Air Berlin: Der Vogel lahmt

Man hat irgendwie das Gefühl, es wird nicht besser. Jahr um Jahr schreibt die Fluggesellschaft Air Berlin Verluste. Jahr um Jahr wechselten die Personalien im Vorstand. Jeder von ihnen hatte eigene Visionen, geholfen hat bisher nichts.

 

© Air Berlin
© Air Berlin

Der jetzige Vorstandschef, Stefan Pichler, will alles anders und besser machen. Sein erklärtes Ziel ist es, im Jahr 2016 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Ob dieser Plan gelingt, sei vorerst dahingestellt. Der Markt ist hier durchaus skeptisch, zu viel Euphorie wurde in der Vergangenheit meist von bitterer Enttäuschung abgelöst.

 

Kosten für Sanierung schreiben Geschichte bei Air Berlin

Das Jahr 2014 wird in die Konzerngeschichte eingehen. Air Berlin musste hier unter dem Strich einen Verlust von 377 Mio. Euro ausweisen. Dies ist der höchste Verlust in der Unternehmensgeschichte.

Die Kosten für das laufende Sanierungsprogramm verursachten einen Großteil dieses Verlustes. Im abgelaufenen Geschäftsjahr generierte die Airline lediglich ein Umsatzplus von 0,3% auf 4,16 Mrd. Euro. Das EBIT lag bei -294 Mio. Euro, ein Plus von 27% gegenüber 2013. Damals wurde ein EBIT von -232 Mio. Euro ausgewiesen.

Der Jahresbericht wurde erst vergangene Woche aufgrund einer zeitlichen Verzögerung präsentiert. Danach hat Air Berlin die Absatzleistung mit 3,8 Mrd. Euro auf stabilem Niveau gehalten. Bei den Kapazitäten stockte die Airline um3% auf 59 Mrd. Sitzplatz-Kilometer auf. Der Auslastungsgrad betrug 83,5% nach 84,9% im Vorjahr.

 

Wo geht die Reise bei Air Berlin hin?

Baustellen gibt es reichlich. Eine davon ist der Verkauf. Hier will Air Berlin einen Neuanfang starten und holt dazu ab Juni als neuen Vertriebschef Julio Rodriguez ins Boot bzw. in den Flieger.

Rodriguez war bis dato beim spanischen Billigflieger Vueling beschäftigt. Sein Vorgänger, Götz Ahmelmann, wechselt im Gegenzug zur der arabischen Ethidad. Pichler ist der Meinung, dass Air Berlin jahrelang zu wenig Geld beim Verkauf der Flugtickets eingenommen hat.

Das soll sich künftig grundlegend ändern. Dazu will Air Berlin ein neues System zur Kalkulation einführen, wodurch höhere Einnahmen erzielt werden sollen. Vermehrt will die Airline auch Geschäftskunden von der Konkurrenz abwerben.

 

Macht Air Berlin die Rolle rückwärts?

Nachdem in der Vergangenheit das Angebot für Fernostflüge erheblich abgebaut wurde, plant Air Berlin anscheinend die Rückkehr auf diesen Strecken. Wohlgemerkt, nachdem man wieder schwarze Zahlen schreibt.

Obwohl dieser Tag noch in der Ferne liegt, hat Pichler hierfür durchaus schon Pläne parat. So würde er gerne wieder Nonstop-Flüge nach Asien zusätzlich zu den verfügbaren Anschlussverbindungen über Abu Dhabi einführen. Auch Flüge nach Nordamerika und in die Karibik stehen auf der Wunschliste. Hier sieht Pichler große Wachstumsmöglichkeiten.

Ob sich Air Berlin jedoch überhaupt finanziell erholen kann, hängt nicht zuletzt an der Bundesregierung. Seit letztem Monat wird darüber verhandelt, ob die Codeshareflüge mit Etihad Airways über den Oktober hinaus fortgeführt werden dürfen oder aber nicht. Auf diese Erlöse ist Air Berlin jedoch mehr als dringend angewiesen.

Erst kürzlich stieg Air Berlin auf dem Verband europäischer Fluggesellschaften aus. Differenzen über den Umgang mit der wachsenden Konkurrenz außerhalb von Europa sollen hierfür der Grund gewesen sein. Dass die arabische Airline Etihad seit mehr als drei Jahren als Großaktionär von Air Berlin finanzielle Mittel in den Konzern pumpt, könnte diese Entscheidung durchaus beeinflusst haben.

 

Spielt die Air Berlin Aktie bald in einer anderen Liga?

Ein Blick auf den Chart zeigt den Verlauf der Aktie in den letzten fünf Jahren. Und der sieht nicht gut aus und kannte nur eine Richtung: Abwärts

Mit einem Kurs von derzeit 1,24 Euro ist Air Berlin nicht mehr sehr weit davon entfernt, in die Liga der Penny Stocks abzusteigen. Zur Erklärung: Die Bezeichnung gilt für Aktien, deren Kurswert unter 1 Euro beträgt. Sicher ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Airline tatsächlich im Lauf der nächsten Jahre wieder erholt. Nur: Die Konkurrenz schläft auch nicht und viele Fragen sind noch offen.

150504 Air Berlin

Zudem bleibt folgender Fakt alarmierend. Während der Umsatz von Air Berlin gute 4 Mrd. Euro betrug, liegt der aktuelle Börsenwert gerade einmal bei knapp 145 Mio. Euro. Wir raten von einem Investment in Air Berlin eingehend ab, werden aber die weitere Entwicklung gespannt beobachten.

%d Bloggern gefällt das: