1,77 Billionen an einem Tag — was SpaceX über den Zustand der Märkte verrät

SpaceX startet mit Rekord-Börsengang, während ein mögliches US-Iran-Abkommen die Ölpreise drückt und Kapitalströme verschiebt.

Die Kernpunkte:
  • Größter Börsengang der Geschichte
  • Starlink dominiert SpaceX-Umsatz
  • Iran-Deal senkt Ölpreis um sechs Prozent
  • CO₂-Preisbremse in der EU vereinbart

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Unternehmen, das wir am Dienstag noch als Geldverbrenner beschrieben haben, ist seit Freitag mehr wert als Tesla. SpaceX ging an die Nasdaq — 75 Milliarden Dollar Kapitalaufnahme, 135 Dollar Ausgabepreis, Schlusskurs bei 160,95 Dollar. Plus 19 Prozent am ersten Handelstag. Bewertung: 1,77 Billionen Dollar. Es ist der größte Börsengang der Geschichte, und er fiel auf einen Tag, an dem gleichzeitig ein mögliches US-Iran-Abkommen den Ölpreis um sechs Prozent in einer Woche drückte. Zwei Ereignisse, die getrennt voneinander Schlagzeilen machen würden — zusammen verschieben sie die Kapitalströme für die kommenden Monate.

SpaceX ist kein Raketenbauer — es ist ein Telekommunikationskonzern

Die Bewertung klingt absurd, bis man die Umsatzstruktur versteht. SpaceX erzielte zuletzt 18,7 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Davon stammen 11,4 Milliarden — also 61 Prozent — von Starlink, dem Satelliten-Internetdienst mit mehr als 10.300 aktiven Abonnenten in 164 Ländern. Das sind wiederkehrende Einnahmen, keine Projektgeschäfte. VanEck stuft das Unternehmen als „category-defining company“ ein.

Für Anleger ist die Indexfrage entscheidend: S&P Dow Jones Indices hat einen Fast-Track in den S&P 500 abgelehnt. SpaceX qualifiziert sich aber für den Nasdaq-100 und den Russell 1000. Eine Aufnahme in einen dieser Indizes würde erhebliche passive Kapitalzuflüsse auslösen — allein durch die Indexfonds, die automatisch nachkaufen müssen. Wer keinen Direktzugang zur Aktie hat, findet im Sektor Themen-ETFs. Ob dem Eröffnungsenthusiasmus nachhaltiger Kaufdruck folgt oder ob Freitag bereits das Hoch markiert hat, wird die kommende Woche zeigen.

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Iran-Deal: Die Ölkarte wird neu gezeichnet

Am Freitag bestätigte Pakistan den finalen Text eines US-Iran-Friedensabkommens. Irans Außenminister Araghchi signalisierte, ein Memorandum of Understanding könne binnen ein bis zwei Tagen unterzeichnet werden — abhängig von der Zustimmung Khameneis. Die Trump-Administration beziffert die Abschlusswahrscheinlichkeit auf 80 bis 85 Prozent.

Der Kern des Deals: Die USA heben ihre Ölsanktionen auf, Iran öffnet die Straße von Hormuz für den Handel, eingefrorene iranische Devisenreserven werden freigegeben. Was der Deal nicht enthält: eine Verpflichtung zur Aussetzung der Urananreicherung. Politisch heikel, aber für die Ölmärkte zweitrangig.

Brent notiert bei rund 87 Dollar, WTI bei etwa 85 Dollar — beide Sorten verloren im Wochenverlauf rund sechs Prozent. Fitch Ratings erwartet bei Öffnung der Hormuz-Straße bereits im vierten Quartal 2026 ein Überangebot und setzt den Brent-Basispreis für 2026 bei 87 Dollar an. Goldman Sachs ging einen Schritt weiter und senkte die Brent-Prognose für 2027 auf 80 Dollar.

Was das konkret bedeutet: Energieaktien und Ölproduzenten geraten unter strukturellen Druck. Gleichzeitig könnten energieintensive Industrien — und damit Teile des deutschen Mittelstands — von sinkenden Inputkosten profitieren. Wer am Freitag die Erleichterungsrally bei europäischen Bankwerten und Reiseaktien beobachtet hat, sah diesen Mechanismus bereits in Echtzeit.

Zur Einordnung: Trump hat in der Vergangenheit Iran-Deals angekündigt, die sich nicht materialisierten. Scheitert das Abkommen, kehrt die Risikoprämie schnell zurück.

Brüssel bremst beim CO₂-Preis — aber die Richtung bleibt klar

Am Freitag einigten sich die EU-Institutionen auf einen verstärkten Preispuffer für den neuen Emissionshandel ETS2, der 2028 für Gebäude und Verkehr starten soll und mehr als 40 Prozent der EU-Emissionen erfassen wird. Der Mechanismus: Steigt der CO₂-Preis über 45 Euro pro Tonne (in Preisen von 2020), werden zusätzliche Zertifikate aus der Reserve freigegeben. Die Reserve läuft zudem nicht 2030 aus, sondern bleibt darüber hinaus bestehen.

CDU-Europaabgeordneter Peter Liese rechnet mit Preisen von 45 bis 50 Euro im ETS2. Fachleute sehen 50 bis 75 Euro bis 2030, danach über 100 Euro. Für Deutschland ist die Einigung eine relative Entlastung: Der nationale Emissionshandel, der aktuell bei 55 bis 65 Euro pro Tonne liegt, geht 2028 im ETS2 auf. Europaparlament und Ministerrat müssen noch formal bestätigen.

Für Anleger in Immobilien, Heizungstechnik und Automobilindustrie das Wesentliche: Der politische Wille, den CO₂-Preisanstieg abzufedern, ist real. Die Richtung bleibt trotzdem aufwärts — nur langsamer als befürchtet.

Krypto folgt der Geopolitik

Bitcoin notierte am Freitag bei 64.192 Dollar, Solana bei 68,32 Dollar, Bitcoin Cash führte die Tagesgewinner mit plus 3,3 Prozent an. Die Einzelbewegungen sind moderat. Relevanter ist das Muster: Der Kryptomarkt reagiert derzeit eng auf geopolitische Signale. Der mögliche Iran-Deal stärkt den Risikoappetit, gleichzeitig bremsen Kapitalabflüsse aus Bitcoin-ETFs und die bevorstehende MiCA-Regulierung in Europa.

Die 65.000-Dollar-Marke bei Bitcoin bleibt die entscheidende Schwelle. Gelingt der nachhaltige Durchbruch, dürfte institutionelles Kapital zurückkehren. Scheitert der Iran-Deal, kehrt die Vorsicht ebenso schnell zurück.

Was die kommende Woche bringt

Drei Termine bestimmen die Agenda — und sie hängen zusammen. Der G7-Gipfel in Evian-les-Bains (15. bis 17. Juni) bringt Trump und Modi an einen Tisch. Ein Handelsabkommen wird nicht erwartet, aber Indien strebt präferenzielle Zölle an, und US-Handelsbeauftragter Greer reist danach direkt nach Neu-Delhi. Ob der Iran-Deal tatsächlich unterzeichnet wird, entscheidet sich nach Aussage Araghchis in den nächsten 48 Stunden. Eine Ablehnung durch Khamenei wäre der schärfste Rückschlag für die aktuelle Marktstimmung. Und am Dienstag steht die BoJ-Entscheidung an, die wir in der gestrigen Ausgabe ausführlich analysiert haben — ein Prozent Leitzins in Japan, erstmals seit 1995.

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Jede dieser Entscheidungen bewegt Märkte für sich. In Kombination verschieben sie Kapitalströme zwischen Rohstoffen, Yen-Anleihen und westlichen Aktien. Wer das Wochenende zur Portfolioprüfung nutzt, investiert seine Zeit gut.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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