Adidas Aktie: WM-Rückenwind trifft Überkauft-Signal
Adidas profitiert vom WM-Geschäft, doch der Chart zeigt mit einem RSI von 70 eine Überkauft-Situation an. Analysten sehen weiteres Potenzial.

- Kursanstieg von über 30 Prozent
- RSI signalisiert überkaufte Aktie
- RBC stuft auf Outperform hoch
- Fälschungen dämpfen Trikotabsatz
Die Fußball-WM 2026 läuft — und Adidas steckt mitten drin. 14 Nationalteams, der offizielle Spielball, Millionen Fans weltweit: Das ist genau das Bühnenformat, das Herzogenaurach braucht. Der Kurs hat die Stimmung schon eingepreist.
Starker Lauf, starke Zahlen
Vom Frühjahrstief bei rund 130 Euro hat sich die Aktie in wenigen Wochen auf über 170 Euro vorgearbeitet — ein Anstieg von mehr als 30 Prozent. RBC Capital Markets hat diesen Schwung mit einer Hochstufung auf „Outperform“ und einem neuen Kursziel von 210 Euro honoriert. Analyst Piral Dadhania begründet das mit einem Gewinnwachstum je Aktie von 25 Prozent jährlich bis 2027 — deutlich mehr als der Branchendurchschnitt von rund 11 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2027er-Schätzungen liegt bei etwa 13, während vergleichbare westliche Wettbewerber mit rund 15 bewertet werden. Raum für Neubewertung also.
Fundamental liefert Adidas: Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 6,6 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie kam auf 2,72 Euro. RBC rechnet für das Gesamtjahr mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 2,45 Milliarden Euro — das läge sogar über der unternehmenseigenen Zielspanne von 2,3 Milliarden Euro. Seit 2023 hat Adidas seine eigene Prognose jedes Mal übertroffen. Das nächste Update kommt Ende Juli.
Wo der Chart Vorsicht signalisiert
Ein RSI von 70 ist kein Kaufsignal. Technisch gilt dieser Wert als Warnschwelle für überkaufte Kurse — und genau hier notiert die Adidas-Aktie aktuell. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt rund 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs, die Erholung war schnell und steil.
Die Zone um 170 Euro galt lange als Widerstand. Gelingt eine nachhaltige Etablierung darüber, öffnet sich charttechnisch der Weg in Richtung 190 bis 200 Euro. Hält dieses Niveau nicht, liegt die nächste relevante Unterstützung bei 150 bis 160 Euro. Ein Rückfall unter 157,50 Euro wäre ein klares Warnsignal.
Das Trikot-Problem, das keiner nennt
Kein Wunder, dass Analysten die WM-Fantasie betonen — 14 Teams, offizieller Ball, globale Medienpräsenz. Was weniger diskutiert wird: Fälschungen. Original-Trikots kosten 90 Euro und mehr. Qualitativ hochwertige Kopien gibt es für unter 20 Euro, und viele Fans greifen genau dort zu. Der tatsächliche Trikotabsatz könnte damit hinter den Erwartungen bleiben.
Hinzu kommt ein strukturelles Detail: Ab 2027 übernimmt Nike als Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft. Die laufende WM ist die letzte mit dem DFB-Partner Adidas — ein leiser Abschied von einer langen Partnerschaft.
Das ändert nichts am positiven Grundbild, aber es dämpft die reine WM-Euphorie. Wer auf einen Rücksetzer in den Bereich 150 bis 160 Euro wartet, bekommt möglicherweise einen günstigeren Einstieg — bevor Ende Juli die nächsten Quartalszahlen für neue Impulse sorgen.
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