AeroVironment Aktie: 151,3-Millionen-Abschreibung nach SCAR-Kündigung

AeroVironment droht eine Sammelklage wegen angeblicher Täuschung bei Space-Force-Aufträgen. Die Aktie verlor massiv an Wert.

Die Kernpunkte:
  • Fristende für Hauptkläger am Montag
  • Vorwurf: Irreführung bei SCAR-Programm
  • Operativer Verlust von 179 Mio. Dollar
  • Aktienkurs 62,86% unter Jahreshoch

Für Investoren des US-Rüstungsunternehmens AeroVironment rückt ein entscheidendes Datum näher. Am morgigen Montag, dem 27. Juli 2026, läuft die Frist ab, innerhalb derer sich geschädigte Anleger als Hauptkläger einer Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs anschließen können. Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter Kaplan Fox & Kilsheimer sowie Levi & Korsinsky, führen das Verfahren gegen den Spezialisten für unbemannte Flugsysteme.

Vorwurf der Irreführung bei Space-Force-Aufträgen

Im Zentrum der rechtlichen Auseinandersetzung steht das sogenannte SCAR-Programm (Satellite Communications Augmented Reality) der U.S. Space Force. Den Klägervertretern zufolge soll AeroVironment zwischen Juni 2025 und März 2026 falsche oder irreführende Angaben über die Wettbewerbsfähigkeit und die Aussichten bei diesen Regierungsaufträgen gemacht haben. Die Kanzleien werfen dem Management vor, den Grad des Wettbewerbs für das Programm heruntergespielt und die Geschäftsaussichten übertrieben dargestellt zu haben.

Die Probleme traten bereits Anfang des Jahres offen zutage. Am 20. Januar 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass für die BADGER-Systeme im Rahmen des SCAR-Programms eine Arbeitsstopp-Anordnung ergangen sei. Laut Berichten von Kaplan Fox fiel der Aktienkurs daraufhin um 15,77 Prozent. Die Lage verschärfte sich weiter, als Anfang März bekannt wurde, dass die Space Force das Programm für andere Wettbewerber neu ausschreiben wolle.

Massive Abschreibungen belasten das Ergebnis

Die finanziellen Folgen dieser Entwicklung schlugen sich deutlich in den offiziellen Geschäftszahlen nieder. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete AeroVironment einen operativen Verlust von 179 Millionen US-Dollar. Dieser Fehlbetrag resultierte maßgeblich aus einer Firmenwertabschreibung in Höhe von 151,3 Millionen US-Dollar, nachdem die Space Force den SCAR-Vertrag schließlich gekündigt hatte.

Am Markt sorgten diese Nachrichten für anhaltenden Verkaufsdruck. Die Aktie, die im Herbst 2025 noch Rekordwerte verzeichnete, setzte ihren Abwärtstrend kontinuierlich fort. Am vergangenen Freitag schloss das Papier bei 131,60 Euro. Dies entspricht einem Tagesverlust von 5,66 Prozent. Damit notiert der Wert inzwischen rund 62,86 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das im Oktober vergangenen Jahres erreicht worden war.

Herausforderungen für die US-Rüstungsindustrie

AeroVironment steht mit diesen Schwierigkeiten in einem schwierigen Branchenumfeld. Wie das Magazin Fortune berichtet, steht der gesamte US-Verteidigungssektor unter Druck. Trotz hoher Militärausgaben im Zusammenhang mit internationalen Konflikten haben viele Branchengrößen mit Kursrückgängen zu kämpfen. Während etablierte Konzerne wie Northrop Grumman und Lockheed Martin zweistellige Verluste hinnehmen mussten, zeigt das Beispiel AeroVironment die spezifischen Risiken bei der Vergabe von technologisch anspruchsvollen Aufträgen durch das Pentagon.

Parallel zu den rechtlichen Auseinandersetzungen steht die US-Drohnenindustrie vor strukturellen Herausforderungen. Ein Bericht des US-Rechnungshofes GAO weist auf Schwächen bei der Produktionsreife hin. Viele Unternehmen kämpfen damit, die Lücke zwischen der Entwicklung von Prototypen und einer effizienten Massenfertigung zu schließen. Für AeroVironment wird neben dem Ausgang der Sammelklage entscheidend sein, wie das Unternehmen den Verlust der Space-Force-Aufträge operativ kompensieren kann.

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