Aixtron Aktie: Auftragseingang steigt um 81 Prozent

Aixtron verzeichnet dank KI-Rechenzentren einen deutlichen Auftragsschub, kämpft aber mit schwachen Halbjahreszahlen. Die Jahresprognose bleibt bestehen.

Die Kernpunkte:
  • Auftragseingang steigt um 81 Prozent
  • Operatives Ergebnis wieder positiv
  • Jahresprognose für 2026 bestätigt
  • Neue Kunden für GaN-Technologie

Aixtron hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick nach Trendwende aussehen. Der Auftragseingang des zweiten Quartals kletterte im Jahresvergleich um 81 Prozent auf 214,5 Millionen Euro, nach 118,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Treiber ist laut Unternehmensangaben eine massive Nachfragewelle nach Optoelektronik-Anlagen für den Bau von KI-Rechenzentren. Der Aktienkurs reagierte am Freitag mit einem Plus von 3,06 Prozent auf 36,38 Euro – nach Wochen mit deutlichen Verlusten allerdings nur eine moderate Gegenbewegung.

Rückkehr in die Gewinnzone im zweiten Quartal

Der Blick auf die reinen Umsatzzahlen zeigt ein gemischtes Bild. Im zweiten Quartal erlöste Aixtron 115,1 Millionen Euro und traf damit die Mitte der eigenen Prognosespanne von 110 Millionen Euro plus/minus 10 Millionen Euro. Das operative Ergebnis kehrte mit 14,7 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück, nachdem das erste Quartal noch von Verlusten geprägt war. Für das gesamte erste Halbjahr fällt die Bilanz jedoch deutlich schwächer aus: Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 174,5 Millionen Euro, das EBIT rutschte auf minus 7,6 Millionen Euro, nach plus 26,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Aixtron begründet den Rückgang mit einem geringeren Produktionsvolumen sowie Einmalkosten für einen Personalabbau.

Der starke Auftragseingang im zweiten Quartal wirkt damit wie ein Kontrapunkt zu den schwachen Halbjahreszahlen. Für Anleger ist entscheidend, ob sich die Bestellungen tatsächlich in Umsatz der kommenden Quartale übersetzen – ein Muster, das in der Anlagenbau-Branche mit ihren langen Vorlaufzeiten nicht ungewöhnlich ist, aber Geduld erfordert.

Jahresprognose bleibt trotz schwachem Halbjahr bestehen

Aixtron bestätigte am Donnerstag die im April angehobene Jahresprognose für 2026: Der Zielumsatz liegt weiterhin bei rund 560 Millionen Euro, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 30 Millionen Euro, die EBIT-Marge soll zwischen 17 und 20 Prozent liegen. Angesichts des schwachen ersten Halbjahres setzt dieses Ziel voraus, dass sich der Auftragsschub aus dem zweiten Quartal im weiteren Jahresverlauf tatsächlich in Auslieferungen niederschlägt. Die nächste Standortbestimmung liefert die für den 29. Oktober angekündigte 9-Monatsmitteilung.

Parallel zu den Zahlen treibt Aixtron seine Kapazitäten voran. Am 23. Juli kündigte das Unternehmen den Bau einer neuen Fertigungs- und Entwicklungsstätte im malaysischen Penang an, mit der die globalen Produktionskapazitäten erweitert werden sollen. Finanziellen Spielraum dafür hatte sich Aixtron bereits im April verschafft: Mitte des Monats platzierte das Unternehmen erfolgreich eine Wandelschuldverschreibung mit einem Gesamtnennbetrag von 450 Millionen Euro zur Stärkung der finanziellen Flexibilität.

Neue Kunden für Galliumnitrid-Technologie

Die Nachfrage nach Aixtrons Anlagentechnik zeigt sich auch abseits der reinen Auftragszahlen in konkreten Kundenentscheidungen. Ende Juni erwarb das MIT Lincoln Laboratory zwei 300-Millimeter-Hyperion-Systeme von Aixtron zur Förderung der Forschung an Galliumnitrid und 2D-Materialien. Bereits Anfang Juni hatte sich der japanische Halbleiterhersteller ROHM Semiconductor für die G10-GaN-Plattform des Unternehmens entschieden, um die eigene Produktion von GaN-Leistungsbauelementen zu skalieren. Beide Deals unterstreichen, dass Aixtrons Wachstumsstory nicht allein auf dem KI-Rechenzentrums-Trend fußt, sondern auch die Leistungselektronik- und Forschungssparte trägt.

Kurs deutlich unter den Hochs des Jahres

Trotz der operativen Fortschritte notiert die Aktie weiterhin klar unter ihren Jahreshochs. Vom 52-Wochen-Hoch bei 62,68 Euro, erreicht im Juni, trennen den aktuellen Kurs fast 42 Prozent. Die Erholung vom Freitag reicht damit nicht annähernd aus, um die Verluste der vergangenen Wochen auszugleichen – über die letzten 30 Tage steht weiterhin ein deutliches Minus zu Buche. Auf Jahressicht bleibt die Aktie dennoch klar im Plus, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob der Auftragssprung des zweiten Quartals der Beginn einer nachhaltigen Erholung ist oder ob die Volatilität rund um den KI-Hardware-Zyklus die Aktie vorerst weiter in Atem hält.

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