings überlagerten deutlich negative Details den Gesamteindruck.

Wie das Unternehmen meldete, konnte man im Berichtsjahr den Umsatz um 1,5 % auf knapp 46,8 Milliarden Euro steigern. Dies war ein absoluter Rekordwert in der bisherigen Firmengeschichte. Gleiches galt auch für das bereinigte EBITDA, das sich um 10,2 % auf 11,3 Milliarden Euro verbesserte. Netto verdiente Bayer letztlich 4,5 Milliarden Euro, ein Zuwachs von ebenfalls 10,2 %. Damit traf man im Wesentlichen die Markterwartungen.

Rezeptfreie Produkte als Sorgenkind

Allerdings zeigte Bayer in verschiedenen Bereichen deutliche Schwächen. Das fing schon mit dem Ergebnis des vierten Quartals an. Im Schlussquartal musste der Pharmakonzern umfangreiche Wertberichtigungen vornehmen. Das betraf vor allem die Sparte mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten. Laut Bayer würden sich einige Produkte nicht wie gewünscht entwickeln.

Der Bereich war vor drei Jahren durch eine milliardenteure Übernahme der entsprechenden Sparte des US-Konzerns Merck & Co. massiv ausgebaut worden. Bayer hatte aber schon im vergangenen Jahr eingeräumt, dass man wohl im Zuge der Due Diligence bei der Übernahme einige Schwächen in der Produktentwicklung übersehen habe. Das rächt sich nun.

Bayer muss weitere Abschreibungen stemmen

Weitere millionenschwere Abschreibungen musste man auch auf das Verhütungsmittel Essure vornehmen. Auch dieses Produkt kam durch eine Übernahme in den Konzern. Das Medikament steht allerdings wegen Nebenwirkungen massiv in der Kritik. Nun hat Bayer weitere 170 Millionen Euro auf den Marktwert abgeschrieben und damit den ursprünglichen Markenwert von rund 400 Millionen Euro komplett abgeschrieben. Insgesamt sank deshalb das Nettoergebnis im vierten Quartal um rund 46 % auf 453 Millionen Euro.

Positives konnte dagegen Bayer im klassischen Pharmageschäft berichten. Die derzeit wichtigsten Produkte zeigen weiterhin eine starke Entwicklung, sodass die Pharmasparte insgesamt im Geschäftsjahr ihren Umsatz um 7,3 % auf 16,4 Milliarden Euro erhöhen konnte. Weiteres Wachstum dürfte durch die gut gefüllte Pipeline gesichert sein.

Agrarchemiesparte vor Monsanto-Übernahme mit Schwächen

Schwächer dagegen die Bilanz in der Agrarchemiesparte. Im Bereich Pflanzenschutz/Saatgut musste ein Umsatzrückgang um 2,1 % auf 9,9 Milliarden Euro hingenommen werden. Dies vor dem Hintergrund, dass Bayer bekanntlich für 66 60 Milliarden Dollar dabei ist, den amerikanischen Saatgutspezialisten Monsanto zu übernehmen. Auch wenn hier die langfristigen Perspektiven durchaus positiv erscheinen, stellt Spartenchef Liam Condon erst wieder für 2018 eine Rückkehr zu robustem Wachstum in Aussicht.

Ausblick stellt nicht zufrieden

Unter dem Strich kam dann letztlich auch der gesamte Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr nicht so gut an. Zwar stellt Bayer einen Anstieg des Umsatzes auf mehr als 49 Milliarden Euro in Aussicht. Dabei soll das bereinigte EBITDA im mittleren einstellen Prozentbereich zulegen können. Gegenüber den Wachstumsraten aus 2016 wäre das natürlich ein Rückschritt.

Außerdem erklärte Bayer, dass im Ausblick auch die Zahlen der aktuellen Mehrheitsbeteiligung Covestro mit enthalten sind. Am Kunststoff-Spezialisten hält Bayer noch 64 %, will diese Anteile allerdings mittelfristig verkaufen. Insofern fragen sich natürlich manche Anleger und Analysten, welchen Sinn es macht, die Covestro-Zahlen noch weiter mit einzurechnen.

Die Börse zeigt sich entsprechend eher zurückhaltend. Bayer notiert heute mit knapp 1,3 % im Minus und macht damit zumindest heute erst einmal eine Pause vom bisherigen Aufwärtstrend.

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