Aixtron Aktie: Wette auf den 30. Juli

Aixtron-Aktie testet wichtige Unterstützung bei 43,70 Euro. Der Halbjahresbericht am 30. Juli entscheidet über die weitere Kursrichtung.

Die Kernpunkte:
  • Kursrückgang nach starker Jahresrallye
  • Halbjahresbericht am 30. Juli als Richtungsweiser
  • Goldman Sachs baut Beteiligung aus
  • SiC-Geschäft belastet die Bilanz

Aixtron-Aktionäre erleben gerade eine Vollbremsung nach der Rallye. Nach einem Plus von 124,27 Prozent seit Jahresbeginn hat der Titel innerhalb von 30 Tagen 22,68 Prozent verloren. Am Freitag schloss die Aktie bei 43,90 Euro — fast exakt auf dem 100-Tage-Durchschnitt von 43,70 Euro.

Diese Marke ist kein Zufall. Sie markiert die Grenze zwischen konstruktivem Chartbild und einem möglichen Vertrauensverlust in die Jahresprognose des Managements.

Die Landung auf der Unterstützung

Der RSI liegt bei 37,9 und signalisiert eine überverkaufte Lage. Auf Sicht von 12 Monaten steht die Aktie dennoch mit 178,73 Prozent im Plus. Der Kursrückgang folgt aus einer Sektor-Rotation weg von Wachstumswerten und aus Sorgen um die kurzfristige Profitabilität.

Aixtron hatte im ersten Quartal einen operativen Verlust ausgewiesen. Anleger müssen jetzt eine Diskrepanz einordnen: Der Auftragsbestand aus der Optoelektronik ist riesig. Die Umsätze in der Leistungselektronik schwächeln dagegen spürbar.

Der nächste Prüfstein kommt am 30. Juli 2026. Dann veröffentlicht Aixtron den Halbjahresbericht — bis dahin dürfte die Aktie in einer Findungsphase verharren.

Die entscheidende Kennzahl: Auftragsbestand versus Umsatz

Der Auftragsbestand lag im ersten Quartal bei rund 359 Millionen Euro. Rund 70 Prozent der Neubestellungen kamen aus der Optoelektronik. Die tatsächlichen Erlöse im Quartal betrugen aber nur 59,4 Millionen Euro — gebremst durch Saisonalität und Verschiebungen.

Diese Lücke ist der Kern der Debatte. Aixtron hat im April seine Jahresprognose angehoben: 530 bis 590 Millionen Euro Umsatz, eine EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent. Ob das Management diese Ziele erreicht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Kunden die neue Anlagengeneration G10-AsP abnehmen.

Bullisches Szenario: KI-Boom als Rückenwind

Aixtron dominiert den Markt für MOCVD-Anlagen zur Chipherstellung. Für Hochgeschwindigkeits-Laserchips auf Indiumphosphid-Basis — unverzichtbar für KI-Rechenzentren — gilt die G10-AsP-Plattform als Standardwerkzeug der Branche. Aufträge von Kunden wie Lumentum untermauern diesen Vorsprung.

Auch institutionelle Anleger senden Signale. Goldman Sachs hat seine Beteiligung zuletzt auf 8,62 Prozent ausgebaut — in einem Umfeld mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 83,70 Prozent ein bemerkenswerter Schritt.

Bestätigt der Bericht am 30. Juli, dass die Auslieferungen im zweiten Quartal wie geplant angezogen haben, könnte die Korrektur schnell enden. Das nächste Ziel wäre dann die 50-Tage-Linie bei 52,96 Euro. Das entspräche einem Erholungspotenzial von rund 20 Prozent.

Bärisches Szenario: Das SiC-Loch

Das Risiko liegt im Siliziumkarbid-Geschäft. Während die Optoelektronik boomt, kämpft der SiC-Bereich mit Überkapazitäten und einer schwächelnden Elektromobilität-Nachfrage. Das Management hat bereits eingeräumt: Für 2026 droht im SiC-Segment ein deutlicher Umsatzrückgang. Eine Erholung erwartet Aixtron frühestens 2027.

Sollte diese Schwäche stärker ausfallen als erwartet, könnte das Wachstum in der Optoelektronik den Rückgang nicht ausgleichen. Der EBIT-Verlust von rund 22 Millionen Euro im ersten Quartal — teils durch Einmalkosten für Personalmaßnahmen verursacht — zeigt bereits, wie anfällig die Bilanz bei niedrigen Umsatzvolumina ist.

Enttäuscht die Bruttomarge, für die das Management rund 42 Prozent in Aussicht gestellt hat, könnte die Aktie unter die 43,70-Euro-Marke fallen. Das nächste Ziel wäre dann der Bereich um den 200-Tage-Durchschnitt bei 30,81 Euro — ein deutlicher weiterer Rückschlag.

Drei Zahlen für den 30. Juli

Der Halbjahresbericht entscheidet, welches Szenario greift. Anleger sollten auf drei Werte achten:

  • Auftragseingang Q2: Analysten erwarten ein Plus von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Umsatz Q2: Der Vorstand hat rund 110 Millionen Euro in Aussicht gestellt, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 10 Millionen Euro.
  • G10-Rollout in Asien: Insbesondere der Status des geplanten Produktionsstandorts in Malaysia dürfte Aufschluss über das Tempo der Kapazitätserweiterung geben.

Schließt Aixtron die Umsatzlücke aus dem ersten Quartal planmäßig, spricht vieles für eine Bodenbildung um die aktuelle Marke. Bleiben die Erlöse dagegen hinter den Erwartungen zurück, dürfte die Diskussion um die Bewertung bei einer Marktkapitalisierung von 5,11 Milliarden Euro neue Schärfe bekommen. Bis zum 30. Juli bleibt die 43,70-Euro-Marke der Gradmesser dafür, ob der Markt dem Management die zweite Jahreshälfte zutraut.

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