Airbus Aktie: 1.200 Flugzeuge für Indien bis 2035

Airbus sichert sich auf der Luftfahrtmesse Aufträge über 95 Jets aus China und treibt die Expansion in Indien und Südostasien voran.

Die Kernpunkte:
  • 95 Flugzeuge von chinesischen Airlines bestellt
  • Strategischer Fokus auf Indien als Wachstumsmarkt
  • Auslieferungen im ersten Halbjahr um 15 Prozent gestiegen
  • Herausforderungen bei Qualität und Triebwerkslieferungen

Während Wettbewerber Boeing den Fokus verstärkt auf die Stabilisierung der eigenen Produktion legt, verzeichnet der europäische Flugzeugbauer eine hohe Nachfrage aus dem asiatischen Raum. Mit neuen Großaufträgen und einer verstärkten industriellen Präsenz in Schwellenländern baut das Unternehmen seine Marktposition weiter aus.

Chinesische Fluggesellschaften bestellen 95 Jets

Medienberichten zufolge hat sich Airbus Aufträge über insgesamt 95 Flugzeuge von drei chinesischen Fluggesellschaften gesichert. Das Gesamtvolumen dieser Bestellungen beläuft sich nach Listenpreisen auf rund 17,8 Milliarden US-Dollar. Im Detail entfallen 55 Maschinen auf Shenzhen Airlines, eine Tochtergesellschaft von Air China. Dieser Auftrag umfasst 15 Langstreckenflugzeuge vom Typ A350-900 sowie 40 Maschinen der A320neo-Familie.

Zusätzlich hat Hainan Airlines 40 Flugzeuge des Typs A320neo geordert. Die Auslieferungen für diese Kontingente sind für den Zeitraum zwischen 2028 und 2032 vorgesehen. Diese Vereinbarungen folgen auf frühere Großbestellungen aus China, darunter 25 A330neo für China Eastern und ein Paket über 137 Flugzeuge für die China Southern Gruppe.

Strategische Expansion in Indien und Südostasien

Neben China rückt Indien zunehmend in das Zentrum der Strategie. Laut Jürgen Westermeier, dem Airbus-Verantwortlichen für Indien und Südasien, wird das Land als „Material Country“ eingestuft. Airbus hält dort aktuell einen Anteil von 72 Prozent an der im Dienst befindlichen Flotte sowie am gesamten Auftragsbestand. Ziel ist es, in den kommenden zehn Jahren mehr als 1.200 Flugzeuge nach Indien zu liefern, was einer Rate von etwa 120 Maschinen pro Jahr entspricht.

Parallel dazu investiert der Konzern in die lokale Fertigung und betreibt in Indien zwei Endmontagelinien für die Modelle C295 und H125. Das jährliche Beschaffungsvolumen aus indischer Produktion soll von derzeit 1,6 Milliarden US-Dollar auf 2 Milliarden US-Dollar vor dem Jahr 2030 steigen. Auch in Südostasien sieht das Management erhebliches Potenzial, insbesondere für den A220. Anand Stanley, Präsident von Airbus Asia Pacific, verwies auf über 1.100 weltweite Bestellungen für diesen Typ. Allein AirAsia hat 150 Einheiten des Typs A220-300 bestellt, deren Auslieferung 2028 beginnen soll.

Auslieferungsziele und operative Herausforderungen

In der ersten Jahreshälfte 2026 konnte Airbus seine Auslieferungen um 15 Prozent auf 351 Flugzeuge steigern, verglichen mit 306 Maschinen im Vorjahreszeitraum. Dennoch steht die Branche vor logistischen Hürden. Airbus kämpft aktuell mit Qualitätsmängeln bei Rumpfplatten der A320-Serie sowie Verzögerungen bei der Triebwerksbelieferung. Der Triebwerkshersteller CFM International, ein Gemeinschaftsunternehmen von GE und Safran, plant für das laufende Jahr eine Steigerung seiner Lieferungen um 15 Prozent, um den beispiellosen Hochlauf der Flugzeugproduktion zu unterstützen.

Im Vergleich zum Vorjahr, in dem Airbus 793 Flugzeuge auslieferte, lag Boeing bei 600 Einheiten. Während Airbus-CEO Guillaume Faury die Einführung der nächsten Generation von Schmalrumpfflugzeugen für das Jahr 2030 plant (Dienstbeginn ab 2035), zeigt sich Boeing-Chef Kelly Ortberg zurückhaltender und sieht den Markt für solche Neuentwicklungen derzeit noch nicht bereit.

An der Börse reagierte der Wert am Freitag mit einem leichten Plus von 0,41 Prozent und schloss bei 48,60 €. Damit notiert das Papier aktuell etwa 6,59 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, der bei 45,60 € liegt. Trotz der positiven Auftragsdynamik bleibt die Branche laut Analysen von Oliver Wyman mit einem globalen Auftragsstau von rund 17.000 Flugzeugen konfrontiert, was bei den derzeitigen Produktionsraten einer Auslastung von mehr als zwölf Jahren entspricht.

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