33 Schiffe pro Woche: Wie Hormus zur teuersten Zahl des Sommers wurde
Geopolitische Risiken prägen die Märkte: Ölpreis schwankt, Rheinmetall wächst trotz Kürzung, Gold und Kupfer glänzen.

- Schiffsverkehr durch Hormus stark reduziert
- Rheinmetall senkt Prognose, Auftragsbuch wächst
- Drohnenabwehr: Milliardenmarkt mit hohen Risiken
- Gold steigt, Kupfer auf Rekordhoch
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
- So viele Tanker und Frachter passierten in der vergangenen Woche noch die Straße von Hormus – vor dem Iran-Krieg waren es weit über hundert. Diese eine Zahl erklärt mehr über die Weltwirtschaft als jedes Allzeithoch, das der DAX in dieser Woche markierte. Er kletterte am Freitag auf gut 26.400 Punkte und schloss die Woche mit einem Plus von rund anderthalb Prozent – eine gute Nachricht, aber nicht die spannendste. Die eigentliche Geschichte dieser Woche handelt von einer Meerenge im Persischen Golf, einer Prognosekürzung, die keine ist, und einem neuen Milliardenmarkt, der noch nicht weiß, wer seine Gewinner sind. Wer sein Depot nicht nur auf Wachstum, sondern auch auf Absicherung ausrichtet, fand hier mehr Substanz als in jeder Chip-Bilanz.
Hormus dominiert den Ölpreis – und die Nerven
Der Iran veröffentlichte in dieser Woche einen restriktiven Entwurf für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus: ein Verbot für US- und israelische Schiffe, dazu eine Strafgebühr von bis zu 20 Prozent auf den Frachtwert. Brent reagierte prompt und sprang zur Wochenmitte kräftig an, bis auf über 82 Dollar am Freitag. Und doch stand am Ende der Woche ein zweistelliges Minus: Brent und WTI gaben über die gesamte Handelswoche zwischen elf und zwölf Prozent nach, weil parallel über eine Wiederöffnung der Meerenge verhandelt wird.
Diese Diskrepanz – kurzfristiger Preissprung, aber Wochenverlust – lässt sich nur mit der eingangs genannten Zahl erklären. 33 Schiffe pro Woche, gegenüber einer Vorkriegs-Baseline von weit über hundert. Vor dem fünfmonatigen Iran-Krieg lief ein Fünftel der globalen Öl- und LNG-Lieferungen durch diese Route. Selbst im Fall einer Einigung rechnen Analysten für 2027 nur mit einem Durchsatz von 50 bis 60 Prozent des früheren Niveaus. Für Anleger bedeutet das: Die geopolitische Prämie im Ölpreis verschwindet nicht so schnell, wie es die jüngste Wochenbilanz suggeriert. Wer auf dauerhaft sinkende Preise setzt, wettet gegen eine strukturell verknappte Versorgungslage. Dass OPEC+ die Förderung ab September um weitere 188.000 Barrel pro Tag erhöht, ändert daran wenig – das federt Ausfälle an der Kernroute nur bedingt ab.
Rheinmetall: Warum die Prognosekürzung die Wachstumsstory bestätigt
Rheinmetall senkte in dieser Woche seine Umsatzprognose für 2026 um 300 Millionen Euro auf nun 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Auslöser war die Stornierung der F126-Fregatten, und die Aktie geriet prompt unter Druck. Wer aber genauer hinschaut, erkennt eine andere Geschichte: Der stornierte F126-Anteil machte am Umsatzziel für 2030 weniger als drei Prozent aus. Die operative Marge bleibt bei rund 19 Prozent unverändert.
Das eigentliche Bild ist glänzend. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro, der operative Gewinn legte um 74 Prozent zu. Der Auftragsbestand explodierte auf 80,5 Milliarden Euro – nach 56 Milliarden im Vorjahr. Bis Jahresende soll der Boxer-Vertrag mit der Bundeswehr folgen, Rheinmetalls Anteil daran wird auf 12,4 Milliarden Euro beziffert. Eine Guidance-Kürzung, die aus einer einzelnen Stornierung resultiert, während sich das Auftragsbuch binnen eines Jahres um fast die Hälfte füllt, ist kein Bruch der Wachstumsstory – sie ist ein Stimmungsproblem, kein Substanzproblem.
Der stille Profiteur der Rüstungsrally heißt RENK. Der Getriebespezialist meldete für das erste Halbjahr einen Rekord-Auftragseingang von 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 30 Prozent, und bestätigte die Jahresprognose: über 1,5 Milliarden Euro Umsatz, ein bereinigtes EBIT von 255 bis 285 Millionen Euro. Der Auftragsbestand liegt bei 7,4 Milliarden Euro. Wer den Sektor spielt, sollte nicht nur auf den bekanntesten Namen starren.
Die Auftragsbücher von Rheinmetall und RENK zeigen, wie krisenresistent der Verteidigungssektor gerade ist – doch die nächste Welle könnte aus einer anderen Ecke kommen. Wasserstoff gilt zunehmend als Schlüsseltechnologie für Energiesicherheit und resiliente Infrastruktur, und die Investmentchancen im Wasserstoff- und Verteidigungssektor sind enorm. Kostenlosen Report „Verteidigung neu gedacht“ sichern
Drohnenabwehr: Ein Milliardenmarkt mit Wachstumsschmerzen
Der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle in der vergangenen Woche hat die Aufmerksamkeit auf die Counter-Drone-Branche gelenkt – einen Markt im Entstehen, aber mit erheblichen Risiken für Anleger, die jetzt einsteigen wollen. Der Platzhirsch DroneShield geriet gleich doppelt unter Druck: Die australische Aufsicht ASIC untersucht Offenlegungen und Aktiengeschäfte aus dem November 2025, die Aktie fiel auf ein Dreimonatstief. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 500 und einem Kursverlust von rund 29 Prozent seit Jahresbeginn ist Vorsicht angebracht – auch wenn Citigroup zuletzt einen Anteil von 5,69 Prozent meldete und das US-Verteidigungsministerium die Entwicklung eines C2-Systems finanziert.
Interessanter ist die operative Dynamik bei zwei kleineren Namen. Ondas sicherte sich einen US-Army-Auftrag über mehr als 50 Millionen Dollar für unbemannte Systeme und meldete für das zweite Quartal einen Umsatzsprung auf 50,1 Millionen Dollar. Bei Red Cat verzehnfachte sich der Umsatz auf gut 20 Millionen Dollar – doch der Nettoverlust weitete sich zugleich auf über 35 Millionen Dollar aus. Die Lektion: Der Sektor wächst rasant, ist aber hochspekulativ. Wer hier einsteigt, kauft Wachstumsfantasie, keine Substanz. Das begründet allenfalls eine kleine Depotbeimischung, keine Kernposition.
Gold und Kupfer: Die leiseren Absicherungen
Während Öl und Rüstungswerte die Schlagzeilen prägten, meldete sich auch Gold eindrucksvoll zurück. Auslöser waren schwache US-Arbeitsmarktdaten: Die US-Wirtschaft verlor im Juli 23.000 Stellen, hinzu kamen Abwärtsrevisionen von über 100.000 Jobs für Mai und Juni. Das Edelmetall zog daraufhin deutlich an und notiert nun wieder oberhalb der 4.400-Dollar-Marke. UBS traut Gold für das erste Halbjahr 2027 sogar 5.000 Dollar zu, warnt aber vor kurzfristigen Rückschlägen. Vom Rekordhoch aus dem Januar bei knapp 5.600 Dollar ist das Metall noch ein gutes Stück entfernt.
Bemerkenswerter ist der Nachbar im Rohstoffregal: Kupfer markierte an der Comex zuletzt ein Rekordhoch. Treiber ist nicht die Konjunktur, sondern die Spekulation auf mögliche US-Importzölle auf raffiniertes Kupfer – eine geopolitische Wette. Für Anleger ist das ein Terrain mit zwei Ausgängen: Ein Zollschock könnte den Preis kurzfristig weitertreiben, eine Entwarnung aus Washington würde dagegen die Korrektur einleiten.
Der globale Kompass
Drei Fäden dieser Woche laufen auf dieselbe Frage zusammen: Wie viel geopolitische Absicherung braucht ein Depot wirklich? Der Ölmarkt zeigt, dass Hormus noch Jahre nachwirken wird, selbst wenn Washington dem iranisch-omanischen Kompromiss zustimmt. Der Rüstungssektor zeigt, dass eine einzelne schlechte Nachricht – wie Rheinmetalls Prognosekürzung – die zugrunde liegende Auftragsdynamik nicht bricht. Und die Drohnenabwehr zeigt, dass ein neuer Sicherheitsmarkt nicht automatisch ein sicherer Markt für das eigene Depot ist.
Die kommende Woche liefert dazu die monetäre Nagelprobe: Nach dem schwachen Juli-Arbeitsmarkt preist der Markt eine Fed-Zinserhöhung im September nur noch mit etwa 44 Prozent ein, während die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Anhebung bei rund 85 Prozent liegt. Diese transatlantische Divergenz wird den Euro und die exportstarke deutsche Industrie prägen – die im Juni mit 139,3 Milliarden Euro einen Rekord bei den Warenexporten erzielte, während das Geschäft mit den USA um über 14 Prozent einbrach. Behalten Sie Hormus im Blick: Die Antwort aus Washington entscheidet über die nächste Ölpreisbewegung – und darüber, wie viel von dieser Woche nur ein Ausschlag war und wie viel eine neue Grundlinie.
Ein ruhiger Ausklang des Wochenendes sei Ihnen gegönnt, bevor die Märkte morgen wieder Tempo aufnehmen.
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