1,75 Billionen für ein Unternehmen, das Geld verbrennt

SpaceX startet mit 1,75 Billionen Dollar Bewertung an die Nasdaq, während EZB und BOJ vor richtungsweisenden Zinsentscheiden stehen.

Die Kernpunkte:
  • SpaceX-Börsengang mit 75 Milliarden Volumen
  • EZB erhöht Zinsen trotz Rezessionsgefahr
  • BOJ-Sitzung ohne Gouverneur Ueda
  • Ölpreis steigt durch Hormuz-Blockade

Liebe Leserinnen und Leser,

4,2 Prozent. Der US-Verbraucherpreisbericht für Mai, den wir in der gestrigen Ausgabe erwartet hatten, ist da — und er hat geliefert, was die Konsensschätzungen vorhergesagt hatten. Erstmals seit April 2023 liegt die amerikanische Inflation wieder über der 4-Prozent-Marke. Die Ölpreise drücken sich in jede Statistik, die Notenbanken reagieren — und mitten in dieses Umfeld hinein plant Elon Musk den größten Börsengang der Geschichte. Am Freitag debütiert SpaceX an der Nasdaq. Die Bewertung: 1,75 Billionen Dollar. Der Nettoverlust im vergangenen Jahr: 4,9 Milliarden Dollar. Die Auftragsannahme endet an diesem Mittwochabend. Wer verstehen will, warum gleichzeitig Chip-Aktien abverkauft werden, der Yen auf die Interventionszone zusteuert und die EZB morgen trotz schrumpfender Wirtschaft die Zinsen erhöht, muss diese drei Stränge zusammenlesen.

Das 75-Milliarden-Dollar-Debüt und seine Nebenwirkungen

Am Freitag, 12. Juni, geht SpaceX unter dem Ticker SPCX an die Nasdaq — zu 135 Dollar je Aktie, Emissionsvolumen 75 Milliarden Dollar, davon 30 Prozent für Kleinanleger reserviert. Die Zahlen dahinter verdienen nüchterne Betrachtung: 18,7 Milliarden Dollar Umsatz bei 33 Prozent Wachstum, aber ein Nettoverlust von rund 4,9 Milliarden Dollar. Einzig Starlink erwirtschaftet Gewinn — 4,42 Milliarden Dollar. Der Rest verbrennt jährlich über 5 Milliarden Dollar an Kapital. Elon Musk kontrolliert mehr als 80 Prozent der Stimmrechte. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 94. Nvidia kommt auf 36. Der S&P 500 auf 2,7.

Was diesen IPO über die SpaceX-Story hinaus relevant macht: Institutionelle Investoren räumen bestehende Positionen, um Kapital für die Zuteilung freizuschaufeln. Der PHLX Semiconductor Index hat in fünf Handelstagen 7,78 Prozent verloren. Tom Lee von Fundstrat nennt den Abverkauf „gesund“ — eine technische Bereinigung vor dem IPO. Doug Kass von Seabreeze Capital widerspricht und sieht strukturelle Risse im Tech-Sektor. Für Privatanleger, die auf Day-One-Gewinne spekulieren, eine ernüchternde Statistik: Jay Ritters Forschung zeigt, dass mehr als 90 Prozent aller IPOs irgendwann unter ihren Eröffnungstiefststand fallen.

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Für Anleger, die hinter die SpaceX-Fassade schauen wollen, habe ich das Live-Webinar „SpaceX-Domino – 3 Weltraum-Champions für bis zu +17.755,12 % Gewinn“ vorbereitet — es findet am 12. Juni statt, also genau am Tag des Börsengangs selbst. Darin analysiere ich drei spezialisierte Raumfahrt-Zulieferer, die strukturell vom Wachstum der kommerziellen Raumfahrtindustrie profitieren, ohne das Bewertungsrisiko eines Unternehmens mit KUV 94 zu tragen. Das Prinzip dahinter ist das klassische Schaufelverkäufer-Prinzip: Wer die Infrastruktur liefert, verdient unabhängig davon, ob der Goldrausch hält, was er verspricht. Wenn Sie verstehen wollen, welche Segmente der Raumfahrt-Lieferkette heute fundamental attraktiv bewertet sind, empfehle ich Ihnen die Teilnahme. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Tokio ohne Kapitän — die BOJ-Sitzung wird zum Blindflug

Der japanische Yen handelt bei rund 160,50 zum Dollar und nähert sich der Zone, in der Tokio zuletzt eingegriffen hat — Ende April flossen 74,1 Milliarden Dollar in Stützungskäufe. Doch die eigentliche Nachricht kommt aus einem Krankenhaus: BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda fehlt wegen einer infizierten Leberzyste bei der Zinssitzung am 15. und 16. Juni. Erstmals seit 1998 leitet nicht der Gouverneur eine Ratssitzung. Stellvertreter Ryozo Himino übernimmt, Shinichi Uchida hält die Pressekonferenz.

Der Markt preist eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein — das wäre der höchste japanische Leitzins seit 1995. Drei von neun Vorstandsmitgliedern stimmten bereits im April dafür, zwei weitere drängten auf baldiges Handeln. Parallel erwägt die BOJ, die Reduzierung ihrer Staatsanleihen-Käufe ab April 2027 auszusetzen; derzeit kauft sie monatlich 2,1 Billionen Yen. Die zehnjährige JGB-Rendite erreichte im Mai mit 2,8 Prozent ein 29-Jahres-Hoch.

Für Anleger mit Japan-Exposure bedeutet Uedas Abwesenheit vor allem eines: Unsicherheit über den Ton nach dem Entscheid. Der Nikkei 225 gab am Mittwoch 1,9 Prozent nach, während japanische Immobilienaktien wie Mitsubishi Estate und Nomura Real Estate um 5,2 beziehungsweise 4,9 Prozent zulegten — die klassische Rotation bei erwarteten Zinserhöhungen: Sparer profitieren, Kreditnehmer leiden.

Die EZB erhöht morgen — und könnte damit einen Fehler begehen

Das DIW Berlin hat seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,5 Prozent für 2026 halbiert. Zuvor standen 1,0 Prozent im Raum. Für das zweite und dritte Quartal erwartet das Institut eine leichte Schrumpfung. Die Inflationsprognose: 2,9 Prozent für 2026, 3,0 Prozent für 2027 — beides über dem EZB-Ziel. Die Arbeitslosenquote soll auf 6,4 Prozent steigen.

In dieses Bild hinein erhöht die EZB voraussichtlich morgen um 14:15 Uhr ihren Leitzins um 25 Basispunkte. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding hält das für falsch. Sein Argument: Der Iran-Krieg ist ein angebotsseitiger Energieschock, vergleichbar mit 2022, aber schwächer. Er heizt die Nachfrage nicht an, er bremst sie. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone lag im Mai bei 48,5 — unter der Wachstumsschwelle. Das Verbrauchervertrauen ist eingebrochen. Vor Kriegsbeginn lag die Inflation bei 2,0 Prozent. Eine Zinserhöhung in dieser Konstellation könnte die Eurozone in eine Rezession drücken, warnt Schmieding. Er fordert, dass die EZB im Juli und September pausiert.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher empfiehlt gezielte Entlastung — eine Energiekostenpauschale — und spricht sich ausdrücklich dagegen aus, den Tankrabatt über den 30. Juni hinaus zu verlängern.

Hormuz bleibt gesperrt, der Ölmarkt bleibt angespannt

Shell-CEO Wael Sawan sprach in dieser Woche von „nie dagewesenen“ globalen Energieengpässen seit der faktischen Schließung der Straße von Hormuz. Rund ein Fünftel der globalen Ölversorgung ist blockiert, über 10 Prozent der weltweiten Produktion seit Kriegsbeginn Ende Februar vom Markt genommen. Brent notiert über 92 Dollar je Barrel — ein Plus von rund 25 Prozent seit Kriegsbeginn. Goldman Sachs beziffert den Ausfall der Golfstaaten-Produktion auf 14,5 Millionen Barrel pro Tag. Die IEA warnt, der Markt bleibe bis Oktober „stark unterversorgt“. Rystad-Analyst Claudio Galimberti sieht Brent bei 150 Dollar, falls der Konflikt ungelöst bleibt.

Die Rückwirkungen sind überall spürbar. Die US-Inflation bei 4,2 Prozent ist zu einem guten Teil ölgetrieben. Die Fed tagt am 16. und 17. Juni; der Markt hält für diese Sitzung still, preist aber eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis Oktober mit 61-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein. Europa zahlte in den ersten zwei Kriegsmonaten 8,5 Milliarden Euro mehr für Öl und Gas als zuvor. Verteidigungswerte wie RTX und Lockheed Martin legten im Vormarkt zu.

Was jetzt zählt

Die nächsten 48 Stunden bringen zwei Entscheidungen, die Portfolios bewegen: die EZB morgen Nachmittag und das SpaceX-Debüt am Freitag. Wer den Tech-Abverkauf für Rauschen hält, sollte wissen, dass der iShares Semiconductor ETF in fünf Tagen 7 Prozent verloren hat — und der IPO noch nicht einmal gehandelt wurde. Die BOJ-Sitzung nächste Woche wird zeigen, ob der Yen-Druck nachlässt oder eine neue Interventionsrunde erzwingt.

Für deutsche Anleger verdichtet sich das Risiko auf eine Formel: steigende Preise bei sinkender Nachfrage. Und eine Notenbank in Frankfurt, die morgen möglicherweise genau in die falsche Richtung steuert.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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