Adidas-Aktie: Warnsignal unter der 50-Tage-Linie
Der Kursrutsch unter den 50-Tage-Durchschnitt stellt die Jahresprognose von Adidas auf die Probe. Zölle und Konsumflaute belasten.

- Kurs unter 50-Tage-Durchschnitt gefallen
- Zölle belasten mit 400 Millionen Euro
- Operatives Gewinnziel von 2,3 Milliarden
- 200-Tage-Linie als nächste wichtige Marke
Ein Kursrutsch von 4,72 Prozent reißt die Adidas-Aktie am Donnerstag unter eine wichtige Chartmarke. Der Schlusskurs von 170,70 Euro liegt nun knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt bei 171,48 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,17 Prozent, auf Monatssicht ein Rückgang von 2,26 Prozent zu Buche. Der Rücksetzer lenkt den Blick zurück auf eine Zahl, die Adidas im März 2026 selbst genannt hatte: 400 Millionen Euro Belastung durch Zölle und Wechselkurse für das laufende Geschäftsjahr.
Die entscheidende Frage
Ob der Abverkauf nur eine kurze Verunsicherung bleibt oder der Start einer neuen Abwärtsbewegung wird, hängt an einer einzigen Zahl. Adidas peilt für 2026 einen operativen Gewinn von rund 2,3 Milliarden Euro an. Schafft der Konzern das trotz Zoll- und Währungsgegenwind, bleibt die Erholungsstory intakt. Verfehlt er das Ziel, dürfte die jüngste Schwäche kein Ausrutscher gewesen sein.
Was für eine Stabilisierung spricht
Die Chartlage liefert erste Argumente für die Bullen. Der RSI steht bei 39,5 und nähert sich damit einem überverkauften Bereich. Zum 200-Tage-Durchschnitt hält die Aktie weiterhin ein Plus von 8,07 Prozent – der mittelfristige Aufwärtstrend bleibt also formal intakt.
Auch die Geschäftszahlen stützen dieses Bild. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um gut 7 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt lag das Wachstum sogar bei 14 Prozent, der starke Euro kostete etwa 350 Millionen Euro Umsatz. Das operative Ergebnis übertraf die Analystenerwartungen deutlich, und Adidas hielt trotz des unsicheren Umfelds an seiner Jahresprognose fest.
Für 2026 rechnet der Konzern weiterhin mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Das entspräche einem absoluten Zuwachs von rund 2,0 Milliarden Euro. Setzt sich dieser Trend im zweiten Quartal fort, hätte die Aktie mit ihrem Abstand von 14,11 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 198,75 Euro durchaus Luft nach oben.
Was gegen eine schnelle Erholung spricht
Die Kehrseite: Genau diese Jahresprognose hatte die Märkte im Frühjahr bereits enttäuscht. Das Management peilte damals nur rund 2,3 Milliarden Euro operativen Gewinn an – Analysten hatten mit 2,72 Milliarden gerechnet. Als Grund nannte Adidas explizit US-Zölle und ungünstige Wechselkurse, die das Ergebnis mit geschätzten 400 Millionen Euro belasten sollten.
Ein Nachlassen dieses Effekts ist bislang nicht bestätigt. Im offiziellen Ausblick zum ersten Quartal 2026 wiederholte Adidas die Warnung nahezu wortgleich: Zölle und Währungseffekte würden das operative Ergebnis über das gesamte Jahr mit rund 400 Millionen Euro belasten.
Hinzu kommt ein fragiles Konsumumfeld. Konzernchef Björn Gulden sprach von einem weiterhin volatilen Markt, die größte Unsicherheit sieht er bei Verbrauchern in Europa. Dort arbeitet der Handel derzeit am stärksten mit Rabatten, um Ware loszuschlagen. Adidas selbst verkauft nach eigenen Angaben aktuell keine „übermäßigen Mengen“ an Partner, um die Rabattschlacht einzudämmen – vor allem im margenstarken Lifestyle-Segment. Das deutet auf strukturellen Druck im Handelsgeschäft hin, nicht nur auf ein vorübergehendes Problem.
Charttechnisch bestätigt der Bruch der 50-Tage-Linie zumindest kurzfristig die Schwäche. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 26,01 Prozent bleibt der Titel zudem anfällig für scharfe Ausschläge in beide Richtungen.
Ausblick: Zwei Szenarien, eine Schwelle
Der 200-Tage-Durchschnitt bei 157,95 Euro markiert die entscheidende Linie für die kommenden Wochen. Hält sich der Kurs darüber, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend grundsätzlich intakt. Der Rutsch unter die 50-Tage-Linie wäre dann nur eine Korrektur innerhalb einer laufenden Erholung.
Rutscht die Aktie dagegen nachhaltig unter diese Marke, wird es ernst. Bestätigt sich dabei, dass der Zoll- und Währungsgegenwind von 400 Millionen Euro den Gewinn stärker drückt als geplant, oder trübt sich die Nachfrage in Europa weiter ein, rückt das 52-Wochen-Tief bei 130,20 Euro wieder in den Fokus. Der nächste konkrete Prüfstein steht mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 an. Sie müssen zeigen, ob die Jahresprognose von 2,3 Milliarden Euro operativem Gewinn trotz unverändertem Gegenwind hält.
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