Airbus Aktie: Geopolitik bremst kaum
Bernstein Research stuft Airbus weiterhin positiv ein und sieht nur begrenzte Risiken durch Nahost-Konflikt. Zusätzlich profitiert der Konzern von einem milliardenschweren Rüstungsprojekt.

- Analysehaus hält an Outperform-Empfehlung für Airbus fest
- Gefüllte Auftragsbücher bieten langfristige Absicherung
- Konsortium bewirbt sich um Rüstungsauftrag im Milliardenwert
- Europa verdreifacht Waffenimporte und rüstet massiv auf
Die Eskalation im Nahen Osten sorgt für Nervosität an den Märkten – doch ausgerechnet Airbus könnte glimpflich davonkommen. Das US-Analysehaus Bernstein Research belässt den europäischen Flugzeugbauer am heutigen Montag auf „Outperform“ und sieht nur begrenzte Risiken für die Branche. Voraussetzung: Der Iran-Krieg bleibt zeitlich überschaubar.
Analyst Adrien Rabier verweist auf die prall gefüllten Auftragsbücher. Bei den aktuellen Produktionsraten seien Airbus und der US-Konkurrent Boeing für nahezu die nächsten zehn Jahre ausgelastet. Auch die Zulieferkette dürfte durch den Konflikt nicht aus dem Takt geraten. Ein echter Unsicherheitsfaktor bleibt allerdings: die steigenden Ölpreise und deren Auswirkungen auf die Finanzen der Airlines.
Rüstungskooperation sorgt für Rückenwind
Parallel profitiert Airbus von einem anderen Großprojekt: Gemeinsam mit Rheinmetall und dem Bremer Satellitenhersteller OHB bewirbt sich der Konzern um das militärische Satellitensystem „SATCOMBw Stufe 4“ für die Bundeswehr. Das Volumen: bis zu zehn Milliarden Euro. Ursprünglich Konkurrenten, bündeln die drei Unternehmen nun ihre Kräfte – Zeitdruck und Komplexität lassen keine andere Wahl.
Die Rollenverteilung ist klar: Airbus und OHB übernehmen die technologische Basis und Serienfertigung der Satellitenplattformen, Rheinmetall steuert Systemintegration und militärische Infrastruktur bei. Das Projekt soll die Abhängigkeit der Bundeswehr von US-Anbietern wie SpaceX reduzieren und bis Ende der 2020er-Jahre einsatzbereit sein.
Europa rüstet massiv auf
Der Hintergrund: Europa verdreifachte seine Waffenimporte zwischen 2016-2020 und 2021-2025, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri heute berichtet. Deutschland stieg zum viertgrößten Rüstungsexporteur auf und überholte China. Fast ein Viertel der deutschen Waffenexporte floss in die Ukraine-Unterstützung, weitere 17 Prozent in andere europäische Länder.
Die russische Bedrohung und Zweifel an der NATO-Verlässlichkeit der USA treiben die Nachfrage. Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten ging der größte Anteil der US-Waffenexporte nach Europa – 38 Prozent. Trotz hochgefahrener eigener Produktion kaufen europäische Staaten weiterhin amerikanische Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme. Länder wie Polen und Rumänien setzen dabei auch auf Partnerschaftspflege mit Washington.
Bernstein-Analyst Rabier favorisiert in der Luftfahrtbranche neben Boeing vor allem den französischen Triebwerkshersteller Safran. Für Airbus bleibt die zentrale Frage: Wie lange hält der Ölpreisschock an?
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