Airbus Aktie: Bewährungsprobe vor den Zahlen
Airbus steht vor der Quartalsbilanz am 29. Juli. Der Aktienkurs schwächelt trotz steigender Auslieferungen und Rekordauftragsbestand.

- Quartalszahlen am 29. Juli erwartet
- Auslieferungen im ersten Halbjahr gestiegen
- Rekordauftragsbestand von über 9.000 Flugzeugen
- Streiks und Lieferengpässe belasten Produktion
Airbus steuert auf den 29. Juli zu. Dann legt der Flugzeugbauer seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Ausgangslage ist widersprüchlich: Im ersten Halbjahr stiegen die Auslieferungen um 15 Prozent auf 351 Maschinen. Der Aktienkurs hinkt trotzdem hinterher.
Am Dienstag schloss das Papier bei 48,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 2,04 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 55,00 Euro fehlen 12,73 Prozent. Der Markt wägt gerade zwei Dinge gegeneinander ab: einen prallen Auftragsbestand und akuten operativen Druck durch Streiks und Lieferengpässe.
Die entscheidende Frage
Für den weiteren Kursverlauf zählt vor allem eines: Schafft Airbus den Sprung auf 870 bis 900 Auslieferungen im Gesamtjahr 2026? Und schafft der Konzern das, ohne dass steigende Logistik- und Personalkosten die Marge auffressen? Genau an dieser Frage entscheidet sich, ob die Aktie ihren seitwärts gerichteten Trend verlässt.
Das bullische Szenario
Der Optimismus stützt sich auf die Marktposition. Airbus sitzt auf einem Auftragsbestand von 9.216 Flugzeugen — ein Polster, von dem andere Branchen nur träumen können. Im Juni lieferte der Konzern 89 Maschinen aus. Das zeigt: Die Produktionsmaschine läuft, auch unter Druck.
Parallel baut Airbus ein zweites Standbein aus. Am 14. Juli unterschrieb der Konzern eine Absichtserklärung zum Beitritt in das Bliksem-EXO-Konsortium. Ziel ist ein europäischer Flugkörper-Abfangjäger, erste Tests im Weltraum sind für 2027 geplant. Das margenstarke Verteidigungsgeschäft könnte künftig abfedern, wenn die zivile Nachfrage schwankt.
Technisch spricht einiges für eine Stabilisierung. Die Aktie notiert 25 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 38,40 Euro und liegt mit 1,70 Prozent leicht über dem 200-Tage-Durchschnitt von 47,20 Euro. Eine überzeugende Präsentation am 29. Juli könnte den Weg zurück in Richtung der alten Hochs ebnen.
Das bärische Szenario
Die Risiken sind konkret und schon jetzt sichtbar. Der Ersatzteilmarkt Locatory registrierte im Juni einen Anstieg der Suchanfragen nach kurzfristig benötigten Wartungsteilen um 42 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Engpassrate in der Branche kletterte um 3,5 Prozentpunkte. Für Airbus bedeutet das: Kritische Bauteile für neue Maschinen werden knapper.
Hinzu kommt ein handfester Arbeitskonflikt. In Spanien streiken 3.000 Beschäftigte — mitten in der Fertigung der Schmalrumpfjets, dem Rückgrat des Airbus-Portfolios. Dazu melden Kunden wie IndiGo Lieferverzögerungen bei der A321XLR. Technische und regulatorische Hürden bleiben also ein Dauerthema.
Sollte sich daraus eine Korrektur des Auslieferungsziels von 870 bis 900 Flugzeugen ergeben, dürfte die Aktie ihren 50-Tage-Durchschnitt bei 45,48 Euro testen. Das wären 5,54 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Ausblick
Der RSI von 52,1 zeigt derzeit ein neutrales Bild — nach oben wie nach unten ist Bewegung möglich. Bestätigt Airbus am 29. Juli die Jahresprognose, spricht mehr für eine Stabilisierung oberhalb der 48-Euro-Marke. Entscheidend wird, wie das Management den spanischen Arbeitskonflikt und die Teileversorgung kommentiert.
Räumt der Konzern dagegen ein, dass Materialknappheit die Fertigungsrate der A320neo-Familie spürbar bremst, rückt der 100-Tage-Durchschnitt bei 44,13 Euro in den Fokus. Ein Test dieser Marke dürfte dann richtungsweisend für den mittelfristigen Trend sein.
Ein konkreter Meilenstein liegt bereits am Horizont: die erste Auslieferung einer A350-1000 an Lufthansa, erwartet im Herbst 2026. Sie dürfte zeigen, wie weit das Langstreckenprogramm tatsächlich vorangekommen ist — unabhängig davon, wie die Zahlen am 29. Juli ausfallen.
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