Air Liquide Aktie: Wasserstoff-Allianz für Lkw bis 2030

Air Liquide koordiniert mit Industriepartnern Europas Wasserstoffversorgung für schwere Lkw und startet zugleich ein Pariser KI-Forschungsprojekt.

Die Kernpunkte:
  • Allianz plant europäische Wasserstoffkorridore
  • Tankstellen sollen 100 Lkw täglich versorgen
  • Neuer KI-Lehrstuhl in Paris gegründet
  • Aktie seit Jahresbeginn 14 Prozent höher

Gemeinsam mit Schwergewichten der europäischen Nutzfahrzeug- und Energiebranche treibt der französische Industriegasekonzern Air Liquide den Aufbau einer lückenlosen Wasserstoff-Wertschöpfungskette für schwere Lkw voran.

Gestern präsentierten Daimler Truck, die Volvo Group, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, TEAL Mobility und MB Energy auf der Branchenmesse IAA Transportation in Hannover ihren gemeinsamen Plan. Ziel des Zusammenschlusses ist es, den industrieweiten Hochlauf von Wasserstoff-Lastwagen bis 2030 über strategische europäische Transportkorridore hinweg zu skalieren.

Aufbau der Tankstelleninfrastruktur synchron zum Flottenstart

Die Partner zielen auf wettbewerbsfähige Gesamtkosten für Speditionen ab. Während Fahrzeughersteller wie Daimler Truck den Serienstart vorbereiten, übernimmt die Allianz den parallelen Ausbau der Wasserstoff-Tankinfrastruktur. Die Stationen sollen Kapazitäten für bis zu 100 Lkw pro Tag bieten. Deutschland gilt den Initiatoren dabei als Vorreitermarkt in Europa, an dem Angebot und Abnahme koordiniert gebündelt werden.

Air-Liquide-Chef François Jackow betonte unlängst das neu erwachte staatliche Interesse an Wasserstoff, da Importeure angesichts geopolitischer Spannungen im Nahen Osten nach resilienten Alternativen suchen. Dass die Industrie den Ausbau nun gemeinsam synchronisiert, soll die Auslastung der Stationen absichern. An den europäischen Handelsplätzen schloss die Aktie von Air Liquide gestern bei 165,78 Euro.

Forschungsoffensive für künstliche Intelligenz in Paris

Neben der Verkehrswende investiert der Konzern gezielt in digitale Basistechnologien. Am Montag gründete das Unternehmen zusammen mit der École normale supérieure und der ENS-Stiftung einen neuen Forschungslehrstuhl unter dem Namen „KI für Chemie und durch Chemie“. Die Pariser Initiative ist das erste Lehrstuhlprojekt innerhalb des universitären Programms normalesup.ai.

Wissenschaftler und Entwickler sollen dort Machine-Learning-Algorithmen mit physikochemischen Gesetzmäßigkeiten verknüpfen. Durch verringerten Datenbedarf soll die Entdeckung neuartiger Moleküle und innovativer Werkstoffe beschleunigt werden. Für Air Liquide fungiert der Einsatz künstlicher Intelligenz als konzernweiter Hebel, um Prozesse von der Produktion bis zum Kundenservice zu optimieren und Produkte zügiger zur Marktreife zu führen.

Solide Basis für langfristige Transformationsprojekte

Das operative Fundament für die parallel laufenden Initiativen in Logistik und Forschung liefert das angestammte Gasgeschäft. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier an der Börse ein Plus von 14 Prozent. Der Vorstoß in Hannover zeigt, dass Air Liquide seine Rolle nicht mehr nur als reiner Lieferant sieht, sondern aktiv die Absatzkanäle der Zukunft mitgestaltet. Ob die Skalierung bis 2030 das erhoffte Tempo erreicht, wird vor allem davon abhängen, wie schnell Spediteure die neuen Antriebe in ihren Alltag integrieren können.

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