ABO WIND AG Aktie: KB Renewables vollzieht Großenlüder-Kauf

ABO Energy verkauft Windpark Großenlüder und vier weitere Projekte an KB Renewables, um Liquidität zu sichern.

Die Kernpunkte:
  • Verkauf von Windpark Großenlüder abgeschlossen
  • ABO Energy kämpft mit finanziellen Problemen
  • Sanierungsgutachten bestätigt Refinanzierungsbedarf
  • Aktie bleibt trotz Projektverkäufen volatil

KB Renewables hat den Erwerb der Projektgesellschaft für den Windpark Großenlüder in Hessen sowie die Projektrechte für vier weitere geplante Anlagen von ABO Energy heute vollzogen. Der Deal reiht sich in eine Serie von Portfolio-Verkäufen ein, mit denen der frühere Wiesbadener Projektentwickler ABO Wind, der inzwischen unter dem Namen ABO Energy firmiert, seine angeschlagene Bilanz stabilisieren will.

Der Verkauf kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen unter erheblichem finanziellen Druck steht. Ende Juni hatte bereits Encavis das Repowering-Windprojekt Marpingen im Saarland mit 12 Megawatt Leistung von ABO Energy übernommen. Kurz zuvor hatte das Unternehmen Tarifzuschläge der Bundesnetzagentur für drei deutsche Windkraftprojekte mit einer Gesamtkapazität von 61,4 Megawatt erhalten – ein Etappenerfolg, der jedoch die grundlegenden finanziellen Probleme nicht löst.

Kapitalverlust und Sanierungsgutachten

Die Wurzel der aktuellen Krise liegt im Geschäftsjahr 2025. Im Januar korrigierte ABO Energy seine vorläufigen Zahlen auf einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 170 Millionen Euro, nachdem massive Wertberichtigungen auf das Projektportfolio notwendig geworden waren. Die Folgen zeigten sich formell auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Juli: Dort meldete das Unternehmen gemäß Paragraf 92 des Aktiengesetzes den Verlust der Hälfte seines Grundkapitals.

Bereits im Mai hatte das Unternehmen seine Jahresprognose für 2026 angepasst. Ein positives Konzernergebnis erwartet das Management für das laufende Geschäftsjahr nicht mehr – die Rückkehr zur Profitabilität auf EBITDA-Ebene peilt es erst für 2027 an. Parallel legte ABO Energy im Mai den Entwurf eines Sanierungsgutachtens nach dem sogenannten S6-Standard vor. Dieses bescheinigt dem Unternehmen grundsätzliche Sanierungsfähigkeit – allerdings nur unter der Bedingung, dass eine erfolgreiche Refinanzierung gelingt.

Zusätzliche Sicherheiten für Gläubiger

Um die notwendigen Finanzierungsgespräche voranzutreiben, hat ABO Energy im März die Gläubiger seiner Anleihe 2024/2029 mit der ISIN DE000A3829F5 eingebunden. Die Gläubigerversammlung stimmte mit 99 Prozent Mehrheit einer Aussetzung der Negativverpflichtung bis Ende 2026 zu. Diese Regelung soll es dem Unternehmen ermöglichen, neue Kreditlinien zu besichern – ein zentraler Baustein der laufenden Sanierung.

Auch die Gründerfamilien beteiligten sich an der Absicherung: Dr. Jochen Ahn und Matthias Bockholt verpfändeten im Mai insgesamt rund 1,9 Millionen Aktien als zusätzliche Sicherheit im Rahmen der Finanzierungsgespräche. Solche Schritte signalisieren, dass die Alteigentümer bereit sind, persönliches Vermögen einzusetzen, um das Vertrauen von Banken und Anleihegläubigern zu stärken. Die fortlaufenden Projektverkäufe – von Großenlüder über Marpingen bis zu den vier zusätzlichen Anlagen an KB Renewables – liefern dem Unternehmen währenddessen dringend benötigte Liquidität, ohne dass es auf frisches Fremdkapital angewiesen wäre.

Aktie bleibt unter Druck

Die Börse spiegelt die angespannte Lage wider. Die Aktie notiert aktuell bei 3,50 Euro und legt am heutigen Handelstag um 1,01 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht jedoch ein Rückgang von 11,84 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die jüngsten Fortschritte bei der Sanierung die grundsätzliche Unsicherheit der Anleger bislang nicht zerstreuen konnten. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 30 Millionen Euro bewertet der Markt das Unternehmen weiterhin deutlich unter dem Niveau vergangener Jahre.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite generieren die Projektverkäufe Kapital und entlasten die Bilanz kurzfristig. Auf der anderen Seite hängt die langfristige Überlebensfähigkeit von ABO Energy weiterhin an der erfolgreichen Refinanzierung, die im Sanierungsgutachten als Bedingung genannt wird. Bis diese Frage geklärt ist, dürfte die Aktie volatil bleiben – die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 60,01 Prozent unterstreicht die Nervosität am Markt.

Anzeige

ABO WIND AG-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ABO WIND AG-Analyse vom 30. Juli liefert die Antwort:

Die neusten ABO WIND AG-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ABO WIND AG-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

ABO WIND AG: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu ABO WIND AG