3D-Druck – Mehr als die dritte industrielle Revolution

In kaum einer anderen Branche stecken momentan so viele Erwartungen als bei den 3D-Druckern. Marktforscher prognostizieren eine Vervielfachung des Umsatzes. Unternehmen und Anleger versprechen sich nach Jahren voller Startschwierigkeiten satte Gewinne. Ist diese Euphorie gerechtfertigt?

 

© Pixabay
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Die Technologie ist erst wenige Jahre alt. Sie steckt noch in den Kinderschuhen. Trotzdem ist das Repertoire, das die 3D-Drucker abdecken, atemberaubend: Von Spielzeug über Essen bis hin zu Ersatzteilen für den menschlichen Körper – die Möglichkeiten sind beinahe grenzenlos.

 

Nachfrage steigt

Neben dem privaten Gebrauch steht vor allem der betriebliche im Vordergrund. Immer mehr Unternehmen investieren in einen 3D-Drucker. Während der Drucker für den Privatverbrauch ab 400€ kostet, muss ein Unternehmen mit mindestens 150.000 Euro für ein Gerät rechnen. Laut dem Analysehaus Canaly“ wurden 2014 weltweit rund 133.000 Drucker verkauft. Der Umsatz für die Geräte, das Material und die Dienstleistungen in dem Sektor soll insgesamt bei 3,3 Milliarden gelegen haben. Für das Jahr 2015 rechnet Canalys mit einem Wachstum der Branche von 56%.

 

Industrieproduktion in der Umbruchphase

Die Vorteile der 3D-Drucker liegen klar auf der Hand: Will ein Industrieunternehmen beispielsweise ein neues Bauteil ausprobieren, muss es sich nicht mehr mühsam einen Lieferanten suchen. Stattdessen wird der Drucker flott gemacht und innerhalb kürzester Zeit produziert er das passende Teil. Ein weiterer Vorteil ist: Mit dem 3D-Druck lassen sich Elemente anfertigen, die mit den herkömmlichen Methoden, wie zum Beispiel dem Spritzguss, bisher nicht hergestellt werden konnten.

 

Das Potential ist branchenübergreifend

Das Potential der 3D-Drucker wittern viele Branchen. Maschinenbau, Luftfahrt- oder Autoindustrie, Bauindustrie, Medizintechnik, Modebranche oder sogar die Nahrungsmittelindustrie setzen verstärkt auf das sogenannte „Additive Manufacturing“. Und die Produktpalette wird fortwährend erweitert. Immer mehr innovative und druckfähige Materialien halten Einzug in die Branche.

So können Flugzeugbrauer Titan-Träger genauso anfertigen wie Medizinforscher Kniegelenksknorpel, ein Schmuckhersteller ein Armband oder ein Nudel-Hersteller eine spezielle Pasta.

 

China stellt ganze Häuser aus dem 3D-Drucker her

Das schmeckt ganz besonders der chinesischen Industrie. Was möglich ist, soll folgendes Beispiel zeigen: Das chinesische Unternehmen WinSun kann innerhalb von wenigen Stunden ein Haus bauen. Hier die spektakulären Fakten:

 

  • Das Baumaterial besteht aus recycelten Abfällen. Für den Bau braucht man nicht nur 60% weniger Material, sondern hinterlässt auch 60% weniger Abfall.
  • Personeller Aufwand lässt sich um 80% reduzieren und der zeitliche Rahmen beträgt wenige Stunden.
  • Das schlägt sich im Preis nieder: Ein Haus aus dem 3D-Drucker kriegt man schon ab 5.000 Dollar.

 

Mit dieser Technologie will WinSun den Weltmarkt in den nächsten Jahren erobern. In 20 Ländern sollen Fabriken entstehen. Kaum vorzustellen, was es für den Immobilienmarkt bedeutet, wenn die Nachfrage nach den Schnäppchen-Häusern richtig steigt.

Auch fahrtüchtige Autos können bereits mit einem 3D-Drucker hergestellt werden. Das bewies das amerikanische Unternehmen Local Motors. Jedes Fahrzeug kann dabei ganz individuell an die Wünsche der Kunden angepasst werden. Nach nur 12 Stunden kann der Kunde dann sein fertiges Auto abholen.

 

Deutschland verschläft den Trend

Häuser drucken deutsche Architekten dagegen höchstens nur als Anschauungs-Material im Miniatur-Format für den Kunden. Es scheint, als würde Deutschland den Trend verschlafen. Im letzten Jahr hatte die Bundesrepublik einen weltweiten Marktanteil von rund 9%. Vergleichen mit den USA, die einen Anteil von 43% haben, ist das nicht viel.

Nur wenige deutsche Unternehmen wie SLM Solutions oder Voxeljet AG haben sich dem 3D-Druck verschrieben. Die meisten Firmen nähern sich der Technik auf die deutsche Art, nämlich mit Vorsicht, an. Neusten Umfragen zufolge steigt in Deutschland allerdings das Interesse enorm. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Deutschland aus seinem Dornröschenschlaf aufwacht.

 

Lesen Sie hier auch den zweiten Teil: 3D-Druck-Branche – Das Potential ist enorm

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