2G Energy: CEO kauft Aktien in Konsolidierungsphase

2G Energy meldet hohe Bestellungen, erweitert sein Servicegeschäft international und stellt für 2026 sowie 2027 steigende Erlöse in Aussicht.

Die Kernpunkte:
  • Aktie seit Julihoch um 28 Prozent gefallen
  • Italienischer und japanischer Zukauf stärken Servicegeschäft
  • Quartalsaufträge erreichen 422,4 Millionen Euro
  • CEO Hofelich investiert rund 65.000 Euro

Der Kurs von 2G Energy hat es schwer, während das operative Geschäft eine andere Sprache spricht. Seit dem Sommerhoch bei 76,95 Euro Anfang Juli ist die Aktie um 28 Prozent zurückgekommen, notiert mit 55,20 Euro klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 58,95 Euro. Für mich ist das eine Konsolidierung, keine Trendwende – und genau darin liegt die eigentliche Geschichte.

Zwei Zukäufe in Europa, ein Wachstumsschub in Übersee

Die italienische Servicegesellschaft S.G. S.r.l. gehört seit Anfang August zu 2G Energy, rund 20 Mitarbeiter und mehr als 250 betreute KWK-Anlagen wanderten damit in den Konzern. Vor rund zwei Wochen kam mit der japanischen Technis Co., Ltd. der nächste Baustein hinzu – seither hat die Aktie um 1,6 Prozent zugelegt, wenig angesichts der strategischen Tragweite.

Beide Deals folgen demselben Muster: Statt organisch in neue Servicemärkte hineinzuwachsen, kauft sich 2G Energy Marktzugang und Kundenbeziehungen. Das kostet Kapital, bringt aber sofort Substanz – ein Ansatz, der mir plausibler erscheint als reines Wachstum auf der grünen Wiese.

Der eigentliche Treiber der Bewertung liegt jedoch anderswo: im Auftragseingang. Im zweiten Quartal meldete das Unternehmen mit 422,4 Millionen Euro den höchsten Wert der Firmengeschichte, getrieben von Großaufträgen im dreistelligen Millionenbereich für US-Rechenzentren.

Für das erste Halbjahr summiert sich der Auftragseingang auf über 400 Millionen Euro. Eine im Mai bestehende Reservierung für dezentrale Gaskraftwerke zur Stromversorgung amerikanischer Data Center wurde in einen festen Auftrag über mehr als 100 Millionen Euro umgewandelt – kein Optionsgeschäft mehr, sondern belastbares Buch.

Guidance mit Substanz, nicht nur mit Fantasie

Das Management stellt für 2026 einen Umsatz am oberen Ende von 490 Millionen Euro sowie eine EBIT-Marge zwischen 9,5 und 10,5 Prozent in Aussicht. Für 2027 wird eine weitere Beschleunigung avisiert: 570 bis 620 Millionen Euro Umsatz, eine Marge über 11 Prozent.

Verglichen mit den 398,4 Millionen Euro Konzernerlösen im Jahr 2025 und einer damals durch die ERP-Systemumstellung belasteten Marge von 6,6 Prozent, spricht diese Guidance für eine deutliche operative Erholung – vorausgesetzt, das Unternehmen liefert.

Genau hier setzt für mich das eigentliche Vertrauensargument an: CEO Pablo Hofelich kaufte im Juli Aktien für rund 65.000 Euro zu einem Preis knapp über 65 Euro. Eine Insider-Transaktion in einer Konsolidierungsphase wiegt schwerer als jede Analystenfolie, denn sie kostet den Handelnden echtes Geld.

First Berlin Equity Research bestätigte im Juli seine Add-Einstufung mit einem Kursziel von 73 Euro – die Einschätzung datiert allerdings vom Juli und sollte nicht als aktuelles Signal gelesen werden, so bemerkenswert der Abstand zum heutigen Kurs auch bleibt.

Unterm Strich

Die Aktie hat auf Jahressicht 57 Prozent zugelegt, binnen zwölf Monaten sogar 69 Prozent – dass nach einer solchen Rally Luft rausgelassen wird, überrascht mich nicht. Der Rückgang von 10 Prozent auf Monatssicht bei einer annualisierten Volatilität von 52 Prozent zeigt, wie nervös der Markt aktuell auf jede Nachricht reagiert.

Für mich überwiegen dennoch die fundamentalen Argumente: ein Rekord-Orderbuch, zwei werthaltige Zukäufe und ein CEO, der mit eigenem Geld Vertrauen demonstriert. Der RSI von 45,5 deutet zudem darauf hin, dass die Aktie weder über- noch unterkauft ist – der Markt sucht offenbar noch seine Richtung.

Wer die Rechenzentrums-Story und die internationale Serviceexpansion ernst nimmt, dürfte die aktuelle Schwäche eher als Verschnaufpause interpretieren denn als Warnsignal. Die Bewertung der kommenden Quartale wird zeigen, ob das operative Momentum stark genug ist, um den Kurs wieder in Richtung der alten Hochs zu tragen.

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