26 Prozent Gewinnwachstum, 44,8 Punkte Vertrauen — wem glauben die Märkte?
Rekordgewinne fließen in KI-Infrastruktur, während Verbraucherstimmung auf Tiefstand fällt. Märkte testen PCE-Daten.

- Gewinnwachstum von 26 Prozent
- Hedgefonds setzen auf Halbleiter
- KI-Boom treibt Übernahmen an
- PCE-Daten als wichtiger Test
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit dem Widerspruch zwischen Rekordkursen und historisch schlechter Verbraucherstimmung. Über das Wochenende hat sich dieser Widerspruch nicht aufgelöst — er hat eine neue Dimension bekommen. Denn jetzt zeigt sich, wohin die Rekordgewinne der großen Konzerne fließen: nicht in Lohnerhöhungen, nicht in Preissenkungen, sondern in KI-Übernahmen, Speicherchips und Infrastruktur. Bank of America beziffert das Gewinnwachstum im ersten Quartal auf 26 Prozent gegenüber Vorjahr, den höchsten Wert seit 2021. Gleichzeitig steht die Konsumentenstimmung der Universität Michigan bei 44,8 — einem Allzeittief. Die entscheidende Frage für die neue Woche ist deshalb nicht, ob die Indizes weiter steigen. Sondern ob die Verwendung dieser Gewinne die Rally rechtfertigt oder nur verlängert.
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Hedgefonds setzen alles auf Halbleiter
Der Goldman Sachs Hedge Fund Trend Monitor für das zweite Quartal 2026 liefert ein bemerkenswertes Bild: Die Netto-Neigung globaler Hedgefonds zum IT-Sektor stieg um 853 Basispunkte — ein Rekordanstieg. Die Long-Gewichtung in Halbleitern liegt bei 10 Prozent, ebenfalls ein Höchststand. Software dagegen fiel auf 6 Prozent, den niedrigsten Wert seit 2019. Die Favoriten heißen Lam Research, Applied Materials, Analog Devices, Micron Technology und Intel. Die fünf größten Long-Positionen bleiben Amazon, Nvidia, Alphabet, Microsoft und Meta Platforms.
Doch die gleichen Fonds sichern sich ab. Das Short-Interesse für die mediane S&P-500-Aktie liegt bei 3 Prozent der Marktkapitalisierung, dem höchsten Stand seit 2011. Das Gross Leverage befindet sich im 94. Perzentil der vergangenen fünf Jahre. Übersetzt: Die größten Investoren der Welt wetten massiv auf KI-Hardware — und versichern sich gleichzeitig gegen einen breiten Marktrückschlag. Diese Kombination aus Überzeugung und Absicherung ist das ehrlichste Signal, das die Märkte gerade senden.
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KI kauft Strom, Glasfaser und Speicher
Der KI-Boom verändert die globale M&A-Landschaft. Laut Financial Times stehen nicht mehr Software oder klassische Plattformen im Fokus der Übernahmen, sondern Energie, Glasfasernetze und Rechenkapazität. Wer die nächste Wachstumsstufe finanzieren will, braucht physische Infrastruktur.
Die Konsequenzen reichen bis in den Konsummarkt. Steigende DRAM-Preise erzwingen eine „Forced Premiumization“ bei Smartphones, weil Speicher zunehmend für Rechenzentren priorisiert wird. Microns Chef erwartet eine Speicherchip-Knappheit über 2026 hinaus. Nvidia-Chef Jensen Huang formulierte es am Samstag in Taiwan nach Gesprächen mit TSMC-Chairman CC Wei ungewöhnlich deutlich: Steigende Speicherpreise seien eine „sehr wichtige Form der Inflation“, die Unterhaltungselektronikpreise erheblich beeinflussen könne. Am 1. Juni will Huang auf der Computex Taipei sprechen; in Taiwan ging es zudem um Nvidias geplanten Hauptsitz in Taipeh und neue KI-Partnerschaften.
Auch auf Unternehmensebene beschleunigt sich der Zyklus. monday.com übernimmt das Voice-AI-Unternehmen OneAI und führt ein nutzungsabhängiges Preismodell für seine KI-Plattform ein — ein Versuch, Atlassian, Asana und ServiceNow Marktanteile abzunehmen. DeepSeek senkt die Preise für seine V4-Pro-API dauerhaft um 75 Prozent auf 0,435 Dollar je eine Million Input-Tokens. Der Preiskampf bei KI-Modellen verschärft sich, während die Hardware-Kosten steigen. Diese Schere wird die Margen der gesamten Branche in den kommenden Quartalen bestimmen.
Wall Street gegen Main Street — der PCE-Test am Donnerstag
Der S&P 500 notiert über 7.500 Punkten, der Dow hat 51.000 im Visier. Die Gewinne wachsen mit 26 Prozent so stark wie seit vier Jahren nicht. Und doch: Die einjährigen Inflationserwartungen der US-Verbraucher kletterten auf 4,8 Prozent, den höchsten Wert seit den frühen 1980er Jahren. Die Einzelhandelsumsätze erreichten im April mit 757,1 Milliarden Dollar zwar ein Zwölfmonatshoch — aber die Sparquote fiel im ersten Quartal auf 4 Prozent nach 5,2 Prozent im Vorjahr. Die Amerikaner geben mehr aus, weil sie weniger zurücklegen. Das ist kein Zeichen von Stärke.
Am Donnerstag wird der PCE-Inflationsindikator zeigen, ob die Fed Spielraum hat oder unter Druck gerät. Bei den Einzelwerten berichten Salesforce am Mittwoch, Costco und Dell am Donnerstag. Marvell Technology, das seit Jahresbeginn 120 Prozent im Plus liegt, wird zum Gradmesser für die Frage, wie viel KI-Fantasie bereits eingepreist ist.
Iran-Deal, Xi-Trump und die Ölpreisfrage
Geopolitisch lieferte das Wochenende widersprüchliche Signale. Am Samstag erklärte Donald Trump, ein Iran-Abkommen sei „weitgehend verhandelt“. Am Sonntag wies er seine Vertreter an, nichts zu überstürzen; die US-Blockade in der Straße von Hormuz bleibe „in full force and effect“, bis ein Abkommen erreicht, zertifiziert und unterzeichnet sei. Iranische Medien berichten, ein bis zwei Punkte seien noch offen. Großbritanniens Premier Keir Starmer begrüßte Fortschritte, forderte aber eine langfristige diplomatische Lösung. Für europäische Anleger bleibt der Ölpreis der direkteste Transmissionsriemen: Solange Hormuz blockiert ist, bleibt die Inflation erhöht.
In Asien bewegt sich ebenfalls viel. Beim Xi-Trump-Treffen in Peking wurde eine „konstruktive Beziehung strategischer Stabilität“ für drei Jahre vereinbart. Ein Board of Trade soll Waren im Volumen von 30 Milliarden Dollar für mögliche Zollsenkungen identifizieren; China will über 10 Milliarden Dollar US-Agrargüter kaufen, ein Boeing-Deal über rund 200 Flugzeuge steht im Raum. Gleichzeitig meldet Taiwan mehr als 100 chinesische Marine- und Küstenwacheschiffe in regionalen Gewässern. Diplomatie und Machtdemonstration laufen parallel.
Indien vertieft derweil die Beziehungen zu Washington: Außenminister Jaishankar traf Marco Rubio in Neu-Delhi, beide Seiten sehen Fortschritte bei einem Interim-Handelsabkommen. Am 26. Mai tagen die Quad-Außenminister — ein Signal für die strategische Neuordnung im Indo-Pazifik.
Deutschland: Inflation über 3 Prozent, Arbeitsmarkt unter Druck
Für den DAX beginnt die Woche zäh. Memorial Day in den USA und Pfingstmontag in Deutschland dürften den Montag ausbremsen. Unternehmensseitig stehen Zahlen von Aroundtown, Verve Group und CTS Eventim an.
Die wichtigeren Daten kommen am Wochenschluss. Merck-Finck-Experte Greil erwartet, dass die deutsche Inflation im Mai erstmals seit Ende 2023 wieder über 3 Prozent steigt. Am Freitag folgen Arbeitslosenzahlen; Helaba-Experte Azarbayjani rechnet mit einem Anstieg. Die Dekabank prognostiziert ein schwaches zweites Quartal für Deutschland. Robert Halver von der Baader Bank verweist auf die erratische Nachrichtenlage rund um Iran als zentralen Volatilitätsfaktor für den DAX.
Am Rande verdient der Krypto-Markt Beachtung: Der US-Kongress hat neun Wochen, den Crypto CLARITY Act vor der August-Pause zu verabschieden; Galaxy-Digital-Analyst Alex Thorn sieht eine 70-Prozent-Chance. Tether kauft SoftBanks rund 26-Prozent-Anteil an Twenty One Capital für etwa 679 Millionen Dollar. Und die EZB warnt EU-Finanzminister vor Euro-Stablecoin-Vorschlägen, weil sie Risiken für Bankkredite und Zinskontrolle sieht — ein regulatorischer Konflikt, der in den kommenden Monaten an Schärfe gewinnen dürfte.
Was jetzt zählt
Die kommende Woche dreht sich um drei Prüfsteine. Erstens: Rechtfertigen die KI-Gewinner ihre Bewertungen durch Kapitaldisziplin — oder verbrennen sie Geld in immer teureren Übernahmen? Zweitens: Stützen der PCE-Bericht am Donnerstag und die Konsumzahlen die Rally, oder bestätigen sie die Warnung, die das Michigan-Sentiment bereits ausspricht? Drittens: Treiben geopolitische Risiken — Iran, Taiwan, Energiepreise — die Inflation weiter nach oben?
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Für Anleger verschiebt sich der Fokus. Indexstände allein sagen wenig. Entscheidend ist, was mit den Gewinnen passiert: Buybacks, Übernahmen, Infrastrukturinvestitionen. Wer dort genau hinschaut, findet die eigentlichen Signale — jenseits der Schlagzeilen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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