Abbott: 100-Millionen-Zahlung an Freenome
Abbott treibt mit neuem Darmkrebs-Bluttest und Herzklappen-Studie das Wachstum voran und hebt nach starkem Quartal die Jahresprognose an.

- Exklusive US-Rechte für SimpleScreen CRC
- Start der großen TriClip-Langzeitstudie
- Umsatzplus von 13 Prozent im zweiten Quartal
- Prognose für bereinigten Gewinn je Aktie erhöht
Abbott Laboratories baut seine Marktposition durch eine Doppelstrategie aus klinischer Forschung und strategischen Partnerschaften massiv aus. Das Unternehmen treibt sowohl die Evaluierung seiner Herzklappentechnologien voran als auch die Expansion im Bereich der Krebsfrüherkennung. Flankiert werden diese operativen Fortschritte von starken Geschäftszahlen für das zweite Quartal und einer Anhebung der Gewinnprognose für das Gesamtjahr.
Exklusive Rechte für neuen Darmkrebs-Bluttest
Ein zentraler Baustein der Wachstumsstrategie ist die exklusive US-Vermarktung des blutbasierten Screening-Tests SimpleScreen CRC. Nach der Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Abbott die Rechte von dem Unternehmen Freenome erworben. Die Vereinbarung sieht vor, dass Abbott im Herbst 2026 mit der Markteinführung beginnt. Für die exklusiven Rechte leistet der Konzern eine Meilensteinzahlung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an Freenome.
Der Test nutzt künstliche Intelligenz und die Analyse von zellfreier DNA, um Anzeichen für Darmkrebs bei Erwachsenen ab 45 Jahren mit durchschnittlichem Risiko zu erkennen. Laut klinischen Daten weist das Verfahren eine Sensitivität von 81,1 Prozent für Krebserkrankungen auf, während die Spezifität bei 90,4 Prozent liegt. Bei fortgeschrittenen Krebsvorstufen liegt die Erkennungsrate allerdings nur bei 13,7 Prozent. Abbott integriert dieses neue Diagnostik-Tool in sein bestehendes Onkologie-Portfolio, das bereits durch die im März abgeschlossene Übernahme von Exact Sciences und deren Produkt Cologuard gestärkt wurde. Die Akquisition des Spezialisten für Krebsfrüherkennung hatte ein Volumen von rund 23 Milliarden US-Dollar.
Klinische Langzeitdaten für TriClip-Herzklappensystem
Parallel zur Expansion in der Diagnostik investiert das Unternehmen in die klinische Validierung seines Medizintechnik-Portfolios. Abbott startete die großangelegte „TREAT TR“-Studie für das TriClip-System. Dabei handelt es sich um eine Technologie zur minimalinvasiven Reparatur der Trikuspidalklappe am Herzen mittels Katheter (TEER). Der erste Patient wurde am Hospital Clínic de Barcelona in die Studie aufgenommen.
Die Untersuchung ist auf rund 1.000 Patienten in bis zu 100 Zentren in den USA, Kanada und Europa ausgelegt. Ziel ist es, Langzeitdaten über einen Zeitraum von fünf Jahren zu sammeln, um die Sicherheit und Wirksamkeit des Systems im medizinischen Alltag zu bestätigen. Primäre Endpunkte der Studie sind neben der Sicherheit die Reduktion des Schweregrads der Trikuspidalinsuffizienz sowie Verbesserungen des allgemeinen Gesundheitszustands. In einer Substudie mit 250 Teilnehmern wird zudem das kardiale Remodeling über zwölf Monate untersucht. Abbott reagiert mit dieser Initiative auf den wachsenden Wettbewerbsdruck: Konkurrent Edwards Lifesciences plant den US-Marktstart seines Konkurrenzsystems Pascal für das vierte Quartal 2026.
Starke Quartalsbilanz führt zu Prognoseanhebung
Die operative Dynamik spiegelt sich in den jüngsten Finanzdaten wider. Abbott meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 12,59 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders die Sparten Medizintechnik und Diagnostik erwiesen sich als Wachstumstreiber. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (EPS) lag mit 1,31 US-Dollar über den Markterwartungen von 1,28 US-Dollar.
Auf Basis dieser Ergebnisse hob die Unternehmensleitung die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an. Das Management erwartet nun ein bereinigtes EPS in einer Spanne von 5,45 bis 5,60 US-Dollar. Zuvor war das Unternehmen von einem Korridor zwischen 5,38 und 5,58 US-Dollar ausgegangen. Am Aktienmarkt sorgten diese Nachrichten für eine positive Reaktion: Das Papier verzeichnet heute ein Plus von 0,72 Prozent auf 95,02 Euro. Damit setzt sich die jüngste Erholung fort, nachdem die Aktie über einen Zeitraum von 30 Tagen bereits um 19,70 Prozent zulegen konnte. Durch diesen Kursanstieg notiert der Wert nun wieder etwa 2,32 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.
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