Airbus Aktie: 100 A320neo für SMBC

Airbus verzeichnet Rekordbestellungen und starke Halbjahreszahlen. Analysten sehen trotz Kursrücksetzers operative Substanz als Fundament für weiteres Wachstum.

Die Kernpunkte:
  • Erstmals über 1.000 Nettobestellungen
  • Halbjahresumsatz steigt um zwölf Prozent
  • Aktienrückkauf über fünf Milliarden Euro
  • Kepler Cheuvreux stuft auf Buy hoch

Wer wissen will, ob der Höhenflug von Airbus fundamental gerechtfertigt ist, muss über den heutigen Kursrücksetzer hinwegblicken. Die Aktie gibt am Dienstag um 0,82 Prozent nach und notiert bei 211,85 Euro, nachdem sie am Montag noch bei 213,60 Euro geschlossen hatte.

Für mich ändert das wenig an der Grundthese: Die operativen Zahlen der vergangenen zwei Wochen sprechen eine deutlichere Sprache als jede Tagesschwankung – und sie sprechen für Airbus.

Bestellboom als Fundament

Der Flugzeugbauer meldete Anfang August, dass die Nettobestellungen 2026 erstmals die Marke von 1.000 überschritten haben, nachdem allein im Juli mehr als 200 neue Aufträge hinzukamen. Bis Ende Juli standen 1.090 Bruttobestellungen und 418 ausgelieferte Verkehrsflugzeuge zu Buche – gegenüber 373 zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Im Juli allein wurden 67 Maschinen an 39 Kunden übergeben. Besonders bemerkenswert finde ich die Großorder von SMBC Aviation Capital: Der Leasinggeber bestellte im Juli fest 100 Maschinen der A320neo-Familie und legte anschließend nochmals 65 A321neo sowie 35 A320neo nach.

Dazu kommen sechs zusätzliche A350-1000 von Riyadh Air und acht weitere H145-Hubschrauber für The Helicopter Company. Das ist kein einzelner Ausreißer, sondern ein breiter Nachfragestrom über mehrere Produktlinien hinweg – für mich das stärkste Argument gegen die Sorge, die Zyklik der Luftfahrtbranche könnte Airbus bald einholen.

Der Halbjahresbericht bestätigt die Story

Wer den Bestellungen misstraut, weil sie sich erst in Jahren in Cashflow verwandeln, findet in den Zahlen zum ersten Halbjahr die Bestätigung im Hier und Jetzt.

Am 29. Juli meldete Airbus 351 ausgelieferte Verkehrsflugzeuge im ersten Halbjahr, ein Plus von 15 Prozent gegenüber 306 im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 12 Prozent auf 33,176 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT sprang sogar um 24 Prozent auf 2,727 Milliarden Euro.

Das Management hält am Ziel von rund 870 Auslieferungen für das Gesamtjahr fest – nach eigenen Angaben auch deshalb, weil die mit Pratt & Whitney vereinbarten Triebwerksmengen die Produktionsplanung inzwischen absichern. Genau diese Marge-vor-Umsatz-Dynamik ist es, die mich überzeugt: Airbus wächst nicht nur, das Unternehmen wird dabei profitabler.

Kapitalrückgabe und langfristige Ambition

Wenige Tage zuvor, am 21. Juli, hatte der Konzern seine mittelfristige Ambition präzisiert: Bis 2029 soll das bereinigte EBIT auf 12 bis 13 Milliarden Euro steigen. Parallel genehmigte der Verwaltungsrat ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Euro, verteilt auf drei Jahre.

Für mich ist das ein Signal von Selbstvertrauen, das über Marketingrhetorik hinausgeht – ein Unternehmen, das mitten in einer kapitalintensiven Hochlaufphase Kapital an Aktionäre zurückgibt, rechnet offenbar nicht mit bösen Überraschungen bei der eigenen Liquidität.

Wo die Risiken bleiben

Ganz frei von Fragezeichen ist die Story dennoch nicht. Die A350F, die Frachtversion des Langstreckenjets, soll noch in diesem Jahr erstmals fliegen, Zertifizierung und Erstauslieferung sind erst für Ende 2027 anvisiert, spürbare Stückzahlen erst 2028. Das ist ein langer Zeithorizont, in dem viel passieren kann.

Auch die Bewertung mahnt zur Nüchternheit: Mit einem Abstand von nur 4,25 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 42,73 Prozent ist die Aktie kein ruhiges Pflaster mehr.

Mitte Juni hatte Kepler Cheuvreux die Aktie auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 196 auf 212 Euro angehoben – ein Ziel, dem der aktuelle Kurs inzwischen schon sehr nahekommt, was die Frage aufwirft, wie viel Spielraum kurzfristig noch bleibt.

Mein Fazit

Unterm Strich überzeugt mich die operative Substanz mehr als der heutige Kursrücksetzer mich beunruhigt. Bestellbücher, Auslieferungszahlen und Margenentwicklung zeigen ein Unternehmen, das seine eigenen Ziele nicht nur verkündet, sondern operativ untermauert.

Die Bewertung nahe dem Jahreshoch und die Zeitachse bei der A350F bleiben Risikofaktoren, die ich im Blick behalten würde – sie sprechen aber eher für Geduld als gegen die grundsätzliche Richtung der Story.

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