Adidas Aktie: Unterstützung gerissen

Ein Analystendowngrade von RBC Capital Markets drückt die Adidas-Aktie auf ein 52-Wochen-Tief, obwohl das Unternehmen jüngst Rekordzahlen meldete und seine Jahresprognose anhob.

Die Kernpunkte:
  • RBC stuft Rating herab und senkt Kursziel deutlich
  • Aktie fällt auf tiefsten Stand seit einem Jahr
  • Fundamental starkes drittes Quartal mit Rekordumsatz
  • Analystenmeinungen bleiben insgesamt überwiegend positiv

Ein starkes drittes Quartal, angehobene Prognose – und trotzdem rutscht die Adidas Aktie auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Auslöser ist ein deutlich vorsichtigerer Blick von RBC Capital Markets auf das Wachstumstempo bis 2026. Wie passt diese Skepsis zu den jüngsten Rekordzahlen?

RBC wird vorsichtig: Wachstumserwartungen gekappt

RBC Capital Markets hat seine Einschätzung für die Adidas Aktie spürbar zurückgenommen. Das Rating wurde von „Outperform“ auf „Sector Perform“ herabgestuft, das Kursziel von 190 auf 160 Euro gesenkt – rund 16 % weniger als zuvor.

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Im Fokus steht vor allem die Frage, wie dynamisch Adidas nach dem aktuellen Hochlauf weiterwachsen kann. RBC rechnet für 2026 nur noch mit einem organischen Umsatzplus von 7 %, während der Marktkonsens bei 11 % liegt. Ohne den Effekt der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sehen die Analysten das Wachstum sogar nur bei etwa 3 %. Die WM soll nach ihrer Einschätzung rund 4 Prozentpunkte zusätzlichen Schub bringen.

Auch auf der Ergebnisebene zeigt sich RBC zurückhaltender:

  • Organisches Umsatzwachstum 2026: 7 % (Konsens: 11 %)
  • Bereinigtes EBIT 2026: 2,40 Mrd. Euro bei 9,3 % Marge
  • Markterwartung EBIT-Marge: etwa 10 %
  • EPS-Schätzung: um rund 10 % reduziert, u.a. wegen geringerer Aktienrückkäufe

Der Kern der RBC-These: Der aktuelle Markenzyklus von Adidas gilt als „ausgereift“. Die Bruttomarge wird bei etwa 52 % verortet, die operativen Kosten bei 42–43 % des Umsatzes. Daraus ergäbe sich aus Sicht der Analysten ein Margenband von 8–11 % über den Zyklus – solide, aber ohne klaren Hebel für eine schnelle Neubewertung.

Kursentwicklung: 52‑Wochen-Tief und Bruch wichtiger Marken

An der Börse schlug das Downgrade sofort durch. Am Freitag fiel die Aktie um 5,71 % auf einen Schlusskurs von 143,75 Euro und markierte damit zugleich ihr 52‑Wochen-Tief. Damit summiert sich das Minus der vergangenen 30 Tage auf knapp 26 %, seit Jahresbeginn liegt der Verlust bei gut 14 %.

Charttechnisch zeigt sich ein angeschlagenes Bild:

  • Schlusskurs: 143,75 Euro
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (261,00 Euro): rund –45 %
  • Abstand zum 50‑Tage-Durchschnitt: ca. –12 %
  • Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt: gut –21 %

Mit dem Rutsch unter die zuvor vielbeachtete Marke von 150 Euro wurde eine zentrale Unterstützung nach unten durchbrochen. Kurzfristig orientierte Anleger, die in den vergangenen Monaten eingestiegen sind, liegen damit mehrheitlich im Minus. Der RSI von 41,1 signalisiert zwar noch keine extreme Überverkauftheit, unterstreicht aber den anhaltenden Abwärtstrend.

Analystenbild: RBC kontra Kaufempfehlungen

Trotz des deutlichen Schritts von RBC ist das Lager der Analysten nicht einheitlich. Bereits Anfang Januar hatte Bank of America ein seltenes „Sell“-Votum abgegeben. Dem stehen mehrere positive Einschätzungen gegenüber:

  • Deutsche Bank: Kaufempfehlung bestätigt
  • Santander: neu mit „Outperform“ und Kursziel 212,20 Euro
  • UBS: Kaufempfehlung bekräftigt

Im Schnitt lautet das Analystenrating weiterhin „Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von rund 226 Euro. Damit liegt die Konsensschätzung deutlich über dem aktuellen Kursniveau, was die Diskrepanz zwischen Markterwartung und kurzfristiger Skepsis einzelner Häuser klar zeigt.

Fundamentale Lage: Rekordquartal und höherer Ausblick

Fundamental präsentierte sich Adidas zuletzt stark. Im dritten Quartal 2025 erzielte der Konzern einen Rekordumsatz von 6,63 Milliarden Euro – das höchste Quartalsergebnis der Firmengeschichte. Die Marke Adidas legte währungsbereinigt um 12 % zu.

Wesentliche Kennzahlen des Q3 2025:

  • Umsatz: 6,63 Mrd. Euro
  • Operatives Ergebnis (EBIT): 736 Mio. Euro
  • EBIT-Marge: 11,1 %
  • Bruttomarge: 51,8 %
  • Verwässertes EPS: 2,57 Euro

Auf Basis dieser Entwicklung hatte Adidas die Jahresprognose für 2025 angehoben und rechnet nun mit einem operativen Ergebnis von rund 2,0 Milliarden Euro. Aus Sicht von RBC reicht dieser Rückenwind allerdings nicht aus, um die Wachstumslücke zum Konsens für 2026 zu schließen.

Bewertung und Ausblick: Warten auf neue Impulse

Die Aktie wird aktuell unter ihren historischen Bewertungsniveaus gehandelt und hat seit dem 52‑Wochen-Hoch fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Genau hier setzt die RBC-Analyse an: Trotz niedrigerer Bewertung sehen die Analysten kurzfristig keine klaren Katalysatoren für eine nachhaltige Neubewertung nach oben.

Die Annahme eines „reifen“ Markenzyklus, begrenzter Margenhebel und ein nur temporärer WM-Effekt prägen das skeptische Szenario. Gleichzeitig stehen dem robuste aktuelle Zahlen, ein angehobener Ausblick und ein weiterhin überwiegend positives Analystenbild gegenüber.

Für die kommenden Monate dürfte entscheidend sein, ob Adidas über 2026 hinaus neue Wachstumstreiber und Margenverbesserungen sichtbar machen kann – etwa durch Produktinnovationen, Preissetzungsmacht oder effizientere Kostenstrukturen. Gelingt dies, könnte die derzeitige Schwächephase zur Basis einer Erholung werden; bleiben solche Impulse aus, dürfte der Titel weiter unter dem Druck der reduzierten Erwartungen stehen.

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