14,8 Milliarden Dollar für Delivery Hero – und Bitcoins leise Bodenbildung
Uber will Delivery Hero für 14,8 Mrd. Dollar kaufen. Die EZB signalisiert grünes Licht für UniCredit-Commerzbank-Deal, während Bitcoin Bodenbildung zeigt.

- Uber bietet 14,8 Milliarden Dollar
- EZB winkt UniCredit-Deal durch
- Workday-Übernahmegerüchte bewegen Software-Sektor
- Bitcoin zeigt Stabilität trotz Tech-Schwäche
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
während sich die Wall Street von milderen Inflationsdaten beflügeln ließ, kochte im Hintergrund etwas Interessanteres: ein Übernahmepoker, das gleich vier Sektoren gleichzeitig umbaut – Essenslieferung, Bankwesen, Software und, mit etwas Verzögerung, auch Krypto. Und ausgerechnet als Tech-Werte ins Wanken gerieten, zeigte Bitcoin Nerven, die man ihm zuletzt nicht zugetraut hätte. Der Reihe nach.
Delivery Hero: Uber baut sich ein globales Lieferimperium
Der größte Deal der Woche kommt nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus der Lieferbranche: Uber plant offenbar, Delivery Hero – die Konzernmutter von foodpanda – für rund 14,8 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 12,8 Milliarden Euro, zu übernehmen. Strategisch verfolgt Uber damit zwei Ziele zugleich: die eigene Lieferplattform gegenüber lokalen Rivalen auszubauen und sich Zugang zu Afrikas Last-Mile-Markt zu sichern, wo Delivery Hero bereits stark verankert ist. Parallel zeigt sich der Konzern auch operativ angriffslustig: Zusammen mit dem chinesischen Autonomiespezialisten Pony.ai sollen mehr als 2.000 Robotaxis in Europa und dem Nahen Osten auf die Straße kommen, ausgehend von Zagreb auf vier weitere Städte. Wer Uber-Aktien hält, kauft damit längst keinen reinen Mobilitätsanbieter mehr, sondern einen Plattform-Konzern, der gleichzeitig in Lieferlogistik und autonomes Fahren investiert – ein Vabanquespiel, das Kapital bindet, aber auch die Bewertungsfantasie nach oben treibt.
Delivery Hero selbst lässt sich dabei keineswegs nur passiv kaufen: Der hauseigene KI-Assistent für Partnerbetriebe zählt bereits 40.000 Nutzer und hat bei der Tochter Glovo ein Bestellplus von 15 Prozent ausgelöst. Hier wächst die operative Substanz parallel zur Übernahmefantasie – ein Unterschied zu vielen anderen Übernahmezielen, bei denen der Deal die einzige Story ist. Auf der Konkurrenzseite tickt derweil eine eigene Uhr: Bis zum 27. Oktober muss sich entscheiden, ob Grab die Übernahme von foodpanda Taiwan stemmt. Beide Fälle zusammen zeigen, dass sich die Konsolidierung im globalen Liefermarkt insgesamt beschleunigt – und dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
UniCredit/Commerzbank: Die EZB öffnet die Tür – die Rechnung kommt später
Auch bei der zweitgrößten europäischen Bankenfusion des Jahres bewegt sich etwas. Berichten zufolge sieht die EZB-Aufsicht nach ihrer Prüfung im Juli keine Gründe mehr, sich der 43-Milliarden-Euro-Übernahme von Commerzbank durch UniCredit entgegenzustellen; die finale Entscheidung wird für September oder Oktober erwartet. Die deutsche BaFin bremst dagegen weiter und kritisiert sowohl die Governance-Pläne als auch die aus ihrer Sicht „aggressive“ Kampagne des Mailänder Konzerns. Konkret verlangt die EZB von UniCredit eine harte Kernkapitalquote von über 12,5 Prozent, sollte der Anteil auf knapp 50 Prozent steigen – aktuell hält UniCredit rund 30 Prozent an Commerzbank.
Spannender als die Genehmigung selbst ist ohnehin die Rechnung danach: UniCredit-Chef Andrea Orcel plant offenbar, die Kostenbasis der Commerzbank um 1,3 Milliarden Euro zu kappen – rund ein Fünftel des gesamten Kostenblocks –, um die Kosten-Ertrags-Relation bis 2030 auf 37 Prozent zu drücken. Zum Vergleich: UniCredit selbst kommt aktuell auf 34 Prozent, der EZB-Bankendurchschnitt liegt bei 55 Prozent. Die Genehmigung ist damit fast schon im Kurs eingepreist. Die eigentliche Wette betrifft etwas anderes: ob Orcel diese ambitionierten Synergien tatsächlich realisieren kann, während BaFin und lokale Aufseher weiter auf mehr Konsens pochen. Aktionäre beider Häuser setzen also weniger auf das Ja aus Frankfurt als darauf, ob sich ein Fünftel der Kostenbasis tatsächlich herausschneiden lässt.
Software-Sektor: Übernahmefantasie zieht die ganze Branche mit
Am Donnerstag sorgte ein Bericht über mögliche Übernahmegespräche zwischen dem Finanzinvestor Silver Lake und Workday für erhebliche Kursausschläge – der Handel in der Aktie wurde zeitweise ausgesetzt. Der Effekt strahlte auf die gesamte Branche aus: SAP verteuerte sich binnen eines Monats um rund 32 Prozent. Am Freitag folgte dann die Ernüchterung: Workday gab rund 4,6 Prozent ab, während auch Salesforce, Adobe und ServiceNow leicht nachgaben und SAP nahezu unverändert schloss. Das Muster ist typisch für M&A-Spekulationen ohne bestätigten Deal: Investoren zeigen sich bereit, geprügelte Softwarebewertungen neu zu denken – ein bestätigter Deal ist das aber noch lange nicht. Wer jetzt in Workday einsteigt, kauft eine Wette auf Bestätigung oder Dementi, keine Fundamentaldaten.
SAP selbst braucht diese Übernahmefantasie ohnehin nicht als Stütze: Das Cloud-Geschäft wuchs im zweiten Quartal um 24 Prozent, der Auftragsbestand um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das ist die Substanz, die den Kurs auch ohne Deal-Spekulation trägt – auch wenn zuvor bekannt gewordene Sicherheitslücken kurzzeitig für Gewinnmitnahmen sorgten.
Bitcoin: Bodenbildung mitten im Tech-Beben
Während der Halbleiter- und Tech-Sektor zeitweise unter Druck geriet, zeigte Bitcoin im Wochenverlauf ungewöhnliche Stabilität. Der Kurs testete zuletzt eine Unterstützungszone bei 61.500 bis 62.000 Dollar, nachdem er am Mittwoch noch bei rund 63.362 Dollar notiert hatte – ein Rückgang von rund der Hälfte gegenüber dem Allzeithoch von 126.080 Dollar im Oktober 2025. Bemerkenswert ist, was Analysten aus den Daten herauslesen: Die Kennzahl für langfristige Halter (aNUPL) ist negativ geworden, historisch ein Bodensignal, während die 90-Tage-Korrelation zu Gold von minus 0,9 zu Jahresbeginn auf plus 0,7 gestiegen ist. Die Erzählung vom „digitalen Gold“ meldet sich damit zurück.
Gegenläufig bleibt allerdings der Kapitalabfluss: Bitcoin-ETFs verzeichneten am Freitag Nettoabflüsse von 57,6 Millionen Dollar, das Wochenvolumen sank um 9 Prozent – ein Indiz dafür, dass Investoren weiterhin aus Kryptowerten in KI-Aktien rotieren. Ein eindeutiges Signal ergibt sich daraus nicht, sondern ein Widerspruch: Bodenbildungs-Indikatoren auf der einen Seite, anhaltende Mittelabflüsse auf der anderen. Wer auf Bitcoin als Diversifikator setzt, sollte die kommenden Tage als Testfall verstehen – dafür, ob die Korrelation zu Risikoaktiva tatsächlich bricht, oder ob es nur eine Verschnaufpause im Gleichlauf mit Tech-Werten ist.
Genau dieser Halbleiter-Druck, der Bitcoin und Tech-Werte diese Woche gemeinsam erfasst hat, steht im Zentrum eines aktuellen Machtkampfs zwischen den USA und China um die Vorherrschaft bei KI-Chips. Im Live-Webinar „Chipkrieg USA vs China – Die neue NVIDIA“ ordnet Johannes Daut morgen um 18:00 Uhr ein, wie sich dieser Wettlauf auf die Kurse der kommenden Monate auswirken könnte – ausgehend von der jüngsten 500-Milliarden-Dollar-Absichtserklärung, die Nvidia gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR unterzeichnet hat. Trotz dieser historischen Kapitalmobilisierung gab die Nvidia-Aktie zeitweise mehr als 3 Prozent nach – ein Signal dafür, dass der Markt längst nach den nächsten Gewinnern jenseits des etablierten Platzhirschs sucht. Im Webinar geht es konkret darum, welches Unternehmen aus diesem Wettrüsten als möglicher nächster großer Profiteur hervorgehen könnte und welche Rolle Chipfabriken, Rechenzentren und Energieversorgung dabei spielen. Wer die Wechselwirkungen zwischen Tech-Sektor und Kryptomärkten, wie sie sich aktuell bei Bitcoin zeigen, besser einordnen möchte, findet hier zusätzlichen Kontext zur Kapitalrotation zwischen den Anlageklassen. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Der globale Kompass
Die Ölmärkte bleiben angespannt: Die USA drohen mit einer unbefristeten Blockade iranischer Häfen, was die Hormuz-Risikoprämie hochhält. Gleichzeitig könnte die Bank von Japan laut Reuters-Quellen bereits im September die Zinsen anheben – schneller und aggressiver als bisher erwartet, auch wegen der Energiepreis-Belastung durch den Nahost-Konflikt. Der Yen steuert auf seinen größten Wochenverlust seit drei Monaten zu und nähert sich der als Interventionsschwelle geltenden Marke von 160 Yen je Dollar.
Vier Geschichten, ein gemeinsamer Nenner: Übernahmefantasie bewegt Kurse, bevor irgendetwas bestätigt ist – bei Uber und Delivery Hero, bei UniCredit und Commerzbank, bei Workday und SAP. Nur bei Bitcoin fehlt der M&A-Auslöser, dafür ringen dort Bodenbildungs-Signale mit echten Kapitalabflüssen um die Deutungshoheit. Wer in der kommenden Woche auf die EZB-Entscheidung zu UniCredit, auf eine offizielle Bestätigung im Delivery-Hero-Deal oder auf die BoJ-Sitzung im September blickt, sollte sich auf Ausschläge in beide Richtungen einstellen. Übernahmefantasie und geopolitisches Risiko werden die Kurse in den kommenden Wochen gleichermaßen treiben.
Das Wochenende geht zu Ende, die Charts bleiben wach – bis Montag mit klarem Blick.
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