ABB Aktie: 5,5 Milliarden für Rotork angekündigt

ABB kündigt mit Rotork-Übernahme den größten Deal der Firmengeschichte an und legt zugleich starke Q2-Zahlen vor. Der Aktienkurs gibt trotzdem nach.

Die Kernpunkte:
  • Größte Übernahme der ABB-Geschichte
  • Rekordzahlen im zweiten Quartal 2026
  • Rotork-Kaufpreis bei 5,5 Milliarden Dollar
  • Aktie verliert trotz positiver Kennzahlen

Der Industriekonzern übernimmt den britischen Stellantriebs-Hersteller Rotork für rund 5,5 Milliarden US-Dollar in bar. Gleichzeitig legte das Unternehmen Rekordzahlen für das zweite Quartal 2026 vor – der Aktienkurs reagierte dennoch mit Abgaben.

Rekordauftragseingang und höhere Marge im zweiten Quartal

Die Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 fielen kräftig aus: Der Auftragseingang kletterte auf 12,0 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent auf vergleichbarer Basis. Der Umsatz stieg um 12 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar. Das operative EBITA legte um 20 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar zu, die Marge verbesserte sich um 90 Basispunkte auf 20,2 Prozent. Der freie Cashflow erreichte 881 Millionen Dollar, die Kapitalrendite (ROCE) stieg um 390 Basispunkte auf 28,4 Prozent. Besonders stark entwickelte sich das Segment Elektrifizierung mit einem Auftragsplus von 58 Prozent, einem Umsatz von 5,2 Milliarden Dollar und einer Marge von 24,9 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,68 Dollar, ein Zuwachs von 8 Prozent. ABB hob im Zuge der Zahlen die Jahresprognose an und stellt für 2026 ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen bis niedrigen Teenager-Bereich sowie eine weitere Margenverbesserung in Aussicht.

Rotork soll Automatisierungssparte stärken

Im Zentrum der Nachrichtenlage steht jedoch die Übernahme von Rotork. ABB bietet den Rotork-Aktionären 503 Pence je Aktie in bar, zuzüglich einer möglichen Zwischendividende von bis zu 3 Pence. Das entspricht einer Prämie von rund 60 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate und laut der offiziellen ABB-Ankündigung 73 Prozent auf den Schlusskurs vom 15. Juli 2026. Der Unternehmenswert des Deals beträgt rund 5,5 Milliarden Dollar, das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz liegt bei 5,3, zum EBITDA bei 19,5 – bezogen auf den Rotork-Umsatz von 777 Millionen britischen Pfund im Geschäftsjahr 2025 bei einer bereinigten operativen Marge von 24,6 Prozent. Der Rotork-Verwaltungsrat empfiehlt die Offerte einstimmig, Direktoren mit rund 0,017 Prozent der Anteile haben sich unwiderruflich zur Annahme verpflichtet. Der Abschluss wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet.

Rotork entwickelt elektrische Stellantriebe und Systeme zur Durchflussregelung für Öl-, Gas- und Chemieindustrie und soll nach Vollzug als eigenständige Division innerhalb der ABB-Automatisierungssparte weitergeführt werden. Das Geschäft profitiert nach Einschätzung von Beobachtern von der wachsenden Nachfrage aus dem Rechenzentrums-Markt. ABB rechnet mit einem Umsatzbeitrag von rund 3 Prozent auf Konzernebene beziehungsweise rund 12 Prozent auf die Automatisierungssparte. Finanziert werden soll der Kauf aus vorhandenen Barmitteln von rund 5,8 Milliarden Dollar sowie erwarteten Erlösen von etwa 4,8 Milliarden Dollar aus dem Verkauf der Robotik-Sparte. Die Nettoverschuldung des Konzerns lag zuletzt bei 2,3 Milliarden Dollar, das Verhältnis zum EBITDA bei 0,3.

Konkurrenzdruck auf Siemens Energy, Analysten bleiben zuversichtlich

Die Übernahme sorgt auch bei Wettbewerbern für Bewegung: Siemens Energy verlor am selben Handelstag rund 3 Prozent und rutschte unter die Marke von 150 Euro, da ABB mit dem Zukauf im wichtigen Rechenzentrums-Markt Boden gutmacht. Der DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky bekräftigte unterdessen seine Kaufempfehlung für ABB.

An der Börse kam die Kombination aus Rekordzahlen und Milliardenübernahme dennoch nicht durchweg gut an. Die Aktie notiert aktuell bei 84,06 Euro und büßte damit binnen sieben Tagen 7,38 Prozent ein. Zum 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro, erreicht am 22. Juni 2026, beträgt der Abstand mittlerweile 12,76 Prozent. Anleger bewerten offenbar die hohe Übernahmeprämie und den bar zu stemmenden Kaufpreis kritischer als die operative Stärke des Quartals.

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