35 Billionen Dollar Welthandel, aber die Routen sind neu
Der globale Warenhandel erreicht 35 Billionen Dollar, während sich die Handelsströme massiv von China weg verlagern. Der DAX profitiert von Iran-Hoffnungen.

- Welthandel erreicht neues Allzeithoch
- US-China-Handel bricht drastisch ein
- DAX erholt sich dank Iran-Spekulationen
- SpaceX-IPO mit Rekordbewertung geplant
Liebe Leserinnen und Leser,
am Sonntag schloss ich mit der Frage, ob die laufende Umschichtung des großen Geldes eine vorübergehende Ausweichbewegung ist oder der Beginn einer dauerhaften Neuordnung. Der erste Handelstag der Woche liefert eine überraschend klare Antwort — allerdings nicht aus den Kursbewegungen selbst, sondern aus den Daten dahinter. Der Welthandel erreicht ein Allzeithoch von über 35 Billionen Dollar, doch wer genauer hinschaut, erkennt: Die Warenströme fließen durch andere Kanäle als noch vor einem Jahr. Der US-Handel mit China schrumpfte im ersten Quartal um fast 50 Milliarden Dollar. Taiwan, Vietnam und Mexiko füllen die Lücke. Und der DAX? Der dreht mitten in dieser Gemengelage kräftig ins Plus — nicht weil die Probleme gelöst wären, sondern weil ein iranischer Fünf-Punkte-Plan Hoffnung auf Diplomatie weckt.
DAX dreht, aber die Basis ist dünn
Der deutsche Leitindex schloss am Montag 1,49 Prozent höher bei 24.307,92 Punkten — bemerkenswert, nachdem er am Morgen zeitweise unter 24.000 Punkte gerutscht war. Der MDAX legte 0,24 Prozent auf 31.440,09 Punkte zu. CMC-Markets-Analyst Andreas Lipkow sprach von einem „kräftigen Turnaround“ nach Berichten über iranische Verhandlungsvorschläge. Gleichzeitig bleibt die Lage brüchig: Donald Trump schrieb auf Truth Social, für den Iran „tickt die Uhr“ und dieser solle sich „SCHNELL bewegen“. Wer auf dieser Grundlage Positionen aufbaut, spekuliert auf Diplomatie — nicht auf Fundamentaldaten.
Bei den Einzelwerten stach Rheinmetall als DAX-Spitzenreiter hervor: plus 2,33 Prozent auf 1.169,80 Euro. Die Citigroup stufte die Aktie von „Neutral“ auf „Buy“ hoch, senkte das Kursziel allerdings von 1.480 auf 1.408 Euro. Lufthansa drehte mit dem Gesamtmarkt ins Plus und lag am Nachmittag 1,5 Prozent höher; neben den Iran-Spekulationen wurde ein möglicher Ausbau der Beteiligung durch Klaus-Michael Kühne diskutiert. Bei Mercedes-Benz bleibt das Thema Rüstung präsent: Konzernchef Ola Källenius forderte ein stärkeres europäisches Verteidigungsprofil, und KNDS ließ mögliche Gespräche über das Mercedes-Werk Ludwigsfelde offen.
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Anleiherenditen nahe 15-Jahres-Hochs — und die Strategen uneins
Die zweite große Belastung für Aktienanleger bleibt der Rentenmarkt. Der Euro-Bund-Future gab am Montag leicht um 0,06 Prozent auf 124,19 Punkte nach. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei 3,15 Prozent, nahe dem höchsten Stand seit anderthalb Jahrzehnten. Zum Vergleich: Britische Anleihen liegen bei über 5,1 Prozent, 30-jährige US-Treasuries bei über 5 Prozent — und das, obwohl die EZB ihren Einlagensatz bereits auf 2 Prozent halbiert hat.
Die Prognosen gehen auseinander. Commerzbank-Stratege Martin Hartmann sieht für zehnjährige Bunds Potenzial bis 3,4 Prozent. Eine Bloomberg-Umfrage erwartet zum Jahresende unter 3 Prozent; die Commerzbank selbst rechnet mit 3 Prozent. LBBW-Stratege Elmar Völker rät von langen Laufzeiten ab und bevorzugt drei- bis fünfjährige Papiere mit 2,7 bis 2,8 Prozent Rendite — bei deutlich geringeren Kursschwankungen. Für Privatanleger heißt das: Wer Anleihen kauft, muss sich entscheiden, ob er auf fallende Renditen wettet oder die geringere Volatilität im mittleren Laufzeitensegment vorzieht.
Wall Street wartet auf Nvidia — und sortiert selektiv
In New York verlief der Montag uneinheitlich. Der Dow Jones schloss bei 49.665,42 Punkten, ein Plus von 139 Punkten. Der S&P 500 legte minimal auf 7.411,61 Punkte zu, während der Nasdaq Composite 35,93 Punkte auf 26.189,22 Punkte abgab. Die zehnjährige US-Rendite fiel auf 4,573 Prozent, nachdem sie zuvor mit 4,631 Prozent das höchste Niveau seit Februar 2025 markiert hatte.
Der Markt zeigt, wie selektiv er geworden ist: Dominion Energy sprang um 10,5 Prozent nach einem 66,8-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot von NextEra Energy. Regeneron verlor 11,5 Prozent nach einer gescheiterten Melanom-Studie. Die Woche wird dicht: Home Depot berichtet am Dienstag, Nvidia am Mittwoch zusammen mit Target, Lowe’s und TJX, Walmart und Workday folgen am Donnerstag. Ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht die Fed ihr Sitzungsprotokoll. Nvidia wird dabei zum Stimmungstest für die gesamte KI-Bewertungslandschaft — und damit auch für die Frage, ob die Verlagerung der US-Handelsströme Richtung Taiwan nachhaltig unterfüttert ist.
Die neue Handelsgeographie: Wer gewinnt, wer verliert
Die strukturell wichtigste Nachricht des Tages kommt nicht von den Börsen, sondern von der UNCTAD. Der weltweite Waren- und Dienstleistungshandel erreichte 2025 mit über 35 Billionen Dollar ein Allzeithoch. Der Warenhandel wuchs um rund 6,5 Prozent, Dienstleistungen um fast 9 Prozent. Gleichzeitig verändert sich die Architektur: Der Süd-Süd-Handel lag 2024 bei über 6 Billionen Dollar und machte 25 Prozent des globalen Warenhandels aus. Maschinen und Präzisionsinstrumente führten das Fertigungswachstum an.
Die Verschiebung wird in den US-Handelsdaten greifbar. Im ersten Quartal 2026 sank der bilaterale Handel zwischen den USA und China um fast 50 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr. Auch Irland verlor 44 Milliarden, die Schweiz 36 Milliarden, Kanada 22 Milliarden, Deutschland 8 Milliarden Dollar. Die Gewinner: Taiwan mit plus 39 Milliarden Dollar — getrieben vom KI-Boom und der Nachfrage nach Halbleitern und Servern. Vietnam legte 18 Milliarden zu, Mexiko 16 Milliarden, Großbritannien 9 Milliarden, Südkorea und Hongkong je 7 Milliarden. Was hier passiert, ist keine konjunkturelle Schwankung. Es ist eine Umverdrahtung der globalen Lieferketten, die für europäische Exporteure konkrete Folgen hat.
China selbst lieferte dazu schwache Konjunkturdaten für April. Die Industrieproduktion wuchs nur um 4,1 Prozent zum Vorjahr. Die Einzelhandelsumsätze legten lediglich 0,2 Prozent zu — erwartet waren 2 Prozent, im März waren es noch 1,7 Prozent. Kfz-Käufe brachen um 10,6 Prozent ein, Haushaltsgeräte um 4 Prozent, Baumaterialien um 7,1 Prozent. Immobilieninvestitionen sanken um 14 Prozent, Baubeginne um 22 Prozent. Für exportorientierte Sektoren wie Elektronik bleibt die Lage besser, aber die Binnenkonjunktur bremst.
Vom Börsengang der Superlative bis zum Krypto-Liquiditätsstress
Am Primärmarkt dominiert eine Zahl: 1,75 Billionen Dollar. So hoch soll die Bewertung von SpaceX beim geplanten Nasdaq-Debüt am 12. Juni ausfallen. Die Kapitalerhöhung zielt auf bis zu 75 Milliarden Dollar, die Roadshow startet am 4. Juni. Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup, JPMorgan und Goldman Sachs führen das Konsortium. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte — mit allen Risiken, die Elon Musks Stimmrechtskontrolle, die Starship-Entwicklung und die Abhängigkeit von Regierungsaufträgen mit sich bringen.
Kleiner, aber für die Logistikbranche relevant: Einride und EASE Logistics starteten am Montag in Marysville, Ohio, den Betrieb autonomer Elektro-Lkw auf SAE-Level-4-Niveau. Parallel rückt Einrides Nasdaq-Listing unter dem Ticker ENRD näher — die SEC erklärte die Registrierungserklärung für die Fusion mit Legato Merger Corp. III für wirksam, die Aktionärsabstimmung ist für den 4. Juni angesetzt. Der Deal bewertet Einride mit 1,35 Milliarden Dollar.
Im Kryptomarkt zeigt sich dagegen Stress. Wintermute und Oros Global zogen am Montag rund 100 Millionen Dollar Liquidität von Hyperliquid ab. Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten in der Woche vom 11. bis 15. Mai Nettoabflüsse von 1,039 Milliarden Dollar, Ethereum-Spot-ETFs 255 Millionen Dollar. Die Abflüsse, die ich am Sonntag als Richtungsänderung beschrieben hatte, setzen sich fort. Gleichzeitig stieg Hyperliquids HYPE-Token am Montag auf etwa 45 Dollar — getrieben von ETF-Fantasie und Pre-IPO-Derivatemärkten, unter anderem auf SpaceX.
Was diese Woche entscheidet
Drei Termine bestimmen die Richtung: Nvidias Quartalszahlen am Mittwoch als Lackmustest für KI-Bewertungen. Das Fed-Sitzungsprotokoll, ebenfalls am Mittwoch, als Signal für den Zinspfad. Und jede belastbare Nachricht aus den Iran-Gesprächen, die über Spekulation hinausgeht.
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Für europäische Anleger stellt sich dabei eine Frage, die über den Wochenhorizont hinausreicht: Die Handelsströme ordnen sich neu, die Lieferketten verlaufen anders als vor zwölf Monaten, und die Gewinner dieser Verschiebung sitzen in Taipeh, Hanoi und Mexiko-Stadt — nicht in Frankfurt. Wer davon profitieren will, muss sein Portfolio an der neuen Handelsgeographie ausrichten, nicht an der alten.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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