ABB Aktie: Wierod warnt vor EU-Bürokratie

ABB-Chef Wierod kritisiert mangelnde Reformbereitschaft in Europa, während der Konzern von Rekordaufträgen profitiert. Die Aktie korrigiert leicht.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt um 1,78 Prozent
  • CEO kritisiert EU-Deregulierungstempo
  • Rekordauftragsbestand treibt Geschäft
  • Charttechnisch 50-Tage-Linie im Fokus

Der Schweizer Technologiekonzern ABB hat die Handelswoche mit leichten Verlusten beendet. Die Aktie fiel am Freitag um 1,78 Prozent auf 88,50 Euro. Der Rücksetzer kommt nach einem Lauf: Anfang Juni markierte der Titel mit 94,42 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 40 Prozent zu Buche, auf Jahressicht sogar 74 Prozent.

Doch die Kursbewegung ist nicht das Hauptthema dieser Woche.

CEO Wierod warnt vor europäischer Bürokratie

Konzernchef Morten Wierod hat in einem FT-Interview deutlich gemacht, was ihn umtreibt: Europas schleppende Deregulierung. Der Manager kritisierte den mangelnden „Sinn für Dringlichkeit“ bei den Gesetzgebern. Ohne entschlossene Reformen drohe Europa eine ernsthafte Krise – bis hin zu massiver Arbeitslosigkeit.

Besonders brisant: Wierod warnt vor neuen EU-Richtlinien, die die Abhängigkeit von ausländischer Technologie reduzieren sollen. Strikte „Made in Europe“-Standards könnten die Kosten für die Industrie signifikant erhöhen. ABB setzt dagegen auf Freihandel. Ein heikler Balanceakt für einen Konzern, der stark von globalen Lieferketten profitiert.

Rekordaufträge treiben das Geschäft

Die operative Realität sieht anders aus als die politischen Sorgen. ABB sitzt auf einem Rekordauftragsbestand. Vor allem das Geschäft mit Rechenzentren und der Modernisierung von Stromnetzen brummt.

Im ersten Quartal 2026 übertraf der Konzern die Markterwartungen deutlich. Die Folge: Das Management hob die Jahresziele an. Die Kurskorrektur der vergangenen Tage zeigt aber: Anleger fragen sich, ob das hohe Bewertungsniveau – ABB wird teurer gehandelt als viele Wettbewerber – angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten in Europa haltbar ist.

Die entscheidenden Marken

Charttechnisch rückt nun der Bereich um den 50-Tage-Durchschnitt in den Fokus. Dieser liegt bei 85,97 Euro. Verteidigt die Aktie diese Marke, bleibt der Aufwärtstrend intakt.

Der RSI liegt mit 49,0 Punkten im neutralen Bereich. Die Aktie ist weder überkauft noch überverkauft. Ein gutes Zeichen für die kommenden Wochen.

Der nächste große Termin: die Quartalszahlen im Juli 2026. Bis dahin entscheiden vor allem Konjunkturdaten aus der Eurozone und Signale zur Zinspolitik über die Richtung. Wierods strategische Neuausrichtung hin zu margenstarken Software- und Automatisierungslösungen bleibt der zentrale Hebel – für Anleger mit langem Atem.

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