700 Milliarden für KI, 15 Billionen für Schulden — wer hier wen finanziert

Staatsausgaben dominieren die Geldpolitik. Trotz steigender Zinsen fließen Milliarden in Wirtschaft und KI-Infrastruktur.

Die Kernpunkte:
  • Fiskalpolitik dominiert globale Geldpolitik
  • Big Tech emittiert Fremdwährungsanleihen
  • Cerebras IPO 20-fach überzeichnet
  • Rüstungsaktien setzen Korrektur fort

Liebe Leserinnen und Leser,

heute Morgen schrieb ich über drei Datenpunkte, die diese Woche die Richtung vorgeben. Der erste — die US-Inflationszahlen am Dienstag — steht noch aus. Doch der Montag hat bereits eine andere, grundlegendere Frage aufgeworfen: Was passiert, wenn Staaten so viel Geld ausgeben, dass die Notenbanken mit ihrer Zinspolitik nicht mehr dagegen ankommen?

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Der DAX schloss am Montag bei 24.350,28 Punkten, ein Plus von 0,05 Prozent. Stillstand auf der Anzeigetafel. Doch darunter arbeiten Kräfte, die weit über den deutschen Leitindex hinausreichen. Invesco bringt es in einer aktuellen Analyse auf den Punkt: Die Märkte trotzen geopolitischen Risiken nicht trotz, sondern wegen der Fiskalpolitik. Industriepolitik, Infrastrukturprogramme, Verteidigungsausgaben — die staatlichen Milliarden fließen so zuverlässig, dass der S&P 500 mittlerweile das sechste Quartal in Folge zweistelliges Gewinnwachstum verbucht. Die Notenbanken heben die Zinsen, die Regierungen drücken das Geld trotzdem in die Wirtschaft. Einer von beiden wird am Ende nachgeben müssen.

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Wenn der Staat die Zentralbank überstimmt

Wie weit diese Spannung reichen kann, zeigte am Montag ein Beispiel, das selten in europäischen Wirtschaftsnachrichten auftaucht: Nigeria. Die Zentralbank des Landes warnte öffentlich, dass unkoordinierte Staatsausgaben den Übergang zu einer inflationszielorientierten Geldpolitik massiv untergraben. Allein der Schuldendienst im nigerianischen Bundeshaushalt 2026 verschlingt über 15 Billionen Naira. Das klingt exotisch — aber das Muster ist global.

Auch in den Industrienationen wächst der Druck. Eine Umfrage der Bank of Canada zeigt, dass 82 Prozent der Befragten geopolitische Risiken als größte Bedrohung für die Wirtschaft einstufen. Die politische Antwort darauf sind nicht Sparmaßnahmen, sondern mehr Ausgaben: Rüstung, Infrastruktur, Subventionen. Das Ergebnis ist eine Welt, in der Fiskalpolitik die Geldpolitik dominiert — und in der Zinserhöhungen an Wirkung verlieren, weil die Staaten gleichzeitig die Nachfrage anheizen.

Big Tech leiht sich Yen und Franken

Wer verstehen will, wie groß der Kapitalbedarf für den nächsten Technologiezyklus ist, muss nicht auf Quartalszahlen warten. Er muss auf die Anleihemärkte schauen. Alphabet bereitet seine erste Yen-denominierte Anleihe vor. Amazon plant sein Debüt mit einer Emission in Schweizer Franken. Die Konzerne weichen auf ausländische Schuldenmärkte aus, um die Investitionen in Künstliche Intelligenz zu stemmen — Investitionen, die 2026 auf über 700 Milliarden US-Dollar ansteigen sollen, nach 410 Milliarden im Vorjahr.

Parallel drängt mit Cerebras Systems ein Unternehmen an die Börse, das diesen Boom verkörpert. Das IPO wurde auf 30 Millionen Aktien aufgestockt, die Preisspanne liegt bei 150 bis 160 US-Dollar, die angestrebte Bewertung bei 48,8 Milliarden US-Dollar auf vollständig verwässerter Basis. Die Emission ist 20-fach überzeichnet. Ein Vertrag mit OpenAI im Volumen von über 20 Milliarden US-Dollar und ein Umsatzsprung auf 510 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 erklären die Nachfrage. Der KI-Ausbau ist längst kein Versprechen mehr. Er ist eine Bilanzposition.

Rüstung unter Druck, Lufthansa bestellt, Delivery Hero springt

Am deutschen Markt spielte die Musik am Montag in den Einzelwerten. Rüstungsaktien setzten ihre Korrektur fort: Rheinmetall verlor 2,69 Prozent, TKMS gab 3,3 Prozent ab. Hoffnungen auf einen temporären Waffenstillstand in der Ukraine und Diskussionen um das Bundeswehr-Sondervermögen drückten auf die Kurse.

Auf der Käuferseite stand die Lufthansa mit einer Bestellung von 20 Langstreckenflugzeugen — 10 Airbus A350-900 und 10 Boeing 787-9, Listenpreis 7,7 Milliarden US-Dollar. Delivery Hero verzeichnete einen Kurssprung von rund 10 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass Prosus einen Anteil von 5 Prozent für 335 Millionen Euro an Aspex Management veräußert hat — 22,00 Euro je Aktie. Der MDAX schloss bei 31.448,76 Punkten, ein Plus von 0,86 Prozent.

Öl springt, Bitcoin hält sich

Für die kurzfristigen Ausschläge sorgte am Montag die Geopolitik. US-Präsident Donald Trump lehnte den iranischen Friedensvorschlag als „völlig inakzeptabel“ ab. Brent-Rohöl reagierte mit einem Sprung von über 4 Prozent auf knapp 106 US-Dollar pro Barrel.

Bitcoin hielt sich zuletzt stabil bei rund 81.000 US-Dollar. ETF-Abflüsse von 268,46 Millionen US-Dollar beendeten zwar eine neuntägige Zuflussserie von insgesamt 2,7 Milliarden US-Dollar. Doch die geopolitischen Spannungen stützen weiterhin die Nachfrage nach der Kryptowährung als Absicherung.

Was diese Woche entscheidet

Am Dienstag werden die US-Verbraucherpreise veröffentlicht — die erste der drei Zahlen, die ich zu Wochenbeginn als richtungsweisend benannt habe. Es folgen Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze. Dazu steht das Treffen zwischen Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping an, das den Ton für den globalen Handel in den kommenden Wochen setzen dürfte.

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Die eigentliche Frage dieser Woche ist aber nicht, ob die Inflation um ein paar Zehntel höher oder niedriger ausfällt. Sie lautet: Wie lange können Staaten gleichzeitig Billionen ausgeben und von ihren Notenbanken erwarten, die Preise stabil zu halten? Der S&P 500 beantwortet diese Frage seit sechs Quartalen mit steigenden Gewinnen. Ob das eine Antwort ist oder nur ein Aufschub, wird sich zeigen.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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