Airbus Aktie: 1.090 Bestellungen im ersten Halbjahr
Airbus sieht sich mit neuen FAA-Prüfungen konfrontiert, während die Auslieferungen hinter dem Jahresziel zurückbleiben. Die Auftragsbücher bleiben jedoch prall gefüllt, und die Aktie notiert nahe ihrem Rekordhoch.

- FAA leitet zwei Prüfverfahren ein
- Jahresziel bei Auslieferungen gefährdet
- Auftragsbestand erreicht 9.222 Flugzeuge
- Aktie nur 2,5 Prozent unter Rekordhoch
Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat innerhalb weniger Tage gleich zwei Verfahren zu Airbus-Baureihen angestoßen. Am Donnerstag erließ die Behörde eine Anweisung zur Lufttüchtigkeit für Hubschrauber des Typs Airbus Helicopters EC130T2, die ab dem 18. September wirksam wird.
Bereits am Tag zuvor hatte die FAA einen Entwurf für eine neue Anordnung vorgelegt, die sämtliche Modelle der A318-, A319-, A320- und A321-Reihe betrifft. Kommentare dazu müssen bis zum 28. September eingereicht werden.
Für Anleger sind solche Verfahren zunächst Routine – die FAA prüft laufend Flotten weltweit, und Anordnungen zur Lufttüchtigkeit münden meist in überschaubaren Wartungsauflagen statt in Produktionsstopps. Dennoch fällt die Häufung in eine Phase, in der Airbus operativ ohnehin unter Beobachtung steht: Die Auslieferungszahlen hinken dem Jahresziel hinterher, während die Bestelltätigkeit auf hohem Niveau bleibt.
Auslieferungen bleiben Schwachstelle, Orderbuch wächst weiter
Im Juli lieferte Airbus 67 Verkehrsflugzeuge aus, womit sich der Jahresstand auf 418 Maschinen summiert. Das Jahresziel von rund 870 Auslieferungen erfordert damit ein deutlich höheres Tempo in der zweiten Jahreshälfte. Gegenüber Boeing hält der Konzern durch die ersten sieben Monate einen Vorsprung von 51 ausgelieferten Jets.
Auf der Bestellseite läuft es dagegen rund: Die Bruttoorders erreichten bis Ende Juli 1.090 Flugzeuge für das laufende Jahr, allein im Juli kamen 204 hinzu – getragen von den Großaufträgen der Farnborough Airshow vor rund zwei Wochen, seither ist die Aktie um 5,9 Prozent gestiegen.
Den Großteil der Juli-Bestellungen machten 168 Maschinen der A320neo-Familie aus, darunter 104 A321neo und 63 A320neo. Für den 31. August ist zudem eine Vereinbarung mit Biman Bangladesh Airlines über zehn Flugzeuge angekündigt, vier Großraum- und sechs Schmalrumpfjets.
Die Halbjahreszahlen vom 29. Juli untermauern das Bild eines Konzerns mit voller Auftragsbücher, aber begrenzter Fertigungsgeschwindigkeit. Der Nettogewinn stieg auf 2.243 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie auf 2,84 Euro nach 1,93 Euro im Vorjahreszeitraum.
Der Auftragsbestand liegt nach 821 Nettoorders im ersten Halbjahr bei 9.222 Flugzeugen – ein Polster, das Airbus über Jahre hinweg auslasten dürfte. Der Konzern bestätigte seine Jahresprognose von rund 7,5 Milliarden Euro bereinigtem EBIT und rund 4,5 Milliarden Euro freiem Cashflow vor Kundenfinanzierung. Die Nettocash-Position lag Ende Juni bei 8,4 Milliarden Euro.
Kurs nahe Rekordhoch, Bewertung mit Fragezeichen
Am Kapitalmarkt spiegelt sich die insgesamt robuste Geschäftslage wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 215,75 Euro und liegt damit nur 2,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das am 13. Januar markiert wurde.
Auf Monatssicht steht ein Plus von 10 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 9,2 Prozent. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt 13 Prozent – ein Hinweis auf den kräftigen Lauf der vergangenen Wochen, getrieben von den Farnborough-Abschlüssen und den bestätigten Jahreszielen.
Die technische Verfassung mit einem RSI von 67,4 signalisiert eine gewisse Überhitzung, ohne bereits klar überkauft zu sein. Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob Airbus das zweite Halbjahr nutzen kann, um den Rückstand bei den Auslieferungen aufzuholen – die prall gefüllten Auftragsbücher und die laufenden FAA-Verfahren dürften diese Aufgabe nicht einfacher machen.
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