ABB Aktie: Rekordaufträge, Gewinnlücke
Starke Bestellungen und höheres operatives EBITA stehen einem niedrigeren Nettogewinn durch einen Bewertungseffekt gegenüber.

- Auftragseingang steigt um 40 Prozent
- Rechenzentrumsbestellungen etwa verdreifacht
- Rotork-Bewertung belastet Finanzergebnis mit 115 Millionen Dollar
- ABB plant 51-Prozent-Anteil am Mitsubishi-Joint-Venture
Rekordaufträge, aber ein Gewinn je Aktie, der die Erwartungen klar verfehlt: ABB legt für das dritte Quartal ein gemischtes Zahlenwerk vor. Der Grund für die Lücke liegt weniger im operativen Geschäft als in einem Bewertungseffekt rund um die Rotork-Übernahme.
Rechenzentren treiben die Aufträge
Der Auftragseingang stieg um 40 Prozent auf 12,06 Milliarden Dollar, ein Rekordwert. Im Geschäft mit Rechenzentren verdreifachten sich die Bestellungen ungefähr. Besonders stark lief die Elektrifizierung mit einem Plus von 70 Prozent, regional führten die USA mit einem Zuwachs von 82 Prozent.
Das Book-to-Bill-Verhältnis erreichte 1,24, der Auftragsbestand wuchs auf gut 32 Milliarden Dollar. Der Umsatz legte um 14 Prozent auf 9,70 Milliarden Dollar zu und lag damit knapp unter der Konsensschätzung.
Operativ stark, unter dem Strich schwächer
Das operative EBITA kletterte um 24 Prozent auf 2,03 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartungen von rund 2 Milliarden. Die Marge verbesserte sich auf 20,8 Prozent, erwartet worden waren 20,5 Prozent.
Der Nettogewinn sank dagegen um 2 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 1,42 Milliarden gerechnet. Auch der Gewinn je Aktie von 0,65 Dollar blieb deutlich unter den erwarteten 0,79 Dollar. Ursache ist eine nicht zahlungswirksame Neubewertung einer Währungsabsicherung für die geplante Rotork-Übernahme, die das Finanzergebnis mit etwa 115 Millionen Dollar belastete.
Der freie Cashflow stieg leicht auf 1,58 Milliarden Dollar. Seit Jahresbeginn liegt er bei 3,7 Milliarden Dollar, das Management sieht sich damit auf Kurs, den Vorjahreswert von 4,6 Milliarden zu übertreffen.
Japan-Zukauf und Kapazitäten
Parallel kündigte ABB an, einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Niederspannungs-Verteilsparte von Mitsubishi Electric zu übernehmen. Die Gesamtgegenleistung liegt bei rund 495 Millionen Dollar, eine Option auf die vollständige Übernahme in der mittleren Frist ist vorgesehen. Binnen fünf Jahren soll die operative EBITA-Marge des Joint Ventures auf mindestens 20 Prozent steigen.
Die Kapazitäten baut der Konzern schrittweise aus. Die Investitionen von rund einer Milliarde Dollar sollen mittelfristig nicht weiter steigen. Zudem kaufte ABB im Quartal eigene Aktien für etwa 565 Millionen Dollar zurück, im Rahmen eines Programms von bis zu 2 Milliarden Dollar.
Ausblick
Für das vierte Quartal erwartet ABB ein Umsatzwachstum ähnlich dem dritten Quartal. Die operative EBITA-Marge soll sequenziell nachgeben, jedoch weniger als saisonüblich. Dabei sind rund 240 Millionen Franken aus bereits abgeschlossenen Immobilienverkäufen noch nicht eingerechnet.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt der Konzern ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich an. Die berichtete operative EBITA-Marge soll um mindestens 270 Basispunkte steigen.
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