Adidas Aktie: Unruhe vorprogrammiert?
Mehrere Investmentbanken haben ihre Erwartungen an Adidas gesenkt und zweifeln die Wachstums- und Margenziele für 2026 an. Die Quartalszahlen im März werden zum entscheidenden Prüfstein.

- RBC senkt Kursziel und stuft Rating herab
- Skepsis gegenüber Wachstum ohne WM-Effekt
- Angestrebte EBIT-Marge wird in Frage gestellt
- Aktie verliert deutlich gegenüber DAX und Hochs
Mehrere große Investmentbanken drehen bei Adidas den Daumen nach unten – und der Kurs reagiert spürbar. Nach deutlichen Zielsenkungen für 2026 rücken vor allem die Margenfantasie und das Wachstum ohne Fußball-WM in den Mittelpunkt. Entscheidend wird nun, ob das Management im Frühjahr harte Belege für die angepeilten Ziele liefern kann.
Adidas unter dem Schnitt
Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 42 % verloren und schloss gestern bei 146,95 Euro. Damit liegt der Titel mehr als 43 % unter dem 52‑Wochen-Hoch vom Februar 2025 und knapp über dem jüngsten Jahrestief bei 143,75 Euro – ein klarer Hinweis, dass der Markt die neuen Risiken ernst nimmt.
Auch aus technischer Sicht zeigt sich der Druck:
- Schlusskurs: 146,95 Euro
- Abstand zum 50‑Tage-Durchschnitt: ca. –10 %
- Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt: ca. –19 %
- 12‑Monats-Performance: –42,69 %
- 52‑Wochen-Hoch: 261,00 Euro
Der RSI von 41 signalisiert zwar noch keinen akuten Extrembereich, passt aber zum Bild einer angeschlagenen, aber nicht kollabierenden Trendstruktur.
RBC tritt auf die Bremse
Besonders ins Gewicht fällt die Neubewertung von RBC Capital Markets. Die Analysten stuften die Aktie von „Outperform“ auf „Sector Perform“ ab und reduzierten das 12‑Monats-Kursziel deutlich von 190 auf 160 Euro. Kern der Skepsis: Die Erwartungen für 2026 erscheinen ihnen zu ambitioniert.
RBC rechnet nur mit 7 % organischem Umsatzwachstum im Jahr 2026 – rund 4 Prozentpunkte weniger als der aktuelle Konsens. Ohne den Sonderimpuls durch die Fußball-WM 2026 würde das Wachstum demnach auf magere 3 % zusammenschmelzen. Aus Analystensicht hängt also ein guter Teil der Wachstumsstory an einem einmaligen Sportevent.
Auf der Ergebnisebene kalkuliert RBC für 2026 ein bereinigtes EBIT von 2,40 Milliarden Euro bei einer Marge von 9,3 %. Der Markt geht bislang eher von rund 10 % EBIT-Marge aus. Die Schere zwischen Konsens und RBC-Prognose ist damit klar sichtbar.
Die Folge:
- Umsatzprognose 2026 von RBC: –4 % gegenüber früher
- EBIT-Schätzung: –8 %
- Gewinn je Aktie: –10 %
Damit wird das Bewertungsfundament der Aktie spürbar abgesenkt.
Margen im Fokus
RBC sieht die Bruttomarge bei etwa 52 %. Gleichzeitig erwarten die Analysten nicht, dass die operativen Kosten langfristig deutlich unter 42–43 % des Umsatzes fallen. Aus dieser Kombination ergibt sich eine EBIT-Margenspanne von lediglich 8–11 % über den Zyklus hinweg.
Für einen Premium-Sportausrüster ist das kein Katastrophenszenario, aber weit entfernt von einer komfortablen Profitabilität, die höhere Bewertungsmultiplikatoren rechtfertigen würde. Genau hier setzt der zunehmende Bewertungsdruck an.
Weitere Häuser werden vorsichtiger
RBC steht mit der Zurückhaltung nicht allein. Auch Goldman Sachs hat das Kursziel für Adidas gekappt. Bank of America bleibt sogar bei einem „Underperform“-Rating – für einen DAX-Schwergewichtler eher ungewöhnlich. Die Botschaft: Ein schneller Bewertungsaufschlag ist aus Sicht mehrerer großer Häuser derzeit schwer zu begründen.
Gleichzeitig liegt die Aktie im Jahresverlauf und auf 12‑Monats-Sicht deutlich hinter dem DAX zurück, der im gleichen Zeitraum teils zweistellige Zuwächse verzeichnete. Der Rückstand gegenüber dem Index ist damit nicht nur optisch, sondern auch fundamental hinterlegt.
Quartalszahlen als Belastungsprobe
Die nächsten Quartalszahlen am 4. März 2026 werden damit zum entscheidenden Prüfstein. Dann muss das Management zeigen, ob die in den Konsensschätzungen eingepreiste Erholung Substanz hat.
Der aktuelle Marktkonsens für 2026 sieht vor:
- Umsatz: 26,93 Milliarden Euro (+8,74 % zum Vorjahr)
- Gewinn je Aktie: 10,69 Euro
- Gewinnwachstum: +42,36 %
RBC stellt genau diese Annahmen in Frage und verweist auf eine „begrenzte Visibilität“ für kurzfristige Kurstreiber. Anders ausgedrückt: Ohne klare operative Fortschritte bei Margen und Wachstum jenseits von WM-Sondereffekten dürfte eine schnelle Neubewertung nach oben schwer werden.
Fazit: Bewährungsprobe im März
Die Adidas Aktie steckt in einer Phase der Neubewertung: Gesenkte Kursziele, vorsichtigere Wachstumsannahmen und ein deutlicher Abstand zu früheren Höchstständen prägen das Bild. Am 4. März entscheidet sich, ob das Management mit harten Zahlen gegensteuern kann – insbesondere durch stabile Bruttomargen, kontrollierte operative Kosten und ein Wachstum, das nicht nur auf dem WM-Effekt beruht. Gelingt dieser Nachweis, könnte sich der Abstand zwischen Anspruch und Bewertung schrittweise schließen; bleibt er aus, dürfte der Druck auf Kurs und Erwartungen anhalten.
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