ABO WIND AG Aktie: Stillhaltefrist endet Freitag

Bis Freitag muss ABO Energy eine Sanierungsfinanzierung vorweisen, sonst drohen Kreditkündigungen. Die Aktie zeigt sich volatil.

Die Kernpunkte:
  • Stillhaltevereinbarung läuft am Freitag aus
  • Sanierungsgutachten bestätigt grundsätzliche Rettbarkeit
  • Berater Boston Consulting und Rothschild mandatiert
  • Projektverkäufe zur Liquiditätssicherung getätigt

Am Freitag läuft die Stillhaltevereinbarung zwischen ABO Energy und den finanzierenden Banken aus. Bis dahin muss der Windkraft- und Solarprojektierer eine tragfähige Sanierungsfinanzierung vorweisen – andernfalls drohen die Kündigung von Kreditlinien und im schlimmsten Fall die Insolvenz. Für Anleger ist der Stichtag zur entscheidenden Marke der kommenden Tage geworden.

Die Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Kurssprung von 3,64 Prozent auf 3,42 Euro. Über die vergangene Handelswoche steht damit ein Plus von gut drei Prozent zu Buche. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage relativiert die Erholung allerdings: Dort verzeichnet das Papier ein Minus von knapp 13 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt bei lediglich 32 Millionen Euro – ein Bruchteil dessen, was der Konzern noch vor der Krise auf die Waage brachte.

Sanierungsgutachten als Hoffnungsschimmer

Grundlage der Hoffnung vieler Aktionäre ist der erste Entwurf eines Sanierungsgutachtens, den ABO Energy Anfang Mai erhielt. Die Gutachter bescheinigten dem Unternehmen darin grundsätzliche Sanierungsfähigkeit – allerdings nur unter der Bedingung, dass bis Ende Juli eine Einigung mit den Finanzierungspartnern zustande kommt. Genau diese Frist rückt nun näher. Ob die Banken zustimmen, entscheidet sich in den kommenden Tagen.

Um die Verhandlungsposition zu stärken, hatte der Konzern im Juni die Boston Consulting Group für die Eigenkapitalseite sowie Rothschild & Co für die Gläubigerverhandlungen mandatiert. Beide Häuser begleiten seither die laufende Bilanzrestrukturierung. Parallel dazu verpfändeten die Gründerfamilien um Dr. Jochen Ahn und Matthias Bockholt bereits Anfang Mai rund 1,86 Millionen eigene Aktien, um bestehende Finanzierungslinien zusätzlich abzusichern – ein Signal, dass auch die Gründer persönlich Verantwortung für den Ausgang der Verhandlungen übernehmen.

Verkäufe zur Liquiditätssicherung

Um kurzfristig Kasse zu schaffen, trennte sich ABO Energy in den vergangenen Monaten von mehreren Projekten. Im April veräußerte der Konzern die Rechte an einem 63-Megawatt-Windprojekt im kanadischen New Brunswick, der Käufer wurde nicht benannt. Im Juni folgte der Verkauf eines 37,8-Megawatt-Solarportfolios in Kolumbien an die NOVVA-Gruppe. Beide Transaktionen dienten erklärtermaßen der kurzfristigen Liquiditätssicherung, nicht dem operativen Wachstum.

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, zeigte bereits die außerordentliche Hauptversammlung Anfang Juli in Wiesbaden. Dort meldete der Vorstand formell den Verlust der Hälfte des Grundkapitals gemäß Paragraf 92 Aktiengesetz – Folge massiver Wertberichtigungen und operativer Verluste. Bereits im Mai hatte das Management seine Gewinnprognose für 2026 vollständig gestrichen und ein positives Konzernergebnis für das laufende Jahr ausgeschlossen. Eine Rückkehr zur Profitabilität auf EBITDA-Basis peilt der Vorstand nun frühestens für 2027 an.

Zusätzliche Unsicherheit bringt der noch ausstehende testierte Jahresabschluss für 2025, dessen Veröffentlichung sich wegen der Sanierungssituation verzögert hat und Medienberichten zufolge erst im dritten Quartal erwartet wird. Für Anleger bleibt die Gemengelage damit unübersichtlich: Ein positives Testat und eine Einigung mit den Banken bis Freitag könnten die von den Gutachtern skizzierte Sanierungsfähigkeit bestätigen. Scheitert die Verständigung, steht die Kündigung der Kreditlinien im Raum. Die erhöhte Schwankungsbreite der Aktie in den vergangenen Wochen spiegelt genau diese Unsicherheit wider.

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