397 Milliarden Dollar auf der Seitenlinie — was Buffetts Erbe über diesen Markt verrät

Berkshire Hathaway hält Rekord-Bargeldbestand von 397 Milliarden Dollar. CEO Abel signalisiert Geduld, während die US-Wirtschaft Zinssenkungen unwahrscheinlich macht.

Die Kernpunkte:
  • Rekordhoher Kassenbestand von 397 Milliarden
  • Netto-Aktienverkäufe von 8,1 Milliarden Dollar
  • Operativer Gewinn steigt um 18 Prozent
  • Apple bleibt größte Einzelposition

Liebe Leserinnen und Leser,

am Freitag beschrieb ich die Sektorrotation, die den Mai prägen dürfte: weg von Momentum, hin zu nachgewiesener Ertragskraft. Keine 24 Stunden später liefert Berkshire Hathaway die eindrücklichste Bestätigung dieser These. Auf der ersten Hauptversammlung unter Greg Abel als neuem CEO meldete die Holding einen Kassenbestand von 397,4 Milliarden US-Dollar — so viel wie nie zuvor. Berkshire verkaufte im ersten Quartal netto Aktien im Wert von 8,1 Milliarden Dollar und sitzt nun auf einem Bargeldberg, der größer ist als das Bruttoinlandsprodukt Finnlands. Abels Botschaft an die Aktionäre: Geduld. Keine Hektik. Kein Druck, das Geld zu investieren. Wenn der erfolgreichste Investor der Geschichte und sein Nachfolger gemeinsam zu dem Schluss kommen, dass Warten die beste Strategie ist, sollte der Rest des Marktes zuhören.

Gute Zahlen, schlechte Nachrichten

Der Grund für Berkshires Zurückhaltung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die US-Wirtschaft läuft zu gut für Zinssenkungen. Das annualisierte BIP-Wachstum beschleunigte sich im ersten Quartal auf 2,0 Prozent, nach 0,5 Prozent im Vorquartal. Unternehmensinvestitionen und Konsum treiben den Aufschwung.

Doch was normalerweise eine gute Nachricht wäre, wird zum Problem. Der PCE-Preisindex sprang von 2,9 auf 4,5 Prozent. Die Kerninflation verharrt bei 3,2 Prozent — weit entfernt vom 2-Prozent-Ziel der Fed. Die Konsequenz: Zehnjährige US-Treasuries rentieren wieder über 4,0 Prozent, und die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen schwindet. An den Märkten fließt Kapital in defensive Sektoren, Energie und Qualitätswerte. Der breite Markt verliert an Schwung.

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Hormus-Blockade drückt Europa Richtung Rezession

Was in den USA eine Verschiebung der Erwartungen ist, wird in Europa zur existenziellen Belastung. Die anhaltende iranische Blockade der Straße von Hormus — durch die normalerweise 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gaslieferungen fließen — treibt den Energiemarkt in ein Angebotsdefizit. BCA Research beziffert die Lücke auf 9 bis 9,5 Millionen Barrel pro Tag, rund 10 Prozent des globalen Verbrauchs.

Brent Crude notiert bei 110,94 US-Dollar, WTI bei 105,18 Dollar. Der symbolische Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC+ zum 1. Mai ändert daran strukturell wenig. Für die Eurozone ist die Lage ungleich prekärer als für die USA: Washington puffert den Schock als Nettoenergieexporteur ab. Europa importiert die Krise — über steigende Energiekosten und gestörte Lieferketten, die die ohnehin schwache Konjunktur laut Analysten an den Rand einer Rezession drängen.

Thyssenkrupp zieht die Reißleine beim Stahl

In diesem Umfeld überrascht Thyssenkrupp mit einer strategischen Kehrtwende: Der Verkauf der Stahlsparte an den indischen Konkurrenten Jindal ist vorerst gescheitert. Die seit September 2025 laufenden Gespräche wurden auf Eis gelegt. Statt eines schnellen Exits will das Essener Management die Neuaufstellung aus eigener Kraft vorantreiben und das Segment profitabel machen — auch wenn die mittelfristige Absicht, sich vom Stahlgeschäft zu trennen, bestehen bleibt.

Für die deutsche Industrie wird die kommende Woche ohnehin aufschlussreich: Am 7. Mai legt Henkel um 10:30 Uhr Zahlen zum ersten Quartal vor. Der Konsumgüterkonzern wird zeigen, wie deutsche Unternehmen mit dem Dreiklang aus Inflation, Zollrisiken und schwächelnder Nachfrage umgehen.

Berkshires Maschine läuft — auch ohne Zukäufe

Zurück nach Omaha: Dass Berkshire trotz der enormen Cash-Position operativ glänzt, macht die Zurückhaltung umso bemerkenswerter. Der operative Gewinn stieg um 18 Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar, getragen von einem starken Versicherungsgeschäft mit einem Underwriting-Ergebnis von 1,72 Milliarden Dollar. Der Nettoertrag verdoppelte sich auf 10,1 Milliarden Dollar.

Parallel nahm Berkshire Aktienrückkäufe in Höhe von 234 Millionen Dollar wieder auf — ein bescheidener Betrag gemessen an der Bilanz, aber ein Signal, dass Abel eigene Aktien attraktiver findet als den breiten Markt. Apple bleibt mit einem Marktwert von rund 62 Milliarden Dollar die größte Einzelposition — bei einer ursprünglichen Kostenbasis von etwa 6 Milliarden Dollar für die verbliebenen Anteile. Wenige Investments in der Geschichte haben sich so bezahlt gemacht.

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CLARITY Act: Krypto-Regulierung nimmt Form an

Abseits der Aktienmärkte nähert sich in Washington der CLARITY Act einer entscheidenden Phase. Das Gesetz, das unter anderem XRP als Rohstoff einstufen und neue Stablecoin-Regeln einführen soll, steht vor einem Markup im Senatsausschuss — erwartet für die Woche des 11. Mai. Ein überparteilicher Kompromiss sieht vor, passive Zinserträge für das bloße Halten von Stablecoins zu verbieten, Belohnungen für aktive Nutzung jedoch zuzulassen. Die Prognosemärkte taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung in diesem Jahr auf 55 Prozent.

Was jetzt zählt

Die Signale dieser Woche fügen sich zu einem klaren Bild: Eine robuste US-Wirtschaft, die Zinssenkungen verhindert. Ein Energieschock, der Europa härter trifft als Amerika. Und der klügste Kapitalallokator der Welt, der fast 400 Milliarden Dollar lieber in kurzlaufenden Staatsanleihen parkt als in Aktien zu investieren. Die Sektorrotation, die sich am Freitag abzeichnete, hat mit den Berkshire-Zahlen ihr stärkstes Argument bekommen. Wer in diesem Markt investiert bleibt, sollte wissen, warum — und in was.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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