5 Prozent auf Cash, 21er-KGV auf Aktien — wer bietet mehr?

Kevin Warsh soll Fed-Chef werden. Bei 5% Cash und hohen Bewertungen müssen Aktien Gewinnwachstum liefern.

Die Kernpunkte:
  • Fed-Vorsitzwechsel von Powell zu Warsh
  • Cash-Rendite von 5% als Aktien-Maßstab
  • S&P 500 bei KGV 21 über Durchschnitt
  • Commerzbank plant Stellenabbau und KI-Invest

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern stellte ich die Frage, ob Europas Wirtschaft stark genug ist, um von der Rohstoff-Renaissance zu profitieren — oder ob sie nur die Rechnung bezahlt. An diesem Sonntagabend verschiebt sich der Fokus: Die Rechnung kommt nicht nur von den Rohstoffmärkten, sondern aus dem Herzen der amerikanischen Geldpolitik. Kevin Warsh dürfte Jerome Powell bis zum 15. Mai als Fed-Vorsitzenden ablösen. Der US-Senat soll am Montag über die Nominierung abstimmen. Und die entscheidende Frage für Ihr Portfolio ist nicht, ob Warsh die Zinsen senkt — sondern wie schnell er der Fed-Bilanz zu Leibe rückt.

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Der neue Fed-Chef und die 6,8-Billionen-Dollar-Frage

Warsh hat die Ausweitung der Fed-Bilanz von 900 Milliarden Dollar vor 2008 auf fast 9 Billionen Dollar im Jahr 2022 wiederholt kritisiert. Aktuell liegt sie bei rund 6,8 Billionen Dollar. Eine behutsame Reduzierung über Jahre wäre für die Märkte verkraftbar. Ein aggressiver Abbau in kurzer Zeit würde Liquidität abziehen, Renditen nach oben treiben und die Volatilität erhöhen.

Die Ausgangslage dafür ist bereits angespannt. Ende April hielt die Fed den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent — die dritte Sitzung in Folge ohne Veränderung. Die Abstimmung fiel mit 8 zu 4 Stimmen ungewöhnlich gespalten aus. Die Inflation bleibt hartnäckig über dem Ziel: 3,3 Prozent Gesamtteuerung, 2,6 Prozent Kern-CPI, 3,5 Prozent PCE — jeweils für März. Pimco warnt, dass der Iran-Konflikt die Fed eher zu Zinserhöhungen als zu Senkungen zwingen könnte, falls Energiepreisschocks erneut durchschlagen.

Für Privatanleger bedeutet das: Der vermeintlich langweilige Teil des Portfolios wird wieder interessant. Cash bringt kurzfristig rund 5 Prozent Rendite. Das ist kein Wachstumsmotor, aber ein Maßstab, an dem sich jede Aktienposition messen lassen muss.

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Die Rally läuft — aber zu welchem Preis?

An der Wall Street scheint von diesen Spannungen wenig anzukommen. Der S&P 500 markierte am Donnerstag ein neues Allzeithoch bei 7.398,93 Punkten, ein Tagesplus von 0,84 Prozent. Der Nasdaq 100 legte 2,35 Prozent zu. Intel sprang nach einem Apple-Chip-Deal um knapp 14 Prozent, der Philadelphia Semiconductor Index erreichte ebenfalls ein Rekordhoch. Sechs Gewinnwochen in Folge, 8 Prozent Plus seit Jahresbeginn.

Die Bewertungen spiegeln diesen Optimismus. Der S&P 500 wird mit einem Forward-KGV von 21,0 gehandelt — über dem Fünfjahresdurchschnitt von 19,9 und dem Zehnjahresdurchschnitt von 18,9. JPMorgan verweist auf das gleiche Bild. Ja, 84 Prozent der S&P-500-Unternehmen übertrafen im ersten Quartal die Gewinnschätzungen, die aggregierten Gewinne lagen 18,2 Prozent über Konsens. Aber die Marktbreite bleibt eng, die Kursgewinne konzentrieren sich auf wenige Titel.

Hier liegt die neue Allokationsfrage: In der Nullzinsära mussten Anleger Aktien kaufen, weil es keine Alternative gab. Bei 5 Prozent auf Cash und steigenden Anleiherenditen muss jedes höhere Multiple durch konkretes Gewinnwachstum gerechtfertigt werden. Die Messlatte ist gestiegen.

KI liefert Wachstum — aber nicht zum Nulltarif

Die Investitionsbereitschaft der Tech-Konzerne bleibt beeindruckend. Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta planen bis 2026 nahezu 700 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur. Amazon allein prognostiziert 200 Milliarden Dollar für AWS im Jahr 2026. Arm meldete für das vierte Quartal einen Umsatz von 1,49 Milliarden Dollar, ein Plus von 20 Prozent zum Vorjahr, und steigerte den Jahresumsatz um 23 Prozent auf 4,92 Milliarden Dollar.

Doch die Bewertungsluft wird dünner. BofA Securities stufte Arm wegen Produktionsengpässen bei TSMC und hoher Bewertung auf „Neutral“ herab, mit einem Kursziel von 120 bis 135 Dollar. Bei Dell Technologies schätzt Simply Wall St den fairen Wert auf 168,61 Dollar — der letzte Schlusskurs lag bei 230,27 Dollar, eine rechnerische Überbewertung von knapp 37 Prozent. Der KI-Zyklus trägt, aber wenn der Diskontsatz steigt, schrumpfen die Bewertungsspielräume.

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Commerzbank: Stellenabbau, KI-Offensive, UniCredit-Abwehr

In Frankfurt rückt die Commerzbank ins Zentrum. Das Institut kündigte 3.000 Stellenstreichungen an und will zwischen 2026 und 2030 rund 600 Millionen Euro in KI investieren. Die Strategie „Momentum 2030″ soll 70 Prozent Kostenreduktion und 20 Prozent Umsatzsteigerung durch Automatisierung bringen.

Der Hintergrund ist politisch: UniCredit hält knapp 30 Prozent an der Commerzbank, der Bund 12 Prozent. Eine milliardenschwere Übernahmeofferte der Italiener steht im Raum, Berlin lehnt ab. Operativ liefert die Bank Argumente für die Eigenständigkeit: Der Q1-Nettogewinn lag bei 913 Millionen Euro, 9,4 Prozent über Vorjahr und über den Analystenerwartungen von 868 Millionen Euro. Die Finanzziele bis 2028 wurden angehoben — auf 15 Milliarden Euro Umsatz und 4,6 Milliarden Euro Nettogewinn.

Zwei Konfliktzonen, ein Inflationskanal

Die geopolitischen Risiken, die ich gestern unter dem Stichwort Hormus beschrieben habe, haben sich über das Wochenende nicht entschärft — im Gegenteil. Am Samstag wurde die Waffenruhe im Iran-Konflikt erneut verletzt, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten Drohnenangriffe. Iran übergab über Pakistan eine Antwort auf den 14-Punkte-Friedensvorschlag der USA. Großbritannien entsendet den Zerstörer „HMS Dragon“ zum Schutz der Schifffahrt, Deutschland erwägt den Einsatz von Minenjagdbooten.

Parallel dazu steht die US-vermittelte Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine unter Druck. Die Ukraine meldet drei Tote durch russische Drohnenangriffe und mehr als 200 Gefechte seit Samstag, Russland spricht von 57 abgeschossenen ukrainischen Drohnen. US-Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner sollen in Kürze nach Moskau reisen.

Auch der Devisenmarkt signalisiert Stress. Japan intervenierte mit 5,4 Billionen Yen — rund 29,4 Milliarden Euro — gegen den Yen-Verfall, nachdem die Währung auf ein 40-Jahres-Tief von 160 Yen je Dollar gefallen war. Goldman Sachs verweist auf Japans Devisenreserven von 1,2 Billionen Dollar als Puffer für weitere Eingriffe. Doch die Erfahrung vom August 2024 mahnt: Als damals Carry-Trades abrupt aufgelöst wurden, brach der Nikkei ein. Ein schwacher Yen hilft Toyota und Sony — bis er es nicht mehr tut.

Was diese Woche entscheidet

Die kommenden Tage bringen drei Datenpunkte, die das Kräfteverhältnis zwischen Aktien und Anleihen neu justieren können: den April-CPI am Montag, den PPI am Dienstag und die Einzelhandelsumsätze am Mittwoch. Bleiben Inflation und Renditen hoch, wird die Konkurrenz von Cash und Bonds für Growth-Aktien spürbar. Fallen die Daten milder aus, bekommt die KI-Rally Luft — allerdings auf einem Bewertungsniveau, das Enttäuschungen nicht verzeiht.

Die alte Formel „There is no alternative“ hat ausgedient. Es gibt wieder Alternativen. Die Frage ist nur, ob der Markt das schon einpreist.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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