ABB: Neue Großaufträge – Schafft die Aktie die Kehrtwende?

Die Schweizer ABB ist bekannt für ihre Elektro- und Automatisierungstechnik. Zum Kundenkreis gehören Unternehmen aus den verschiedensten Branchen wie beispielsweise der Pharma-, Chemie- und Metallindustrie. Aber auch für die Schiffs- und Automobilbranche liefert der Konzern verschiedenste Systeme.

 

© ABB
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Auch der Markt der erneuerbaren Energien wird von ABB in seinem Portfolio berücksichtigt. Hier übernahm der Konzern die Power-One Inc., ein Anbieter von Stromwandlern für die Photovoltaikindustrie.

 

ABB mit guter Auftragslage

Die Auftragsbücher sind anscheinend bei ABB gut gefüllt. Kürzlich zog man einen neuen Großauftrag für die Errichtung einer Stromverbindung zwischen Großbritannien und Norwegen an Land.

Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 450 Mio. Dollar. ABB soll im Rahmen dieses Auftrages an der Nordseeküste beide Basisstationen für eine Gleichstrom-Hochspannungsleitung errichten. Insgesamt soll diese Unterwasserverbindung über 730 km im Jahr 2021 in Betrieb genommen werden.

Anfang dieses Monats wurde weiterhin ein Auftrag über 52 Mio. Dollar erteilt. Mit seinen Robotern soll ABB dabei in der neuen Ford-Fabrik in China die Fertigungsflexibilität steigern. Unter anderem kommt dabei ein System zum Einsatz, welches bis zu sechs verschiedenen Modelle an einer Produktionslinie bearbeiten kann. Die Umrüstung auf ein anderes Modell dauert dabei nur ganze 18 Sekunden.

 

Nachfrage in der Wüste steigt

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ABB gefragt. Für 85 Mio. Dollar soll der Konzern hier für die Verbesserung der Energie- und Wasserversorgung in Katar sorgen. Dafür liefern die Schweizer schlüsselfertige Unterstationen. Damit soll die erzeugte Elektrizität aus einer neuen Wasser- und Kraftwerksanlage in das Stromnetz eingespeist werden.

In Dubai soll ABB für ca. 20 Mio. Dollar ein Unterwerk erweitern, um so noch mehr Solarenergie in das Stromnetz einzuspeisen.

 

ABB: Opfer des Ölpreises

Insgesamt hat ABB jedoch harte Zeiten hinter sich bringen müssen. Der Konzern leidet unter den Folgen des niedrigen Ölpreises. Dadurch musste das Öl- und Gasgeschäft einige Rückschläge hinnehmen.

Bedingt durch den rückläufigen Ölpreis verzeichnen die Ölfirmen sinkende Einnahmen. In der Folge fahren sie ihre Investitionen in neue Technik zurück, auch die Erschließung von Schiefergas und –öl rechnet sich für viele Unternehmen nicht mehr.

ABB reagierte auf diese Flaute mit einem harten Sparkurs. Kostensenkungen und Restrukturierungen stehen damit auf dem Programm, ebenso ein Stellenabbau. Hier gab man jedoch keine detaillierten Zahlen bekannt.

Im Auftaktquartal konnte ABB zwar noch einen Überschuss erzielen, jedoch nur, weil die Kostenbremse bereits angezogen wurde. Der Umsatz ging auf 8,56 Mrd. Dollar zurück, während der Nettogewinn um 4% auf 564 Mio. Dollar zulegen konnte.

 

Vorsichtiger Optimismus

Die Aussichten des Vorstandes bleiben jedoch vorsichtig und wurden nicht konkret. Allerdings hält die Konzernführung an ihrem Ziel fest, bis zum Jahr 2020 den Gewinn je Aktie um 15% steigern zu wollen. Gleichzeitig soll der Umsatz um durchschnittlich 4 bis 7% anziehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will ABB auch die Sparte Energietechnik neu aufstellen. Die Sparte war über einige Zeit das Sorgenkind des Konzerns. In der Folge dieser Neuausrichtung verkaufte man nun die Kabelfabrik in Huntersville in den USA an die nordamerikanische Southwire Company. Im 3. Quartal dieses Jahres soll dieser Deal abgeschlossen sein.

Finanzielle Einzelheiten gab ABB hierzu nicht bekannt, jedoch werden beide Unternehmen ihre Geschäftsbeziehung weiter fortführen.

 

Aktie von ABB weiter rückläufig

Die Aktie liefert derweil kein entspanntes Bild. Zuletzt konnte der Kurs Anfang Juni anziehen und ein neues Jahreshoch bei 20,94 Euro erreichen. Hier reagierte der Markt positiv auf den neuen schwedischen Finanzinvestor Cevian. Dieser hatte eine Beteiligung von mehr als 3% an ABB erworben.

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Der Effekt hielt jedoch nicht an und danach verlor die Aktie kontinuierlich weiter bis zu einer Bodenbildung bei 18,21 Euro. Nach einer kurzen Erholung setzte sich dieser Trend heute fort und die Aktie verlor bisher weitere 2,02%. Dazu passend beließen auch die Analysten von Goldman Sachs ihre Einstufung auf Verkaufen. Hier seht man ein weiter rückläufiges Wachstum in den USA und China, wobei auf für Europa keine Trendwende in Aussicht steht.

 

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