Air Berlin (Teil II): Bald Beute von Hedgefonds?

Als wären die schwachen Quartalszahlen nicht genug Belastung, droht dem Unternehmen im kommenden Jahr ein weiterer heftiger finanzieller Schlag. Im Mittelpunkt steht dabei die normalerweise bis 2019 laufende Wandelanleihe von Air Berlin. Denn diese kann von entsprechenden Investoren erstmals am 6. März 2017 gekündigt werden.

© Air Berlin
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Die Wandelanleihe selbst hat ein Volumen von 140 Millionen €. Aktuell ist sie besonders für spekulative Investoren, also vor allem auch Hedgefonds, höchst interessant. Denn zum Kündigungstermin müsste sie grundsätzlich zu 100 % des Nennwertes plus der aufgelaufenen Zinsen (6 % per annum) zurückbezahlt werden. Wobei die Anleihe derzeit nur mit 80 % des Nennwertes notiert. Das ergibt aktuell eine Rückzahlungsrendite von über 17 %.

Air Berlin selbst hatte sich in den Anleihenbedingungen die Möglichkeit eingeräumt, bei einer Kündigung eine Kombination bei der Rückzahlung aus Cash-Anteil und Wandlung in Aktien zu wählen. Doch selbst bei dieser Option müsste die Fluggesellschaft bei dem derzeit extrem schwachen Aktienkurs tief in die Tasche greifen. Was die Frage aufwirft, wo Air Berlin das Geld herbekommt.

Natürlich schauen dabei alle Marktteilnehmer vor allem auf den Großaktionär Etihad. Diesen ist es bislang zu verdanken, dass Air Berlin überhaupt noch fliegen kann. Etihad selber hat knapp 30 % der Wandelanleihe gezeichnet, dürfte aber von einer Kündigung selbst Abstand nehmen. Dennoch wird man gefragt sein, Air Berlin bei entsprechenden Rückzahlungen unter die Arme zu greifen.

Zwar verfügte die deutsche Airline nach eigenen Angaben zum Ende des Halbjahres über eine Liquidität von fast 400 Millionen €. Doch gibt es Schätzungen, dass die Fluggesellschaft mindestens eine halbe Milliarde Euro allein dafür braucht, in den kommenden Monaten den operativen Betrieb aufrecht zu erhalten. Hinzu kommt, dass im April ein Kredit über 75 Millionen € fällig wird.

Das Grundproblem bei allem: Etihad kann selbst nicht unbegrenzt Geld zuschießen. Denn wenn quasi aktenkundig ist, dass die Airline durch den ausländischen Investor dominiert wird, könnte Air Berlin die Verkehrsrechte in Deutschland verlieren.

Fazit: Die nächsten sechs Monate dürften für Air Berlin absolut entscheidend werden. Die bereits angekündigten Veränderungen in der Struktur sollen die Airline retten, brauchen aber Zeit. Zeit, die Air Berlin eigentlich nicht hat. Und das zeigt sich letztlich auch im Aktienkurs, der längst fest in der Hand der Spekulanten ist.

Zur Kommentierung der Quartalszahlen

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