ABO WIND: Baustart Külsheim trotz Bankenkrise

ABO WIND startet Bauarbeiten im Windpark Külsheim, während die finanziellen Probleme und die Verhandlungen mit den Banken weiterhin kritisch sind.

Die Kernpunkte:
  • Baubeginn im Windpark Külsheim
  • Erwarteter Fehlbetrag von 170 Millionen Euro
  • Stillhalteabkommen mit Banken läuft aus
  • Aktienkurs fällt um über 22 Prozent

Ein neuer Windpark entsteht — und das Unternehmen dahinter kämpft ums Überleben. ABO WIND hat im Juni mit den Tiefbauarbeiten im Windpark Külsheim begonnen. Das operative Signal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Sanierungsverhandlungen mit den Banken auf der Kippe stehen.

Repowering als Beweis der Handlungsfähigkeit

Im baden-württembergischen Külsheim ersetzt ABO WIND alte Anlagen durch moderne Vestas-Turbinen. Die Nennleistung des Parks soll auf rund 21,6 Megawatt steigen. Die vollständige Inbetriebnahme plant das Unternehmen für Sommer 2027.

Der Baustart ist kein Zufall. Das Management will damit gegenüber den Finanzierungspartnern belegen, dass die Pipeline von rund 34 Gigawatt realer Substanz hat. Das Kerngeschäft läuft — trotz bilanzieller Schieflage.

Die Uhr tickt bis Ende Juli

Die finanzielle Lage ist ernst. Für 2025 erwartet ABO WIND einen Fehlbetrag von rund 170 Millionen Euro — bei einer Konzerngesamtleistung von etwa 230 Millionen Euro. Am 12. Mai teilte das Unternehmen mit, dass die Hälfte des Grundkapitals verloren ist. Eine außerordentliche Hauptversammlung wurde einberufen.

Der geprüfte Jahresabschluss für 2025 soll am 22. Juni folgen. Das Analysehaus First Berlin Equity Research hat sein Rating Anfang Juni auf „Under Review“ gesetzt — begründet mit dem noch ausstehenden Abschluss und einer Gewinnwarnung für 2026.

Das kritischste Datum: Die Stillhaltevereinbarung mit den finanzierenden Banken läuft Ende Juli aus. Eine Anschlussfinanzierung ist bislang offen. Eine Rückkehr in die Gewinnzone erwartet das Management frühestens 2027.

Aktie im freien Fall

Der Markt preist das Risiko knallhart ein. Die Aktie verlor in den vergangenen sieben Tagen über 22 Prozent und notiert aktuell bei 4,49 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen summieren sich die Verluste auf gut 27 Prozent.

Der RSI liegt bei 14,4 — technisch tief im überverkauften Bereich. Das ändert nichts an der Grundlage: Solange die Bankenfrage offen bleibt, dominiert das Finanzrisiko jeden operativen Fortschritt.

Hinzu kommt ein politischer Unsicherheitsfaktor. Die Debatte um den sogenannten Redispatch-Vorbehalt — ein Vorschlag, der Entschädigungszahlungen bei Netzengpässen für Neuanlagen stark einschränken würde — ist noch nicht entschieden. Die Energieminister der Bundesländer haben sich geschlossen dagegen gestellt. Eine vorteilhafte Lösung würde ABO WIND zusätzliche Planungssicherheit für künftige Cashflows bringen. Der 22. Juni, wenn der Jahresabschluss erscheint, wird der nächste harte Prüfstein sein.

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