128 Tanker im Stau – warum die Nasdaq-Rally auf dem Wasser strandet

Die Eskalation in der Straße von Hormus führt zu massiven Lieferkettenproblemen und gefährdet die anhaltende Rallye der Tech-Börsen durch steigende Energiepreise und Inflationsängste.

Die Kernpunkte:
  • Iran setzt Blockade der Straße von Hormus fort
  • Massiver Stau von über 128 Öltankern
  • Energiepreisschock treibt US-Inflation an
  • Nasdaq-Rally trotz geopolitischer Spannungen

Liebe Leserinnen und Leser,

am Donnerstag schloss ich mit der Beobachtung, dass der Wettlauf um die physischen Grundlagen des Wachstums begonnen hat – Kupfer, Energie, Lieferketten. Dass dieser Wettlauf schneller eskalieren würde als erwartet, zeigt ein einziger Tag an der Straße von Hormus.

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Am Freitag erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghchi die Meerenge für „komplett offen“. Die europäischen Gaspreise am Dutch TTF schlossen bei rund 41,59 Euro pro Megawattstunde – ein Minus von knapp zwei Prozent zum Vortag und rund 24 Prozent unter dem Niveau von vor einem Monat. Der Nasdaq verzeichnete seinen 13. Gewinntag in Folge, die längste Serie seit 1992. Für einen kurzen Moment schien die Krise am Golf beherrschbar.

Keine 24 Stunden später war die Illusion verflogen.

Schüsse in der Meerenge

Am heutigen Samstag hat der Iran die Beschränkungen für die Wasserstraße wieder in Kraft gesetzt. Die Begründung aus Teheran: Washington halte seine Seeblockade gegen iranische Häfen aufrecht. Das US-Regionalkommando Centcom bestätigte, die Blockade weiter durchzusetzen – 23 Schiffe mussten bereits umkehren.

Was danach geschah, lässt sich nicht mehr als diplomatisches Säbelrasseln abtun. Die iranischen Revolutionsgarden feuerten auf Schiffe. Ein indischer Supertanker mit zwei Millionen Barrel irakischem Öl an Bord musste nach einem Schusswechsel abdrehen. Der Verband Deutscher Reeder in Hamburg zog das einzig logische Fazit: Ohne belastbare Sicherheitsgarantien ist an eine Passage nicht zu denken.

Die Börsen preisen derweil ein schnelles Friedensabkommen ein. Es kursieren Berichte über einen Rahmenvertrag: Washington gibt 20 Milliarden Dollar an eingefrorenen Geldern frei, Teheran liefert sein angereichertes Uran ab. Doch Donald Trump stellte heute im Weißen Haus klar, dass er sich nicht erpressen lasse – auch wenn die Gespräche „sehr gut“ liefen. Die aktuelle Waffenruhe läuft am Mittwoch, dem 22. April, aus. Und selbst wenn sie hält: Über 128 Tanker stauen sich in der Region. Logistiker schätzen, dass es bis zu drei Monate dauern könnte, bis die normalen Kapazitäten wieder erreicht sind. Die Rallye an der Wall Street wettet auf einen Deal. Die Realität auf dem Wasser spricht eine andere Sprache.

Kerosin-Sorgen und 9.000 Demonstranten

In Deutschland schlägt die Lage am Golf direkt auf die Innenpolitik durch. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche musste heute vor „Alarmismus“ warnen, was mögliche Kerosin-Engpässe für die Luftfahrt angeht – man sei im ständigen Austausch mit der Branche. Am Donnerstag hatte ich berichtet, dass die Lufthansa ihre Regionaltochter Cityline faktisch abwickelt, weil die Kerosinpreise den Betrieb unwirtschaftlich machen. Die Beschwichtigungen aus dem Ministerium kommen bei vielen zu spät.

In Berlin gingen heute 9.000 Menschen gegen die Energiepolitik der Regierung auf die Straße, in München richteten sich Transparente direkt gegen Reiche. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil signalisierte am Rande eines Treffens in Barcelona, dass er für weitere Entlastungsschritte offen sei. Erst am Donnerstag hatte Brüssel den deutschen Industriestrompreis mit 3,8 Milliarden Euro genehmigt. Nun zeigt sich: Das reicht nicht, um die politische Druckwelle abzufangen, die von der Straße von Hormus bis in deutsche Innenstädte rollt.

Kevin Warsh und die 3,58-Prozent-Frage

Hinter der geopolitischen Krise baut sich eine geldpolitische Realität auf, die die Aktienmärkte bislang konsequent ignorieren.

Am 15. Mai endet die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell. Trump hat mit Kevin Warsh einen Nachfolger nominiert, dessen Fokus unmissverständlich auf Preisstabilität liegt. Doch Warshs Bestätigung durch den Senat ist alles andere als sicher: Senator Thom Tillis, Republikaner im Bankenausschuss, blockiert die Nominierung, solange das Justizministerium seine Ermittlungen gegen Powell nicht einstellt. Die Anhörung ist für Dienstag, den 21. April, angesetzt.

Warsh träfe auf eine US-Inflation, die im März auf 3,3 Prozent gestiegen ist – für April werden 3,58 Prozent geschätzt. Der Grund liegt auf der Hand: der Energiepreisschock durch die wochenlange Einschränkung einer Meerenge, durch die normalerweise 20 Prozent des globalen Öls fließen.

Der amerikanische Konsument reagiert bereits. Das Verbrauchervertrauen der University of Michigan ist auf ein Rekordtief von 47,6 gefallen. Die Menschen sparen beim Vergnügen: Besuche in Bowlero-Bowlingcentern brachen im März um 10,6 Prozent ein, Escape Rooms verloren 6,7 Prozent. Eine Börse, die auf Zinssenkungen gewettet hatte, muss sich nun auf das Szenario einstellen, dass ein neuer Fed-Chef die Zinsen im schlimmsten Fall sogar anheben könnte, um die importierte Inflation zu bekämpfen.

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Kurz notiert

Diplomatie über den Wolken: Papst Leo XIV. versuchte auf dem Flug zu seiner Afrikareise nach Angola, den Streit mit Trump zu entschärfen. Seine Äußerungen über „Tyrannen“ seien nicht auf den US-Präsidenten gemünzt gewesen. Trump hatte den Papst zuvor als „schwach“ bezeichnet.

Tragödie im Libanon: Trotz der Waffenruhe wurde heute ein französischer UNIFIL-Soldat im Süden des Landes getötet. Präsident Macron machte die Hisbollah für den Angriff verantwortlich.

Was vor uns liegt

Die kommende Woche wird zeigen, ob die Hoffnung auf einen Deal am Golf trägt oder ob die physische Realität die Oberhand gewinnt. Am Mittwoch läuft die Waffenruhe aus. Am Dienstag steht Kevin Warsh vor dem Bankenausschuss. Und die Quartalssaison der Tech-Giganten nimmt Fahrt auf – mit Zahlen, die beweisen müssen, dass die aktuelle Börsenbewertung mehr ist als ein Vorschuss auf eine Welt, in der alles gut geht. 128 Tanker im Stau sprechen dagegen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst, Ihr Felix Baarz

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