ABB Aktie: Advantics-Übernahme angekündigt

ABB treibt mit dem Ability-Portfolio die Digitalisierung in der Industrie voran und meldet neue Kunden sowie Produkte. Die Aktie konsolidiert nach starkem Jahresverlauf.

Die Kernpunkte:
  • Mehr als 180 digitale Dienste unter ABB Ability
  • 70 Millionen vernetzte Geräte als Basis
  • Smart Sensor senkt Ausfallzeiten drastisch
  • Aktie erholt sich leicht nach Kursrückgang

ABB stellt sein digitales Angebot in den Vordergrund: Unter der Marke ABB Ability bündelt der Industriekonzern mittlerweile mehr als 180 digitale Lösungen und Services, die Domänenwissen aus der Automatisierungs- und Elektrotechnik mit Internet-of-Things-Anwendungen und Cloud-Technologie verbinden. Zu den Kunden zählen nach Unternehmensangaben Konzerne wie Shell, BASF, BMW und Volvo. Für die Cloud-Infrastruktur kooperiert ABB mit Microsoft Azure.

Millionen vernetzter Geräte als Basis

CEO Ulrich Spiesshofer beziffert die installierte Basis auf über 70 Millionen vernetzte Geräte und rund 70.000 Kontrollsysteme, auf denen das Ability-Portfolio aufsetzt. Neu hinzugekommen sind unter anderem System 800xA Select I/O, das Asset Health Centre 3.0, die Plattform Collaborative Operations sowie Digital-Substation-Lösungen für vernetzte Umspannwerke. Damit positioniert sich ABB als Anbieter, der klassische Industrieausrüstung zunehmend mit Datenanalyse und vorausschauender Wartung verknüpft.

Besonders hervorgehoben wird der Smart Sensor für Elektromotoren: Er soll Ausfallzeiten um bis zu 70 Prozent reduzieren, die Lebensdauer der Motoren um 30 Prozent verlängern und den Energieverbrauch um 10 Prozent senken. Solche Effizienzversprechen treffen einen Markt, der laut einer aktuellen Branchenanalyse zum Bereich intelligenter Industrielösungen von 12 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 30 Milliarden US-Dollar bis 2034 wachsen soll – ein jährliches Wachstum von 10,7 Prozent. Als Treiber gelten IoT- und KI-Adoption sowie vorausschauende Analytik, die Ausfallzeiten in Fertigungsanlagen laut dem Bericht um bis zu 25 Prozent verringern kann. Neben ABB werden dort auch Siemens, GE, Honeywell und Schneider Electric als wichtige Anbieter genannt.

Ergänzt wird die Digitalstrategie durch punktuelle Zukäufe: ABB hat die Übernahme von Advantics angekündigt, einem Spezialisten für Siliziumkarbid-basierte Stromumwandlung. Solche Technologien gelten als Baustein für effizientere Leistungselektronik, etwa in Antrieben und Netzanwendungen.

Aktie konsolidiert nach starkem Lauf

An der Börse hat der Kurs zuletzt etwas Federn gelassen. Am Freitag schloss die ABB-Aktie bei 86,40 Euro und legte damit um 1,72 Prozent zu. Die kurzfristige Erholung ändert wenig am übergeordneten Bild: Seit dem 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro, erreicht Ende Juni, notiert das Papier gut zehn Prozent tiefer. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz dennoch deutlich positiv – seit Jahresbeginn steht ein Plus von 35,47 Prozent zu Buche.

Die jüngste Konsolidierung fällt in eine Phase, in der ABB sein digitales Geschäft und ergänzende Übernahmen wie Advantics vorantreibt, während der breitere Markt für intelligente Industrielösungen laut Branchenprognosen strukturell wächst. Ob sich dieses Wachstumsversprechen in den kommenden Quartalszahlen niederschlägt, dürfte für die weitere Kursentwicklung mitentscheidend sein. Anleger blicken dabei besonders auf die Frage, wie schnell sich das Ability-Portfolio und die Sensorik-Technologien in wiederkehrende Softwareerlöse übersetzen lassen – ein Bereich, in dem Industriekonzerne zunehmend mit reinen Technologieanbietern konkurrieren.

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