Air Berlin: Vom Markt längst abgeschrieben?

Die schlechten Nachrichten bei der angeschlagenen Fluglinie Air Berlin scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Denn nun misslang auch die Platzierung einer Wandelanleihe, was als besonderes Misstrauensvotum des Marktes angesehen werden muss.

© Air Berlin

Schließlich geht es bei Wandelanleihen darum, dass diese nach vorher festgelegten Bedingungen später in Aktien des Unternehmens umgetauscht werden können. Doch Air Berlin konnte kaum externe Investoren von den neuen Papieren überzeugen. Diese waren zum Umtausch der bis 2019 laufenden bisherigen Wandelschuldverschreibungen angeboten worden. Ursprünglich hatte die Airline 140 Millionen Euro offerieren wollen, wurde letztlich aber nur knapp über 41 Millionen Euro los.

Etihad springt wieder ein

Ein Großteil dieser Papiere wurde von der Großaktionärin Etihad übernommen, welche sämtliche bislang gehaltenen Papiere über 40 Millionen Euro umtauschte. Die alten Wandelschuldverschreibungen wurden bisher mit 6 % verzinst, die neuen Papiere haben einen Kupon von 8,5 %. Wie Air Berlin mitteilte, beträgt der ausstehende Gesamtnennbetrag der bestehenden Wandelschuldverschreibungen nach dem erfolgten Umtausch nunmehr 98,7 Millionen Euro. Darüber hinaus will Air Berlin voraussichtlich morgen weitere Wandelschuldverschreibungen über die Tochter Air Berlin Finance emittieren.

Das bis auf den bisherigen Großaktionär Etihad das Angebot kaum Resonanz fand, dürfte auch an den Konditionen liegen. Denn der anfängliche Wandlungspreis der neuen Schuldverschreibungen wurde auf 1,15 Euro festgelegt. Was bedeutet, dass vor einer möglichen Wandlung die Aktie von Air Berlin sich praktisch verdoppeln müsste.

Air Berlin kann nicht überzeugen

Für ein Unternehmen, das zunehmend operativ entkernt wird und nach Analystenschätzungen faktisch ums Überleben kämpft, ist dies eine sehr ambitionierte Erwartung, die kaum jemand im Markt teilt. Entsprechend negativ war auch die Kursreaktion nach der missglückten Umtauschaktion. Wobei man natürlich auch mit einrechnen muss, dass Emissionen von Wandelschuldverschreibungen generell meist negativ auf den Aktienkurs wirken, weil daraus auf absehbare Zeit eine Erhöhung der Aktienanzahl und damit eine Verwässerung der bisherigen Aktionäre erfolgt.

Fazit: Von Stabilisierung und Rebound-Fantasien kann bei Air Berlin derzeit nicht die Rede sein. Zwar hatte die Aktie in den letzten Monaten bis auf den einen spekulativen Ausreißer nach oben sich relativ stabil im Bereich um 0,60 Euro halten können. Als Pennystock bleibt sie aber extrem anfällig für spekulative Zuckungen aller Art. Ernsthaft kalkulierende Investoren sollten hier die Finger von lassen.

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