5 Prozent Rendite, null Panik — wie lange hält das Gleichgewicht?
Trotz stark gestiegener US-Erzeugerpreise und 5-Prozent-Renditen bei 30-jährigen Anleihen zeigt sich der DAX robust.

- US-PPI steigt auf 6,0 Prozent
- 30-jährige US-Rendite über 5 Prozent
- DAX schließt trotzdem im Plus
- Trump reist mit Nvidia-CEO nach Peking
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit der Frage, ob die US-Erzeugerpreise den Inflationsdruck vom Dienstag bestätigen würden. Die Antwort liegt seit diesem Mittwoch vor — und sie fiel drastischer aus als befürchtet: 6,0 Prozent PPI im Jahresvergleich, 1,4 Prozent allein im April gegenüber dem Vormonat. Prognose war 0,5 Prozent. Die 30-jährige US-Staatsanleihe rentiert jetzt über 5 Prozent. Und der DAX? Schloss bei 24.137 Punkten, ein Plus von 0,8 Prozent. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Tages: Die Märkte halten stand — vorerst.
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Erzeugerpreise sprengen die Prognosen
Die am Mittwoch veröffentlichten US-Erzeugerpreise für April markieren den stärksten Anstieg seit Ende 2022. Der Gesamt-PPI legte um 1,4 Prozent zum Vormonat zu, auf Jahressicht stehen 6,0 Prozent. Der Kern-PPI ohne Nahrung und Energie erreichte 5,2 Prozent im Jahresvergleich. Die Treiber sind eindeutig: Der Energieindex stieg im Monatsvergleich um 7,8 Prozent, Benzin allein um 15,6 Prozent. Am Vortag hatte bereits der CPI mit 3,8 Prozent Jahresinflation ein Dreijahreshoch markiert.
Am Rentenmarkt zogen die Renditen entsprechend an. 10-jährige US-Treasuries erreichten rund 4,49 Prozent — der höchste Stand seit Juli 2025. Die 30-jährigen Papiere durchbrachen die 5-Prozent-Marke und notierten bei 5,05 Prozent. Am kurzen Ende stiegen 2-jährige Anleihen auf 4,01 Prozent, der Spread zwischen 2- und 10-jährigen Papieren liegt bei positiven 47,3 Basispunkten. Apollo warnt, dass die US-Regierung auf eine Rezession nicht vorbereitet sei: Das Haushaltsdefizit werde derzeit massiv über kurzlaufende T-Bills finanziert — eine Strategie mit begrenzter Haltbarkeit. Die Konsequenz am Terminmarkt: Zinssenkungen vor Ende 2027 sind nahezu vollständig ausgepreist. Fed-Funds-Futures taxieren die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Leitzinserhöhung bis Dezember 2026 auf knapp 50 Prozent.
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Dollar drückt, Euro gibt nach
Das „Higher for longer“-Szenario der Fed verschiebt die Gewichte an den Devisenmärkten. Der US-Dollar-Index legte am Mittwoch um 0,19 Prozent auf 98,51 Punkte zu. Der Euro gab auf 1,1708 US-Dollar nach. Goldman Sachs sieht neben dem Euro vor allem das Britische Pfund und die Schwedische Krone als strukturell anfällig gegenüber einer breiteren Dollarstärke — getrieben durch robustes US-Wachstum und den geopolitischen Energiepreisschock.
Der Hintergrund bleibt der Nahostkonflikt. Die OPEC senkte ihre Nachfragewachstumsprognose für 2026 auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Die Produktion der OPEC-Mitglieder ist seit Kriegsbeginn Ende Februar um mehr als 30 Prozent auf 9,7 Millionen bpd eingebrochen. Die Blockade der Straße von Hormuz hält täglich 14 Millionen Barrel vom Markt fern.
Trump in Peking — mit Jensen Huang im Gepäck
Während die Makrodaten die Renditen treiben, richtet sich der Blick der Investoren auf die diplomatische Bühne. US-Präsident Trump trifft in dieser Woche in Peking Chinas Staatschef Xi Jinping. Auf der Agenda: Handelsfragen, Künstliche Intelligenz und vor allem der Iran-Krieg, bei dem der Markt auf eine chinesische Vermittlerrolle hofft. Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: Nvidia-CEO Jensen Huang begleitet den US-Präsidenten. Dass der Chef des wertvollsten Halbleiterkonzerns der Welt bei einem Staatsbesuch am Tisch sitzt, sagt viel über die Verschränkung von Technologie- und Sicherheitspolitik im Jahr 2026.
Europas Aktienmarkt trotzt den Renditen
Trotz steigender US-Renditen und schwacher europäischer Konjunkturdaten — deutsche Großhandelspreise plus 6,3 Prozent im April, Eurozonen-BIP im ersten Quartal nur plus 0,1 Prozent — schloss der DAX am Mittwoch 0,8 Prozent höher bei 24.137 Zählern. Das Handelsvolumen war dünn, aber die Richtung klar: Einzelwerte trugen den Index.
Die Allianz meldete für das erste Quartal ein operatives Rekordergebnis von 4,52 Milliarden Euro, ein Plus von 6,6 Prozent. Die Zurich Insurance Group verzeichnete im Schaden-Unfall-Geschäft ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 11 Prozent auf 12 Milliarden US-Dollar. Siemens kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über 6 Milliarden Euro an. Der S&P 500 hielt sich bei rund 7.411 Punkten stabil. Starke Unternehmensgewinne überlagern derzeit die makroökonomischen Sorgen — die Frage ist, wie lange.
Washington schreibt Krypto-Regeln
Am Donnerstag stimmt der Senatsbankenausschuss über den 309 Seiten starken „Digital Asset Market Clarity Act“ (CLARITY Act) ab. Das Gesetz soll die Zuständigkeiten zwischen CFTC und SEC endgültig klären. Es verbietet passive Zinsen auf Stablecoins zum Schutz von Bankeinlagen, nimmt aber Softwareentwickler explizit von Wertpapiergesetzen aus. Über 100 Änderungsanträge liegen vor. Das Repräsentantenhaus hatte den Entwurf bereits im Juli 2025 verabschiedet; Prognosemärkte geben dem Gesetz eine 60-prozentige Chance auf finale Verabschiedung in diesem Jahr.
Was bleibt
Die Finanzmärkte haben die Erwartung sinkender Zinsen in dieser Woche endgültig abgelegt. Dass Aktienindizes bei einer 10-jährigen US-Rendite von 4,5 Prozent und einer 30-jährigen von über 5 Prozent nicht einbrechen, zeigt eine bemerkenswerte Anpassung der globalen Kapitalströme. Die Welt wird teurer — beim Öl, beim Geld, bei der Absicherung. Aber sie funktioniert. Noch. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Gipfel in Peking eine Deeskalation im Nahen Osten einleiten kann. Davon hängt ab, ob aus dem aktuellen Gleichgewicht Stabilität wird — oder nur eine Pause vor dem nächsten Preisschub.
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Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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