ABO Energy: Entscheidungstag in Wiesbaden

Die Anleihegläubiger von ABO Energy stimmen über eine Restrukturierung ab, um dem Unternehmen nach einem Rekordverlust von 170 Millionen Euro eine Sanierung zu ermöglichen.

Die Kernpunkte:
  • Zweite Abstimmung mit gesenktem Quorum von 25 Prozent
  • Historischer Verlust nach gescheiterten Wind-Auktionen
  • Aktienkurs verlor über 90 Prozent vom Höchststand
  • Solargeschäft zeigt positive Signale mit neuen Zuschlägen

Die zweite Chance: Nachdem der erste Versuch im Februar an mangelnder Beteiligung scheiterte, entscheiden die Anleihegläubiger heute über die Zukunft von ABO Energy. Das Unternehmen kämpft mit einem historischen Verlust von 170 Millionen Euro – dem ersten Minus in fast 30 Jahren Firmengeschichte. Die Hürde für eine Einigung wurde diesmal deutlich gesenkt.

Niedrigeres Quorum als letzte Hoffnung

Bei der ersten Abstimmung ohne Versammlung im Februar erreichten die Beschlussvorschläge zwar die notwendige Stimmenmehrheit, doch nur 38 Prozent des ausstehenden Kapitals beteiligten sich – zu wenig für das erforderliche Quorum von 50 Prozent. Für den heutigen zweiten Anlauf in Wiesbaden reichen nun 25 Prozent der Anleihegläubiger.

Die geplanten Änderungen der Anleihe 2024/2029 haben weitreichende Konsequenzen: Die Negativverpflichtung soll aufgehoben werden, um neue Kredite und Bürgschaften für das operative Geschäft zu ermöglichen. Kündigungsrechte der Gläubiger bei Umschuldungsverhandlungen entfallen komplett, weitere werden bis Ende Mai ausgesetzt. Ein gemeinsamer Vertreter soll die Interessen der Anleihegläubiger bündeln.

Vom Prognose-Optimismus zum Rekordverlust

Die Dimensionen der Krise zeigen sich in den Zahlen: Im November 2025 ging die Geschäftsführung noch von 95 Millionen Euro Verlust aus. Nur zwei Monate später, am 15. Januar 2026, folgte die nächste Korrektur auf 170 Millionen Euro bei einer Konzerngesamtleistung von 230 Millionen Euro.

Hauptverantwortlich sind überzeichnete Wind-an-Land-Auktionen in Deutschland, die zu drastisch reduzierten Einspeisevergütungen führten. Hinzu kommen Wertberichtigungen auf Projekte sowie Probleme in Spanien, Finnland, Griechenland und Ungarn. Projektverschiebungen ins laufende Jahr verschärften die Lage zusätzlich.

Der Kapitalmarkt reagierte brutal: Die Anleihe 2024 notiert bei etwa 16 Prozent des Nennwerts. Die Aktie stürzte vom 52-Wochen-Hoch bei 45,20 Euro im Juli 2025 auf ein Tief von 4,25 Euro im Februar – ein Minus von über 90 Prozent.

Operatives Geschäft zeigt Lebenszeichen

Parallel zur Restrukturierung meldet ABO Energy Erfolge im Solargeschäft: In der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur erhielt das Unternehmen Zuschläge für drei Projekte mit zusammen 50 Megawatt. Die Parks in Schlangenbad, Ober-Olm und Schieder-Schwalenberg sollen ab Herbst gebaut und 2027 mit Batteriespeichern ausgestattet werden. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 5,00 Cent pro Kilowattstunde.

Insgesamt konnte ABO Energy 2025 in allen drei Solar-Ausschreibungen Zuschläge für rund 107 MW erzielen. Die drei aktuellen Projekte sind Teil eines Hybrid-Portfolios mit acht Standorten, 100 MWp Solarkapazität und etwa 80 MW Batteriespeicher.

Die Geschäftsführung verweist auf die Projektpipeline von rund 30 Gigawatt an Wind-, Solar- und Batterieprojekten, wovon mehr als ein Drittel auf Deutschland und Frankreich entfällt. Das Effizienz- und Transformationsprogramm soll bereits 2026 wieder zu einem positiven Ergebnis führen. Kern der Strategie ist die Umstellung auf ein Betreibermodell als Independent Power Producer. Gespräche mit Investoren über eine Portfolio-Übernahme laufen nach Unternehmensangaben.

Was heute auf dem Spiel steht

Ein positiver Beschluss verschafft dem Management den nötigen Spielraum, um die 30-Gigawatt-Pipeline abzuarbeiten und die angepeilte Rückkehr in die Gewinnzone 2026 zu realisieren. Der Jahresabschluss 2025 folgt am 22. Juni, die Hauptversammlung am 13. August. Scheitert die Abstimmung erneut, drohen Kündigungsrechte der Gläubiger und damit das Ende der Sanierungspläne.

ABO WIND AG-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ABO WIND AG-Analyse vom 8. März liefert die Antwort:

Die neusten ABO WIND AG-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ABO WIND AG-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

ABO WIND AG: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu ABO WIND AG