170 Dollar Öl – was Trumps Seeblockade für die Weltwirtschaft bedeutet

Die Blockade der Straße von Hormus durch die USA bedroht 20 Prozent der globalen Energieversorgung und könnte die Weltwirtschaft um über eine Billion Dollar belasten.

Die Kernpunkte:
  • Ölpreise könnten auf 170 Dollar pro Barrel steigen
  • Globale Wirtschaftsleistung droht massiver Einbruch
  • Energiekrise verschärft Inflation und Zinsaussichten
  • Investmentbanken profitieren von hoher Marktvolatilität

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern stellte ich die entscheidende Frage dieses Wochenendes: Gelingt es den Unterhändlern in Islamabad, aus einer fragilen Waffenruhe etwas Belastbares zu formen? Die Antwort kam nach 21 Stunden Verhandlungsmarathon, und sie lautet: Nein.

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Als US-Vizepräsident J.D. Vance auf dem Rückflug einen Zwischenstopp im pfälzischen Ramstein einlegte, hatte sein Präsident bereits Fakten geschaffen. Donald Trump kündigte per „Truth Social“ eine Seeblockade der Straße von Hormus an. Die US-Marine werde ab sofort Schiffe daran hindern, die Meerenge zu passieren. Kein Verhandlungsergebnis, keine Frist, keine Bedingung – eine Totalblockade.

Wenn morgen früh die Börsen öffnen, treffen Anleger auf eine Welt, in der 20 Prozent der globalen Öl- und LNG-Versorgung abgeschnitten sind. Die Kerosin-Krise, vor der ich gestern warnte, ist damit nicht mehr eine Frage von drei Wochen. Sie ist eine Frage von Tagen.

Die Meerenge wird zum Schlachtfeld

Die Eskalation am Golf hat innerhalb weniger Stunden eine neue Qualität erreicht. Auf der einen Seite der Iran, der laut Berichten die Durchfahrt durch die Straße von Hormus auf etwa zwölf Schiffe pro Tag begrenzen und von großen Tankern eine „Gebühr“ von bis zu 2 Millionen US-Dollar verlangen wollte. Auf der anderen Seite die USA, die mit einer totalen Seeblockade antworten und gleichzeitig eine Minenräum-Operation der Zerstörer USS Frank E. Peterson und USS Michael Murphy durchführen.

Die ökonomischen Folgen lassen sich beziffern – und sie sind erheblich. Bloomberg Economics rechnet in einem Eskalationsszenario mit Ölpreisen von bis zu 170 US-Dollar pro Barrel. Das würde das globale Wirtschaftswachstum für 2026 auf 2,2 Prozent drücken, ein Verlust von über einer Billion US-Dollar an Wirtschaftsleistung. Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognose für Schwellenländer bereits auf 3,65 Prozent gesenkt. Bei einem anhaltenden Konflikt droht ein Absturz auf 2,6 Prozent.

Wie unmittelbar diese Krise in Deutschland ankommt, zeigt ein Blick in den Norden Berlins. In der Villa Borsig am Tegeler See saßen die Spitzen der schwarz-roten Koalition das gesamte Wochenende zusammen. Auf der Tagesordnung: Entlastungen in der Energiepreiskrise. Der Dieselpreis verharrt an deutschen Zapfsäulen bei rund 2,30 Euro, die Opposition fordert Steuersenkungen. Die Bundesregierung sucht Antworten auf einen Preisschock, dessen Ursachen in Washington und Teheran liegen.

Die Inflation frisst die Zinshoffnung

Dass Energie der dominante Preistreiber bleibt, bestätigen die US-Inflationsdaten für den März. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich auf 3,3 Prozent – und entfernen sich damit weiter vom 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve.

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Ein Blick in die Details macht den Befund eindeutig: Die Energiekosten sprangen im Monatsvergleich um 10,9 Prozent, Benzin allein um über 21 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrung zeigte sich mit einem monatlichen Plus von 0,2 Prozent bei Dienstleistungen zwar moderater. Doch wer nach diesen Zahlen noch auf baldige und aggressive Zinssenkungen der Fed hofft, ignoriert die Realität. Mit einem neuen Öl-Schock am Golf sind diese Hoffnungen vom Tisch.

40 Milliarden Dollar Handelserlöse – die Banken verdienen an der Krise

In dieses Umfeld aus geopolitischer Unsicherheit und steigender Inflation startet morgen die Q1-Berichtssaison an der Wall Street. Die Stimmung der Privatanleger könnte schlechter kaum sein: Die Bärenstimmung im AAII Sentiment Survey erreichte im März 52,0 Prozent – einer der höchsten Werte der letzten acht Jahre. Der Langzeitschnitt liegt bei 31 Prozent.

Doch die großen Investmentbanken leben in einer anderen Welt. Analysten erwarten, dass Goldman Sachs, JPMorgan, Citi, Bank of America, Morgan Stanley und Wells Fargo für das erste Quartal kombinierte Handelserlöse von 40 Milliarden US-Dollar ausweisen werden. Das wäre der höchste Wert seit mindestens 2014.

Der Mechanismus dahinter ist so alt wie die Wall Street selbst: Volatilität generiert Handelsvolumen, Handelsvolumen generiert Gebühren. Die ständigen Schwankungen durch den Iran-Konflikt und ein überraschend starkes globales M&A-Volumen von 1,2 Billionen US-Dollar – ein Plus von 42 Prozent zum Vorjahresquartal – spülen Milliarden in die Kassen. Morgen öffnet Goldman Sachs die Bücher, am Dienstag folgt JPMorgan. Die Zahlen werden zeigen, wie profitabel die Krise für diejenigen war, die sie zu handeln wissen.

Was sonst noch wichtig ist

Stillstand am Himmel: Wer morgen oder am Dienstag fliegen muss, braucht starke Nerven. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Cityline zu einem 48-stündigen Streik aufgerufen. Auch Eurowings ist am Montag von Ausfällen betroffen. Es ist die vierte Streikwelle – und sie trifft eine Branche, die ohnehin mit Kerosin-Engpässen kämpft.

Machtprobe in Budapest: Bei den heutigen Parlamentswahlen in Ungarn zeichnet sich eine Rekordbeteiligung ab. Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten bereits über 74 Prozent der Bürger abgestimmt. Für Viktor Orbán geht es nach 16 Jahren Amtszeit um alles – sein Herausforderer Péter Magyar hat die Opposition erstmals seit Jahren geeint.

Krypto-Regulierung stockt: Der CLARITY Act, der den US-Kryptomarkt regulieren soll, steckt fest. Senatorin Cynthia Lummis warnte an diesem Wochenende, das Gesetz könne sich bis 2030 verzögern, wenn der Kongress nicht bald handelt. Hauptstreitpunkt bleiben die Zinserträge auf Stablecoins. Immerhin: Coinbase-CEO Brian Armstrong hat seine Blockadehaltung aufgegeben und unterstützt den Entwurf nun.

Die Woche im Blick

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Märkte die Seeblockade als vorübergehende Drohkulisse einordnen oder als neue Realität akzeptieren.

Achten Sie am Dienstag auf Washington: Um 15:00 Uhr deutscher Zeit wird IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas im Rahmen der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank die aktualisierten Wirtschaftsprognosen vorstellen – die erste offizielle globale Schadensbilanz des Nahost-Konflikts. Auf Unternehmensseite dominieren die Finanztitel, bevor am Donnerstag mit Netflix und Taiwan Semiconductor die Tech-Schwergewichte folgen.

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Eine Woche, in der kühler Kopf mehr wert sein wird als schnelle Reaktion. Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Sonntagabend.

Herzlichst, Ihr Felix Baarz

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