Airbus rettet den DAX – während Öl und Big Tech die Nerven strapazieren

Airbus hebt den DAX mit einem Milliarden-Rückkauf, während steigende Ölpreise und ausstehende Tech-Zahlen den Markt belasten.

Die Kernpunkte:
  • Airbus kündigt 5-Milliarden-Rückkauf an
  • Ölpreis steigt wegen Nahost-Konflikt
  • Tesla, Alphabet und IBM legen Zahlen vor
  • GE Vernova fällt trotz Auftragsplus

Airbus rettet den DAX – während Öl und Big Tech die Nerven strapazieren

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

ein Aktienrückkaufprogramm über fünf Milliarden Euro genügte an diesem Mittwoch, um den DAX ins Plus zu ziehen. Das ist die eigentliche Geschichte dieses Handelstages – nicht der Ölpreis, auch wenn Brent wegen des eskalierenden Nahost-Konflikts um über zwei Prozent auf rund 93 Dollar sprang und WTI auf 86 Dollar zog. Diese Gemengelage aus Öl-getriebener Inflationsangst und der Frage, ob die teuersten Tech-Werte ihre Bewertung noch rechtfertigen, ist der eigentliche Prüfstein der Woche. Und wer nach den Profiteuren sucht, findet sie heute Abend jenseits der Rohstoff-Futures – bei einem Flugzeugbauer, der ganz bewusst kein Wort über Geopolitik verlor.

Alphabet, Tesla, IBM: Der Härtetest kommt erst nach Börsenschluss

Heute Abend nach US-Handelsschluss legen mit Alphabet, Tesla und IBM drei Schwergewichte ihre Zahlen vor – und die Reaktion darauf entscheidet, wohin sich die Nasdaq in den kommenden Tagen bewegt. Die Ausgangslage der drei könnte unterschiedlicher kaum sein. Alphabet notiert bei 304,90 Euro, auf Zwölf-Monats-Sicht rund 87 Prozent im Plus – hier muss die KI-Fantasie liefern, sonst kippt die Bewertung. Tesla kämpft: Das Papier steht bei 331,85 Euro, seit Jahresbeginn gut 15 Prozent im Minus. Und IBM ist der eigentliche Sorgenfall der Runde – bei 184,08 Euro nur einen Wimpernschlag über dem 52-Wochen-Tief von 178,52 Euro, mit einem Kursverfall von fast 29 Prozent seit Jahresbeginn.

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Für Anleger heißt das: Wer heute Nachmittag noch groß umschichtet, wettet blind. Die Zahlen kommen erst am Abend, die Kursreaktion erst morgen früh. Warten Sie die Guidance ab, statt auf die Erwartung zu spekulieren – gerade bei IBM, wo die Fallhöhe nach unten zwar begrenzt scheint, das Enttäuschungsrisiko aber real bleibt.

GE Vernova zeigt, wie unbarmherzig diese Berichtssaison ist

Die vielleicht lehrreichste Zahl des Tages kam von GE Vernova, und sie kam mit einem Widerspruch. Der Auftragseingang sprang im zweiten Quartal um 88 Prozent auf 24,2 Milliarden Dollar – eine Zahl, die eigentlich Kaufsignal heißt. Trotzdem brach die Aktie um 7,47 Prozent auf 874,80 Euro ein, weil das schwache Windgeschäft und ein verfehltes GAAP-Ergebnis den Auftragsrausch überschatteten. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht das Papier zwar immer noch fast 88 Prozent im Plus, vom Juli-Hoch bei 1.048,50 Euro ist es aber deutlich zurückgefallen.

Die Ansteckung sprang direkt in den DAX über: Siemens Energy gab rund vier Prozent nach, unmittelbar belastet vom GE-Vernova-Ausblick. Die Lehre für Anleger mit Energietechnik im Depot: In dieser Berichtssaison zählt nicht die absolute Größe einer Zahl, sondern die Enttäuschung gegenüber der Erwartung. Wer investiert bleibt, sollte auf die operative Marge schauen – nicht auf die Schlagzeilen-Aufträge.

Airbus liefert den Gegenbeweis, ganz ohne Krisen-Thema

Während anderswo selbst starke Zahlen bestraft wurden, zeigte Airbus, wie es geht. Der Konzern kündigte eine Gewinnsteigerung bis 2029 und ein Aktienrückkaufprogramm über fünf Milliarden Euro an – die Aktie sprang um rund sieben Prozent und war der maßgebliche Grund, warum der DAX bei 25.155 Punkten fester schloss. Ein Rückkauf dieser Größenordnung ist mehr als eine Kapitalmaßnahme: Er ist ein Vertrauensbeweis in die eigene Bilanz, und er funktioniert unabhängig von Ölpreis oder Nahost-Nachrichten.

Für ein deutsches Depot ist Airbus damit genau die Art von Qualitätswert, die in einem von Energiesorgen zerrissenen Markt Stabilität liefert. Auch Gea war gefragt, nachdem der Auftragseingang um 14,2 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro gestiegen war – ein zweiter Beleg dafür, dass solide Auftragsbücher aus der Industrie derzeit mehr Vertrauen genießen als Tech-Bewertungen.

Die EZB tagt morgen, doch der Ölpreis gibt den Takt vor

Am Donnerstag, den 23. Juli, entscheidet die EZB über den Leitzins. Der Markt erwartet eine Pause, die eigentliche Musik spielt aber im Ausblick. Analysten der Helaba rechnen mit einem Signal der Handlungsbereitschaft, gerade weil die steigenden Energiepreise durch den Nahost-Konflikt die Inflationsdebatte neu anheizen. ABN AMRO sieht den Einlagensatz erst im September bei 2,5 Prozent, Zinssenkungen frühestens 2027. Franklin Templeton rechnet im September sogar mit einer letzten Anhebung, danach mit Pause.

Der Euro hält sich derweil stabil bei 1,1413 Dollar. Entscheidend für Anleger: Solange Öl steigt, sinkt der Spielraum der Notenbanken für Lockerungen – in den USA ist eine Fed-Zinserhöhung im September inzwischen mit rund 69 bis 74 Prozent eingepreist. Das ist Gift für zinssensible Wachstumswerte und ein Argument für Dividendentitel wie Allianz, die heute auf ein neues 52-Wochen-Hoch von 427,40 Euro stieg.

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Gold und AT&T: Zwei ruhige Häfen im selben Sturm

Wer im Öl-Umfeld nach defensiven Ankern sucht, wird bei zwei sehr unterschiedlichen Werten fündig. Gold kletterte auf ein Zwei-Wochen-Hoch von rund 4.117 Dollar, getrieben von Nahost-Sorgen und Schnäppchenkäufen oberhalb der 4.000-Dollar-Marke; der nächste Widerstand liegt bei 4.200 Dollar. Für ein breit gestreutes Depot bleibt eine Gold-Position schlicht die Versicherung gegen weitere Eskalation.

Auf der Aktienseite lieferte AT&T den ruhigeren, aber ebenso überzeugenden Beweis: Umsatz von 31,6 Milliarden Dollar (plus 2,3 Prozent), bereinigtes EPS von 0,65 Dollar nach 0,54 Dollar im Vorjahr, freier Cashflow von 4,7 Milliarden Dollar. Der Konzern bestätigte die Jahresprognose und beschleunigte die Aktienrückkäufe auf rund 10 Milliarden Dollar für 2026 – die Aktie legte auf 20,02 Euro zu. Kein glamouröses Investment, aber eines mit verlässlicher Cash-Rendite in einem Umfeld, das genau danach verlangt.

Der globale Kompass

Drei Linien laufen an diesem Mittwoch zusammen. Erstens: In dieser Berichtssaison entscheidet nicht die Schlagzeile, sondern die Erwartungslücke – GE Vernova bewies mit einem Auftragsplus von 88 Prozent und trotzdem sieben Prozent Kursverlust, wie unbarmherzig das ist. Zweitens: Kapitaldisziplin schlägt Wachstumsversprechen – Airbus zog den DAX allein mit einem Rückkaufprogramm nach oben, während die Bewertungsfrage bei Alphabet, Tesla und IBM erst heute Abend beantwortet wird. Drittens: Den Notenbanken schwindet der Spielraum, bevor sie ihn nutzen konnten – bei Brent nahe 93 Dollar und einer zu 69 bis 74 Prozent eingepreisten Fed-Anhebung wird die EZB-Sitzung morgen eher zum Signal als zur Wende. Wer heute Abend auf die Tech-Zahlen schaut, sollte diese drei Kräfte im Kopf behalten, bevor er auf die Kursreaktion von morgen früh reagiert.

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