3,035 Prozent – die Zahl, die das Zinssenkungsmärchen endgültig begräbt

Die Eskalation am Persischen Golf treibt die Inflation und zwingt die EZB und Fed zu einer Kehrtwende. Statt Zinssenkungen stehen nun Zinserhöhungen im Raum, was die Aktienmärkte belastet.

Die Kernpunkte:
  • Zehnjährige Bundesanleihe erreicht Rendite von über 3 Prozent
  • Ölpreisschock durch Blockade der Straße von Hormus
  • Markt erwartet nun Zinserhöhungen von EZB und Fed
  • DAX verzeichnet schwere Verlustwoche
  • FedEx übertrifft Erwartungen trotz Krise

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern beschrieb ich Ihnen die drei Kräfte, die gleichzeitig in verschiedene Richtungen ziehen: Geopolitik, Geldpolitik, technologischer Wandel. Heute hat eine dieser Kräfte die anderen beiden überrollt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte am Freitagnachmittag auf 3,035 Prozent – ein Niveau, das Frankfurter Händler zuletzt 2011 auf ihren Bildschirmen sahen.

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Wer noch vor wenigen Wochen auf ein Jahr der großen Zinssenkungen setzte, steht vor den Trümmern seiner Strategie. Die Eskalation am Persischen Golf hat die Finanzmärkte in eine Stagflationsfalle manövriert, aus der es keinen schnellen Ausweg gibt. Gute Konjunkturdaten? Spielen kaum eine Rolle, wenn ein geopolitischer Flaschenhals die globale Inflation diktiert.

Der Flaschenhals der Weltwirtschaft

Seit 19 Tagen ist die Straße von Hormus blockiert. 20 Prozent der globalen Ölversorgung fließen normalerweise durch dieses Nadelöhr. Brent-Rohöl pendelt hartnäckig nahe der 110-Dollar-Marke.

Washington reagiert mit militärischer Eskalation: Das Pentagon entsendet ein amphibisches Angriffsschiff und Tausende zusätzliche Marines in die Region. Der Seeweg soll offenbar um jeden Preis geöffnet werden. Goldman Sachs warnt allerdings bereits vor einem strukturellen Schock – in einem Worst-Case-Szenario könnten die Ölpreise bis ins vierte Quartal 2027 dreistellig bleiben. Für Europas ohnehin angeschlagene Industrie wäre das Gift.

Ein kleiner Lichtblick: Der europäische Erdgaspreis am TTF-Markt hat sich am Freitag leicht auf gut 59 Euro je Megawattstunde beruhigt. Das klingt nach Entspannung – liegt aber noch immer fast doppelt so hoch wie vor Ausbruch des Konflikts.

Die Notenbanken kapitulieren vor dem Ölpreis

Gestern schrieb ich, die Ära des billigen Geldes verschiebe sich auf unbestimmte Zeit. Am Freitag wurde aus dieser Verschiebung eine Kehrtwende. Die Swaps-Märkte preisen inzwischen eine über 50-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die EZB die Zinsen bereits im April oder Mai erhöhen wird. Nicht senken. Erhöhen.

Für die Bank of England gilt ein Zinsschritt nach oben bis Juni am Markt als ausgemachte Sache. Auch die Fed, die am Mittwoch stillhielt, hat ihre Inflationsprognose für 2026 von 2,4 auf 2,7 Prozent angehoben. An der Wall Street haben Händler ihre Wetten auf eine Zinssenkung im laufenden Jahr fast vollständig gestrichen – der Blick richtet sich nun frühestens auf 2027.

Die Konsequenz ist brutal: Zehnjährige US-Treasuries sprangen auf 4,38 Prozent und saugen Liquidität aus den Aktienmärkten. Der DAX verabschiedete sich mit einem Minus von 2 Prozent bei 22.380 Punkten ins Wochenende – nach dem Einbruch vom Donnerstag der zweite schwere Verlusttag in Folge.

KI-Schmuggel: Supermicro im freien Fall

Während die Makroökonomie den breiten Markt nach unten drückte, lieferte der Tech-Sektor am Freitag seinen eigenen Kriminalfall. Die Aktie von Super Micro Computer stürzte um mehr als 27 Prozent ab.

Der Vorwurf wiegt schwer: US-Ermittler beschuldigen Mitarbeiter des Server-Herstellers, hochmoderne KI-Chipsysteme von Nvidia illegal nach China geschleust zu haben. Server im Milliardenwert sollen demnach unter Vorlage gefälschter Dokumente zunächst in ein südostasiatisches Land geliefert und von dort heimlich nach China weitertransportiert worden sein. Der technologische Kalte Krieg zwischen Washington und Peking wird mit harten Bandagen gekämpft. Und wer als Unternehmen ins Fadenkreuz der US-Exportkontrollen gerät, wird vom Kapitalmarkt gnadenlos abgestraft.

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Der Fall Supermicro zeigt, wie riskant es ist, im Halbleitersektor auf das falsche Unternehmen zu setzen – gleichzeitig verdeutlicht er, wie gewaltig die Kräfte sind, die den globalen Chip-Markt gerade umformen. Das kostenlose Webinar „Der Eine-Billion-Dollar-Chip“ analysiert, welche 4 Halbleiter-Aktien von diesem Megatrend strukturell profitieren könnten, ohne im geopolitischen Fadenkreuz zu stehen. Sie erfahren, welche Unternehmen abseits der Schlagzeilen vom anhaltenden KI- und Infrastruktur-Boom getragen werden. Webinar: 4 Chip-Aktien im Halbleiter-Boom

FedEx trotzt der Krise

Dass es selbst in diesem Umfeld noch Gewinner gibt, bewies am Freitag FedEx. Die Papiere des Logistikgiganten schossen vorbörslich um bis zu 10 Prozent in die Höhe.

Die Zahlen erklären den Enthusiasmus: 5,25 Dollar bereinigter Gewinn pro Aktie im dritten Geschäftsquartal, bei Erwartungen von rund 4,10 Dollar. Umsatz: 24 Milliarden Dollar. Bemerkenswert ist vor allem der Ausblick – trotz geopolitischer Risiken und steigender Treibstoffkosten hob das Management die Umsatzwachstumsprognose für das Gesamtjahr auf bis zu 6,5 Prozent an. Ein Signal, das aufhorchen lässt: Das globale Frachtvolumen abseits der Krisenherde ist robuster als befürchtet. Genau die Preissetzungsmacht, die ich gestern als entscheidende Kennzahl für dieses Umfeld beschrieb, demonstriert FedEx hier eindrucksvoll.

Europas stille Antwort auf den Energieschock

Eine Nachricht, die in der Krisenstimmung leicht untergeht, aber strategisch Gewicht hat: In Belgien haben TotalEnergies und der Baustoffkonzern Holcim die größte schwimmende Solaranlage Europas eingeweiht. 31 Megawatt Leistung auf einem ehemaligen Steinbruchsee, 30 Gigawattstunden Strom pro Jahr – ausschließlich für den Eigenverbrauch der Industrieanlagen von Holcim.

Kein Prestigeprojekt, sondern industrielle Selbstverteidigung. Genau solche dezentralen Eigenversorgungslösungen sind es, die Europas Wirtschaft langfristig von den Launen des globalen Öl- und Gasmarktes abkoppeln können. Bei Brent nahe 110 Dollar rechnet sich jedes Solarpanel schneller als geplant.

Die Quintessenz

Was diese Woche offenbart hat, ist ein Paradigmenwechsel. Die Vorstellung, geopolitische Krisen ließen sich von den Notenbanken mit billigem Geld abfedern, ist endgültig gescheitert. Solange der Ölpreis die Inflation treibt, bleiben den Zentralbankern die Hände gebunden – schlimmer noch, sie könnten gezwungen sein, die Zinsen weiter anzuheben.

Für Anleger verengt sich der Korridor: Unternehmen mit echter Preissetzungsmacht und robuster Bilanz werden in den kommenden Monaten die relative Stärke zeigen. FedEx hat am Freitag vorgemacht, wie das aussieht. Supermicro hat gezeigt, welches Risiko im geopolitischen Minenfeld lauert. Die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern wird größer.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Tanken Sie Kraft – die kommende Woche dürfte nicht ruhiger werden.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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