Adobe Aktie: Trotzdem im Plus

Wer heute Vormittag auf Adobe schaute, sah ein vertrautes Bild: Die Aktie sackte vorbörslich um rund vier Prozent ab, während Konkurrent Oracle zulegte. Im Verlauf des US-Handels drehte sich das Blatt komplett. Adobe kletterte zuletzt auf 254 Dollar, ein Plus von gut zwei Prozent – Oracle rutschte dagegen ins Minus.
Auslöser der anfänglichen Skepsis war die Prognose für das vierte Quartal. Adobe rechnet mit einem Umsatz zwischen 6,8 und 6,85 Milliarden Dollar, der Mittelwert lag unter den Erwartungen der Analysten.
Beim bereinigten Gewinn je Aktie peilt das Unternehmen 6,30 bis 6,35 Dollar an, in etwa im Rahmen der Schätzungen. Im dritten Quartal war der Umsatz um 13 Prozent auf 6,76 Milliarden Dollar gestiegen, der bereinigte Gewinn lag bei 6,13 Dollar je Aktie – beide Werte über den Erwartungen.
Skepsis sitzt tief
Jefferies-Analyst Brent Thill nannte die Zahlen „ereignislos“ und senkte trotz solider Substanz sein Kursziel, ähnlich wie JPMorgan. Thill verwies darauf, dass der KI-bezogene wiederkehrende Umsatz erst zwei Prozent der Gesamterlöse ausmacht – zu wenig, um die Wachstumssorgen rund um generative KI-Konkurrenz zu zerstreuen. Hinzu kommt die unbesetzte CFO-Position, die laut Thill zu einem vorsichtigen Ausblick für 2027 beitragen könnte.
Personell hat Adobe zumindest an der Spitze für Klarheit gesorgt: Anil Chakravarthy, bislang für den kleineren Bereich Analyse- und Marketing-Software zuständig, wird zum 1. Dezember neuer Konzernchef. Der bisherige Chef der Kreativ-Sparte, ebenfalls im Rennen um den Posten, verlässt das Unternehmen noch im September.
Der Optionsmarkt zeichnet derweil ein deutlich skeptischeres Bild als der Aktienkurs. Ein auffällig großer Put-Spread mit Fälligkeit im Oktober zielt auf einen Kursrückgang bis auf 160 Dollar – rund 37 Prozent unter dem aktuellen Niveau.
Das Put-Call-Verhältnis liegt bei 1,57, ein klares Übergewicht pessimistischer Positionierung. Auffällig: Die implizite Volatilität sank trotz des hohen Handelsvolumens, während der Skew zugunsten der Puts stieg – ein Hinweis darauf, dass hier gezielt Absicherung aufgebaut wurde und keine panische Verkaufswelle.
Die Aktie notiert nach einem Kursrückgang von rund 27,6 Prozent seit Jahresbeginn nahe dem unteren Bereich ihrer Handelsspanne der vergangenen zwölf Monate, die zwischen 190,12 und 370,86 Dollar verlief.
Der heutige Kursdreher liefert damit noch keine Entwarnung, eher einen ersten Test, ob die fundamentale Substanz gegen die strukturellen Zweifel bestehen kann. Wie Chakravarthy ab Dezember mit der KI-Konkurrenz umgeht, dürfte die nächste entscheidende Wegmarke für die Aktie sein.
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