20 bis 30 Prozent teurer: Der Speicherchip wird zum neuen Engpass der KI

Höhere DRAM- und NAND-Preise rücken Speicherhersteller ins Zentrum, während KI-Investitionen und geopolitische Risiken die Märkte prägen.

Die Kernpunkte:
  • DRAM-Preise im dritten Quartal höher
  • NAND verteuert sich um über 15 Prozent
  • Raspberry Pis Speicherkosten mehr als verdreifacht
  • Samsung plant mindestens doppelte HBM4-Produktion bis 2027

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der Engpass der KI-Welt heißt nicht mehr Grafikchip, sondern Speicher. Anthropic hat sich heute für 11,6 Milliarden Dollar Rechenleistung bei Akamai gesichert, und Akamai muss dafür sofort Bauteile inklusive Speicher einkaufen. Samsung will die HBM4-Produktion bis 2027 mindestens verdoppeln.

Die Bank of America schätzt den weltweiten DRAM-Durchschnittspreis im dritten Quartal um 20 bis 30 Prozent höher als im Vorquartal. Wer die nächste Stufe der KI-Hardware verstehen will, schaut auf die Speicherlieferanten, nicht mehr nur auf Nvidia.

DRAM und NAND: Der Preisschub steht schon in den Bilanzen

Das ist keine Prognose mehr, das ist bereits Zahlenwerk. Neben dem DRAM-Sprung sieht die Bank of America die NAND-Preise um über 15 Prozent höher, und die großen Cloud-Anbieter sichern sich schon jetzt DRAM-Aufträge für das erste Quartal 2027. Wie stark das durchschlägt, zeigt Raspberry Pi: Die durchschnittlichen Speicherkosten im Lager stiegen von 3,60 Dollar pro Gigabyte Ende 2025 auf 13,30 Dollar Ende Juni 2026 – mehr als eine Verdreifachung.

Trotzdem steigerte das Unternehmen den Umsatz im ersten Halbjahr um 90 Prozent auf 256,9 Millionen Dollar und mehr als verdreifachte den Vorsteuergewinn, weil sich die höheren Kosten problemlos an Kunden weitergeben ließen. Das ist die Blaupause für den ganzen Sektor: Wer Preissetzungsmacht hat, gewinnt am Zyklus, statt darunter zu leiden.

Für Anleger heißt das konkret: Samsung, SK Hynix und Micron profitieren zuerst. Micron legt am Mittwoch und Donnerstag kommender Woche seine Quartalszahlen vor, ein wichtiger Testpunkt für die These.

SK Hynix legte im asiatischen Handel um 2,4 Prozent zu. Auch die Ausrüsterseite zieht mit: ASML hob die Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro an, verkaufte im ersten Halbjahr allerdings kein einziges System nach Europa – ein Hinweis darauf, wo die Nachfrage tatsächlich sitzt.

Tower Semiconductor investiert gemeinsam mit Japans Wirtschaftsministerium 4 Milliarden Dollar in Fabriken für optische Vernetzung, die Aktie legte im Handelsverlauf über 7 Prozent zu und hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht. Der deutsche Anker Infineon notiert dagegen bei rund 57 Euro, weit unter dem Juni-Hoch von knapp 90 Euro – trotz eines Quartalsumsatzes bis Ende Juni von 4,17 Milliarden Euro, ein Plus von 12,6 Prozent.

Der Markt preist hier offenbar mehr Vorsicht ein, als die operativen Zahlen hergeben. Der einzige echte Bremsklotz sitzt in China: Berichte über massive Fertigungsprobleme bei den HBM-Chips des Herstellers CXMT deuten darauf hin, dass der Konkurrent aus Peking im Hochleistungssegment noch nicht liefert.

Der Akamai-Deal zeigt den Preis des KI-Rennens

Anthropic bindet sich für sieben Jahre an 11,6 Milliarden Dollar, umgerechnet gut 10 Milliarden Euro, mit einer Option auf weitere 9 Milliarden Dollar. Für Akamai bedeutet das eine Investition von rund 5,5 Milliarden Dollar, davon etwa 1,7 Milliarden zusätzlich noch in diesem Jahr – bei einem Barbestand von 4,6 Milliarden Dollar.

Die Investitionslast übersteigt also die Kasse. Im Gegenzug erhält Anthropic einen Optionsschein auf rund 5 Prozent der Akamai-Aktien zu 111,33 Dollar je Stück. Die Jahresumsatzprognose 2026 von 4,445 bis 4,530 Milliarden Dollar bleibt trotz allem unverändert, der Umsatzbeitrag des Vertrags soll bis 2028 auf etwa 1,7 Milliarden Dollar pro Jahr steigen.

Der Markt goutiert das Risiko: Die Akamai-Aktie legte im laufenden US-Handel gut 6 Prozent zu und liegt seit Jahresbeginn 37 Prozent im Plus. Nachvollziehbar, denn der Deal dimensioniert das Cloud-Geschäft neu, das zuletzt nur 99 Millionen Dollar Quartalsumsatz brachte, dafür aber mit 39 Prozent wuchs.

Für Anleger bleibt die Rechnung trotzdem zweischneidig: ein Ankerkunde mit Signalwirkung, bezahlt mit Verwässerung und einer Bilanzbelastung, die über das verfügbare Kapital hinausgeht.

Der Kapitalhunger der Branche insgesamt ist enorm. McKinsey erwartet für 2026 weltweit rund 769 Milliarden Dollar Investitionen in KI-Infrastruktur. Anthropic verhandelt laut Reuters parallel über ein Nvidia-Investment von bis zu 10 Milliarden Dollar vor einem geplanten Börsengang, und der Londoner Rechenzentrumsbetreiber Nscale sammelte heute 3,36 Milliarden Dollar vor seinem eigenen Listing ein. Das Geld fließt in genau die Infrastruktur, die den Speichermarkt weiter befeuert.

Rüstung wird zum Jobmotor, auch dank Ungarn

Während die Tech-Branche investiert, baut die deutsche Industrie ab. Laut dem Employment Barometer von EY-Parthenon strichen die DAX-Konzerne 2025 weltweit rund 46.000 Stellen, ein Minus von 1,2 Prozent. Der Gegentrend: Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Kapitalgüter und IT bauten Personal auf.

Politisch öffnet sich hier gerade ein neuer Markt. Verteidigungsminister Pistorius kündigte heute in Budapest einen Neustart der Beziehungen zu Ungarn an, mit Ausbau von Logistik, Rüstungskooperationen und Raumfahrt.

Rheinmetall ist dort bereits tief verankert: 2020 kam ein Auftrag über mehr als 2 Milliarden Euro für den Schützenpanzer Lynx, 2024 eröffnete der Konzern Werke in Zalaegerszeg und Varpalota, dazu hält Rheinmetall 25 Prozent am Mischkonzern 4iG.

Das Risiko liegt im Kleingedruckten: Die neue ungarische Regierung führt Korruptionsuntersuchungen zu früheren Beschaffungen durch – für Rheinmetall-Anleger ein Punkt, den man im Blick behalten sollte, auch wenn er das operative Geschäft bislang nicht berührt.

Auch im Orbit wird Sicherheit zum Geschäft: SpaceX tauscht Kameradaten seiner rund 11.000 Starlink-Satelliten gegen Tracking-Daten des Pentagons. Mizuho bestätigt ein Kaufvotum mit Kursziel 200 Dollar, Morgan Stanley sieht sogar 300 Dollar.

Die Aktie notierte zuletzt nahe 149 Dollar, deutlich unter dem Juni-Hoch von gut 221 Dollar – die Bewertungslücke zu den Analystenzielen ist also beträchtlich. Einen Dämpfer gab es dagegen bei Airbus: Bei rund 500 A321neo wurden Abweichungen beim Rumpf-Oberflächenschutz festgestellt, die EASA sieht keine unmittelbare Gefahr, die Aktie gab leicht nach.

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Der Ölmarkt wartet auf Teherans Antwort

Diese Woche entscheidet sich, ob der Iran-Krieg eine Verhandlungspause bekommt. Teheran bietet an, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen zu öffnen, wenn die USA ihre Seeblockade beenden, die Ölsanktionen aussetzen und einen Waffenstillstand inklusive Libanon akzeptieren.

Brent notiert über der 100-Dollar-Marke und liegt seit Jahresbeginn über 70 Prozent im Plus, US-Diesel erreichte mit 6,30 Dollar je Gallone ein Rekordhoch. Trump erwägt deshalb einen Diesel-Exportstopp – eine Maßnahme, die Großbritannien besonders träfe, das rund ein Drittel seiner Dieselimporte aus den USA bezieht.

In diese Preislücke liefert Tesla ausgerechnet jetzt den elektrischen Semi-Truck an PepsiCo, DHL und US Foods aus, neun Jahre nach der ursprünglichen Ankündigung, mit einem Produktionsziel von 50.000 Einheiten pro Jahr.

Eine Käuferkoalition um Microsoft und PepsiCo hat 2.500 Stück bestellt, Einride weitere 500. Die Aktie reagierte darauf kaum, sie gab im Handelsverlauf rund 1,5 Prozent nach und liegt seit Jahresbeginn 17 Prozent im Minus – der Markt preist den Truck offenbar noch nicht als Wachstumstreiber ein.

In Deutschland antwortet die Politik mit dem Tankrabatt: Bundestag und Bundesrat senken die Steuerlast auf Sprit von Oktober bis Dezember um rund 17 Cent je Liter, Kostenpunkt 2,485 Milliarden Euro. Wie dringend das ist, zeigen zwei andere Zahlen: Das GfK-Konsumklima meldet eine Erwartungskomponente von minus 30,6 Punkten, und das IW hat seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,4 Prozent halbiert.

HelloFresh: Wo der Konsum tatsächlich wegbricht

Wenn eine Zahl den deutschen Konsum in Reinform zeigt, dann diese: HelloFresh erwartet 2026 nun einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von 9 bis 11 Prozent, statt bislang angepeilter 3 bis 6 Prozent. Das bereinigte EBITDA soll nur noch 350 bis 370 Millionen Euro erreichen, zuvor waren bis zu 425 Millionen versprochen.

Der Grund ist entlarvend simpel: schwaches Neukundengeschäft in der Back-to-School-Saison, weil das Unternehmen weniger für Marketing ausgab. Die Aktie fiel auf ein Rekordtief von 2,15 Euro und notierte im späten Handel bei rund 2,32 Euro, seit Jahresbeginn ein Minus von 62 Prozent.

Wer hier auf eine Bodenbildung setzt, wettet gegen ein Management, das Wachstum derzeit nur noch durch Marketingverzicht in Profitabilität übersetzen kann – kein nachhaltiges Rezept.

Der globale Kompass

Die kommende Woche liefert die Belege für die These dieser Ausgabe. Am Montag legt US-Handelsbeauftragter Greer die Details der Einigung mit China vor, die Agrargüter und Medizintechnik gegen Konsumgüter tauscht, Hochleistungschips für KI aber ausdrücklich ausklammert.

Am Dienstag folgen Hornbach und der zweitägige BMW-Kapitalmarkttag, Mittwoch und Donnerstag berichten Micron und Nike, am Freitag endet die Prüffrist für die Ceconomy-Übernahme durch JD.com, außerdem kommen der US-Arbeitsmarktbericht und die EU-Verbraucherpreise.

Über allem hängt die iranische Frist von vier bis fünf Tagen für die Hormus-Bedingungen. Kommt der Deal, dreht der Ölpreis, und der Speicherzyklus wird zum unbestrittenen Leitthema der Börsen. Platzt er, gewinnen erneut Rüstung und Energie. Beide Szenarien sind an diesem Wochenende noch offen – ein guter Grund, das Depot vor dem Wochenstart auf beide Fälle vorzubereiten.

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