58 Prozent in zwölf Monaten: Thyssenkrupp führt die Stahl-Rotation an

Stahl- und Zementaktien führen die Marktrotation an, während Tech-Werte schwächeln. Thyssenkrupp erreicht ein neues 52-Wochen-Hoch, Heidelberg Materials erholt sich deutlich.

Die Kernpunkte:
  • Thyssenkrupp erreicht neues 52-Wochen-Hoch
  • Heidelberg Materials erholt sich nach Jahrestief
  • XRP-ETFs verzeichnen Rekordzuflüsse trotz Kursrutsch
  • Bitcoin-Rally: 83.000 Dollar als entscheidende Marke

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

14,45 Euro – auf dieses Niveau kletterte die Thyssenkrupp-Aktie am Mittwoch, ein neues 52-Wochen-Hoch nach einem Kursplus von 58 Prozent binnen zwölf Monaten. Der große Nvidia-Termin zieht heute alle Blicke auf sich, doch das Geld bewegt sich in eine ganz andere Richtung: in Stahl, Zement und Bau. Dazu kommen zwei weitere Widersprüche, die mehr verdienen als eine Randnotiz: Rekordzuflüsse in XRP-ETFs bei gleichzeitig einbrechendem Kurs, und eine neue, sehr konkrete Ziellinie für Bitcoin bei 83.000 Dollar.

Die Zykliker-Rotation: Stahl und Zement schlagen die Tech-Werte

Der eigentliche Gewinner des Mittwochs sitzt nicht im Technologiesektor, sondern im Zement- und Stahlgeschäft. Heidelberg Materials notiert im laufenden Handel bei rund 170 Euro, ein Plus von etwa 5 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 162,30 Euro – und das nur eine Woche, nachdem der Titel bei 154,40 Euro ein Jahrestief markiert hatte. Noch deutlicher die Dynamik bei Thyssenkrupp mit dem eingangs genannten 52-Wochen-Hoch. Salzgitter zog um gut 9 Prozent an, Baudienstleister Bilfinger legte ebenfalls spürbar zu. Für Anleger zählt hier mehr als der Tagesausschlag: Heidelberg Materials liegt seit Jahresbeginn trotz der Erholung noch immer rund 27 Prozent im Minus, nach Monaten mit Preisdruck und schwacher Baukonjunktur. Die geballte Stärke deutet auf eine beginnende Sektorrotation hin – während der Technologiesektor mit SAP an der Spitze schwächelte. Wer auf eine Bodenbildung im zyklischen Segment setzt, hat mit den heutigen Kursen eine erste handfeste Bestätigung.

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XRP: Institutionen kaufen, der Spotmarkt verkauft

Der XRP-ETF-Markt erreichte am 20. August ein Rekord-Handelsvolumen von 125 Millionen Dollar. Die kumulierten Zuflüsse seit Fondsstart in diesem Jahr summieren sich auf 1,57 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen liegt bei rund 994 Millionen Dollar – allein der Bitwise-Fonds hat 542 Millionen Dollar eingesammelt. Großanleger haben in der vergangenen Woche zusätzlich 380 Millionen XRP akkumuliert. Und doch brach der Kurs am Mittwoch um 7,4 Prozent auf 1,37 Dollar ein, nur wenig über dem rund zehn Tage zuvor erreichten Jahrestief von 0,99 Dollar. Das ist der eigentliche Punkt: Institutionelles Kapital baut über ETF-Strukturen offenbar systematisch Positionen auf, während der Spotmarkt kurzfristig unter Verkaufsdruck steht. Für Anleger mit XRP-Zertifikaten oder ETP-Positionen zählt in solchen Phasen weniger der Tageschart als die Frage, ob die Mittelzuflüsse anhalten – und die sprechen bislang eine andere Sprache als der Kurs.

Bitcoin: 83.000 Dollar als Schwelle zum „offiziellen“ Bullenmarkt

Bitcoin hat sich in dieser Woche kräftig erholt und notiert aktuell bei rund 78.000 Dollar, nachdem der Kurs zeitweise über 81.000 Dollar gestiegen war. Analysten von CryptoQuant sehen darin die Frühphase eines neuen Bullenmarkts, verweisen aber auf eine harte Marke: Erst ein Schlusskurs oberhalb des gleitenden 365-Tage-Durchschnitts von derzeit rund 83.000 Dollar gilt als offizielle Bestätigung. Zwei konkrete Treiber stehen hinter der Rally: Das US-Finanzministerium verdoppelt sein Programm zum Rückkauf langlaufender Staatsanleihen ab dem 9. September auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation, und Äußerungen von Präsident Trump nähren Spekulationen, dass die US-Regierung selbst Bitcoin kaufen könnte. Für Anleger heißt das: Der Kurs bewegt sich zwischen einem konkreten technischen Widerstand bei 83.000 Dollar und zwei potenziell marktbewegenden politischen Weichenstellungen. Wer auf die Bestätigung des Trends wartet, hat mit dieser Marke einen klaren Referenzpunkt.

Uber und Bolt: Kenia zieht die regulatorische Schraube an

Ab dem 20. September gelten in Kenia neue Vorschriften für Kurierdienste auf Plattformen wie Uber und Bolt: Absender und Empfänger müssen verifiziert, der Paketinhalt deklariert werden, und Behörden wie die Steuerbehörde KRA sowie die Polizei erhalten bei Bedarf Zugriff auf diese Daten. Hinzu kommt eine Lizenzgebühr von 100.000 Kenia-Schilling zzgl. 0,4 Prozent des Jahresumsatzes. Die Uber-Aktie selbst reagiert davon unbeeindruckt: Sie bewegt sich seitwärts bei rund 68 Euro, nach einem Plus von 14 Prozent in den vergangenen 30 Handelstagen und deutlich über dem Juli-Tief von 57,51 Euro. Für Anleger ist die Kenia-Regel weniger eine kurzfristige Kursfrage als ein Frühwarnsignal: Je stärker Uber sein Liefergeschäft in Wachstumsmärkten wie Afrika ausbaut, desto mehr regulatorischer Flickenteppich – mit Compliance-Kosten und Datenschutzrisiken – entsteht, lange bevor das in der Bilanz sichtbar wird.

Blick nach vorn

Der Donnerstag bringt mehrere Termine mit direktem Marktbezug: Die Bank of Korea entscheidet über ihren Leitzins, Markterwartung 3,00 Prozent nach zuvor 2,75 Prozent – nach einem Kospi-Plus von rund 110 Prozent binnen Jahresfrist ein möglicher Belastungstest für koreanische Tech- und Chipwerte. Delivery Hero legt sein Trading Update zum zweiten Quartal vor, und aus den USA werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erwartet, Konsens 208.000.

Der globale Kompass

Drei Signale, die heute mehr über Kapitalflüsse verraten als jede Chip-Schlagzeile: Stahl und Zement holen nach Monaten der Schwäche auf, ETF-Zuflüsse bei XRP widersprechen dem Spotkurs, und Bitcoin hat mit 83.000 Dollar eine Zahl bekommen, an der sich der nächste Trend beweisen muss. Wer nur auf Nvidia schaut, verpasst, wo das Geld tatsächlich hinfließt.

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