Airbus Aktie: Lieferketten-Roulette!
Bis Ende September übergab Airbus 547 Verkehrsflugzeuge; für das Jahresziel von rund 870 sind im Schlussquartal mehr als 320 nötig.

- Avolon bestellte 110 Flugzeuge fest
- Biman Bangladesh orderte zehn weitere Jets
- Airbus lieferte bis September 547 Maschinen
- Neunmonatszahlen erscheinen am 28. Oktober
Auftragspolster wächst vor den Neunmonatszahlen
Die Auftragsbücher des europäischen Flugzeugbauers füllen sich weiter, während die Zeit bis zum Jahresende knapp wird. Nach neuen Festbestellungen über 110 Maschinen durch die Leasinggesellschaft Avolon sowie weiteren zehn Jets für Biman Bangladesh Airlines steht der Konzern vor einer anspruchsvollen Bewährungsprobe.
Am gestrigen Montag meldete Airbus zudem den Rückkauf von 780.000 eigenen Aktien, die zwischen dem 5. und 8. Oktober im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungs- und Vergütungsprogrammen erworben wurden.
Anleger blicken jedoch über die jüngsten Bestelleingänge hinaus auf die industrielle Umsetzbarkeit. Das Papier schloss gestern bei 187,96 Euro und liegt damit rund 15 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro. Der Markt verlangt vor den bevorstehenden Zwischenberichten Klarheit darüber, ob der Konzern die Lücke zwischen dem prallen Auftragsbestand und den tatsächlichen Werkstoren rechtzeitig schließen kann.
Das Auslieferungstempo bildet den Engpass
Für die Bewertung der Aktie in den kommenden Wochen ist allein eine Kennzahl ausschlaggebend: die monatliche Taktung der zivilen Flugzeugübergaben. Bis Ende September lieferte Airbus Medienberichten zufolge 547 Verkehrsflugzeuge aus, was einem Zuwachs von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das formulierte Jahresziel liegt bei rund 870 Maschinen.
Um diesen Zielwert noch zu erreichen, müssen im vierten Quartal mehr als 320 Passagierjets an Kunden übergeben werden. Das monatliche Industrie-Bulletin zeigte vor gut drei Wochen, dass die Produktionskurve zwar anzieht, der Spielraum für Verzögerungen jedoch vollständig aufgebraucht ist. Jeder einzelne Lieferengpass bei Triebwerken oder Kabinenteilen schlägt in dieser engen Taktung unmittelbar auf das Gesamtjahr durch.
Stabiler Hochlauf eröffnet Neubewertungspotenzial
Gelingt den europäischen Montagelinien im Oktober und November eine deutliche Beschleunigung, dürften sich die Zweifel des Marktes rasch verflüchtigen. Die Analysten von RBC Capital Markets bekräftigten am 9. Oktober ihre Einstufung mit „Outperform“ sowie ein Kursziel von 250 Euro und betonten, dass stärkere Auslieferungen in den beiden Herbstmonaten den Druck vom traditionell hektischen Dezember nehmen würden.
Ein reibungsloser Ablauf würde belegen, dass die Maßnahmen zur Stabilisierung der Lieferketten greifen. Mit einem bestätigten Auslieferungsziel und den margenstarken Großraumflugzeugen aus den jüngsten Großaufträgen könnte sich die Aktie wieder ihrem Jahreshoch annähern. Der operative Hebel bei planmäßiger Endmontage bliebe in diesem Fall der wichtigste Treiber für den freien Barmittelfluss.
Fertigungsprobleme bedrohen Rendite und Barmittel
Das Risiko eines industriellen Dämpfers ist jedoch real und wird an den Märkten bereits eingepreist. Sollten Zulieferer die benötigten Komponenten nicht pünktlich an die Endmontagelinien bringen, drohen kostenintensive Nacharbeiten und Zwischenlagerungen unfertiger Flugzeuge.
Vor solchen Konsequenzen warnte am 9. Oktober das Analysehaus Jefferies. Die Experten beließen die Einstufung auf „Hold“ und verwiesen darauf, dass anhaltende Industrieschwierigkeiten die Profitabilität sowie den Cashflow spürbar belasten könnten.
Verfehlt der Konzern das Jahresziel von rund 870 Einheiten im Schlussquartal deutlich, müssten Marktteilnehmer ihre Gewinnschätzungen für das laufende Turnusjahr nach unten korrigieren. Ein Rückschlag bei den Margen würde die Bewertung zusätzlich dämpfen.
Weichenstellung am Tag der Quartalsbilanz
Solange das Management an der Zielmarke von rund 870 Auslieferungen festhält und die Werksausstöße im Oktober sichtbar zulegen, behalten die Optimisten das Übergewicht. Kippt diese Prognose jedoch aufgrund anhaltender Engpässe in den Fertigungsstätten, droht dem Papier ein Test der unteren Bewertungszonen.
Der nächste entscheidende Katalysator steht bereits fest: Am 28. Oktober veröffentlicht Airbus die Finanzergebnisse für die ersten neun Monate des laufenden Jahres. Bei diesem Termin müssen die Verantwortlichen darlegen, ob der geplante Schlusssprint bis Silvester industriell tragfähig bleibt oder die Erwartungen gedämpft werden müssen.
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